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Brandenburg/Havel Behinderten blutig geschlagen: Hammer-Frauen vor Gericht
Lokales Brandenburg/Havel Behinderten blutig geschlagen: Hammer-Frauen vor Gericht
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10:40 17.05.2019
Zwei junge Frauen sind angeklagt, einen behinderten Mann in Brandenburg/Havel mit einem Notfallhammer geschlagen und ausgeraubt zu haben. Die Polizei fahndete mit Bildern aus der Überwachungskamera nach ihnen. Quelle: Polizei Brandenburg
Brandenburg/H

Zwei junge Frauen sind angeklagt, doch nur eine erscheint vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Potsdam. Die andere ist untergetaucht, hält sich vermutlich außerhalb der EU auf.

Beiden wird vorgeworfen, einen behinderten Mann in Brandenburg/Havel überfallen und ausgeraubt zu haben. Beiden vorbestraften Frauen droht eine erneute lange Haftstrafe.

Den 14. März 2017 wird der inzwischen 43 Jahre alte Sven H. aus Brandenburg/Havel nicht vergessen. Gegen 11.30 Uhr hat er Feierabend von seiner Arbeitstherapie im Asklepios-Fachklinikum auf dem Görden. An der Haltestelle Anton-Saefkow-Allee wartet der zu 100 Prozent schwerbehinderte Mann auf seine Straßenbahn. Er ist auch Bluter.

„Dünne mit Piercing, Dicke mit Dutt“

Ehe er nach Hause fahren kann, fällt er zwei jungen Frauen in die Hände. „Die Dünne mit dem Piercing“ schlägt ihm dreimal mit einem Notfallhammer auf den Kopf, so erzählt er es im Gericht. „Die Dicke mit dem Dutt“ reißt ihm im nächsten Moment seine Tasche, die er sich umgehängt hat, von der Schulter.

Blutend lassen die Angreiferinnen ihr Opfer zurück. Sie haben nicht nur die Tasche erbeutet, sondern auch die darin enthaltene Geldbörse mit 35 Euro, außerdem den Schlüssel des Mannes und Ausweispapiere, darunter den Schwerbehinderten- und den Bluterpass.

Die mutmaßlichen Räuberinnen schwingen sich gemeinsam auf ein „gefundenes“ Fahrrad und radeln davon in Richtung Waldcafé. Ihr ratloses Opfer ruft ihnen hinterher, dass er zur Polizei gehen werde. Sie lachen und rufen zurück: „Mach doch.“

Im Gördensee versenkt

Ehe die Frauen das erbeutete Geld in Drogen und Lebensmittel investieren, beschweren sie die geraubte Tasche mit Steinen und versenken sie auf Nimmerwiedersehen im Gördensee.

Die folgenden Ermittlungen der Polizei gestalten sich schwierig. Wie sich später herausstellt, haben sich die jungen Frauen schnell nach Halle/Saale abgesetzt, wo die jüngere von ihnen wohnt – die „Dicke“, wie Sven H. sagen würde.

Die Beamten veröffentlicht Monate nach der Tat Fahndungsfotos der verdächtigen Frauen. Angefertigt am Vorabend von der Überwachungskamera eines Brandenburger Linienbusses. Aus dem hatten sie das Notfallhämmerchen, also die mutmaßliche Tatwaffe, gestohlen.

Unheimliche Allianz mit Drogen

Franziska B. (26) und Jenny T. (23) bilden eine unheilige Allianz. Kennengelernt haben sie sich im Frauenknast und dann so etwas wie eine Beziehung aufgebaut.

Die aus Neuruppin stammende Franziska B. wird ein halbes Jahr früher entlassen als ihre Freundin. Sie lässt sich in Brandenburg/Havel nieder, will in der neuen Umgebung einen „Neustart“ machen. Das ist offenbar nicht einfach für eine Frau, die mit 12 angefangen hat zu kiffen und sie später harte Drogen wie Crystal Meth, Kokain und Heroin nimmt.

„Ich weiß gar nicht wie das ist ohne“, erklärt die zierliche Frau im Gerichtssaal. Sie scheut sich nicht zuzugeben, auch vor dem Prozess noch gekifft zu haben.

Kein Geld mehr für Kiffen und Essen

Ihr Neustart ist spätestens in dem Moment beendet, als Jenny T. die Haftanstalt verlässt und zu ihrer Freundin auf den Görden fährt. Am Abend des 13. März 2017 sind beide im Bus unterwegs. Jenny holt ihren Seitenschneider hervor und knipst den Nothammer aus seiner Verankerung.

Das Werkzeug benötigt sie, um ihrer Spezialität nachzugehen, Autoscheiben einzuschlagen und dann im Wagen Beute zu machen.

Auf ihrem Spaziergang am Vormittag des 14. März 2017 hält besagte Jenny T. rund um die Anton-Saefkow-Allee Ausschau nach passenden Autos für ihren Hammer. Denn die beiden Frauen haben kein Geld mehr und wollen etwas zu essen und zu kiffen kaufen.

Angeklagte entschuldigt sich

Vor dieser Ausgangslage begegnen sie zufällig dem behinderten, großen, hilflosen Mann. Die Dünne habe sofort den Hammer aus der Tasche geholt und ihn geschlagen, dreimal. „Und dann war ruckzuck die Tasche weg“, berichtet der Zeuge aus und wiederholt seine Worte: „Ruckzuck“.

Franziska B. bestreitet, dass sie dreimal geschlagen habe. Sie habe den sich nähernden Fremden damals für betrunken und für bedrohlich gehalten und deshalb einmal zugeschlagen. Die Angeklagte versichert dem Gericht und ihrem Opfer, dass der Überfall ihr „aufrichtig und von ganzem Herzen“ leid tue.

Die Habseligkeiten des kranken Mannes habe sie aus Selbstschutz im See versenkt. „Ich wollte nicht mehr da landen, wo ich schon gewesen bin“, erklärt Franziska B. Doch sehr wahrscheinlich wird sie zurück ins Gefängnis müssen.

Haft und Entziehungsanstalt

Richter, Staatsanwalt und Verteidiger haben besprochen, dass die Brandenburgerin bei einem von Reue getragenen vollständigen Geständnis mit einer Haftstrafe von drei bis vier Jahren rechnen kann. Sonst fällt die Strafe vermutlich höher aus.

Außerdem wird das Gericht entscheiden müssen, ob die junge Frau wegen ihrer Sucht in eine geschlossene Entziehungsanstalt eingewiesen werden soll.

Im Stich gelassen

Ähnliches dürfte für die untergetauchte, aus Dessau stammende Mittäterin gelten. Gegen Jenny T. liegt nun ein Haftbefehl vor. Der Prozess gegen sie wird irgendwann separat stattfinden. Ihre Freundin ist sauer, weil sie sich von ihr bei dem Prozess im Stich gelassen fühlt.

Sven H. hat bei dem Überfall keine schwerwiegenden körperlichen Verletzungen erlitten. Aber seine Angst ist gestiegen. Allein fährt er nicht mehr zu seiner Arbeitstherapie auf den Görden.

Das Strafverfahren wird fortgesetzt.

Von Jürgen Lauterbach

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