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Brandenburg/Havel Mit Nazi-Tattoo im Freibad: Bademeister ignoriert Beschwerde
Lokales Brandenburg/Havel Mit Nazi-Tattoo im Freibad: Bademeister ignoriert Beschwerde
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15:39 10.09.2019
Das Marienbad in Brandenburg an der Havel will keine Badegäste mit Hakenkreuzen mehr dulden. Quelle: André Großmann
Brandenburg/H

Künftig soll niemand mehr unbehelligt seine Hakenkreuz-Tattoos im Marienbad in Brandenburg/Havel zur Schau stellen können. Das betont Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) nach einem Vorfall vom 26. Mai diesen Jahres.

An diesem Tag fiel einem Badegast, der für die jüdische Begegnungsstätte Schloss Gollwitz arbeitet, im Freibad ein anderer Besucher auf, der ein Hakenkreuz-Tattoo auf dem entblößten Oberkörper trug.

„Fühlen Sie sich wirklich belästigt?“

Darüber beschwerte er sich beim Bademeister, genauer gesagt beim diensthabenden Rettungsschwimmer. Linken-Fraktionschef Andreas Kutsche berichtet unwidersprochen, dass die Beschwerde keinen Erfolg hatte. Der Schloss-Gollwitz-Mitarbeiter habe sich sogar rechtfertigen müssen.

Der Darstellung von Andreas Kutsche zufolge fragte der Rettungsschwimmer den Badegast, ob er sich denn „wirklich belästigt“ fühle.

Der Linken-Politiker bat die Stadtverwaltung um Aufklärung des Vorgangs. Kutsche erinnerte daran, dass es sich dabei um eine Straftat handelt (§86a StGB – Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen).

Keine Anzeige, kein Rauswurf

Die Fragen von Andreas Kutsche hat der Oberbürgermeister inzwischen beantwortet und das Geschehen im Marienbad indirekt bestätigt. Der bekennende Nazi wurde also trotz der Beschwerde weder angezeigt noch aus dem Marienbad geworfen.

Guido Schütz zufolge bat der Rettungsschwimmer den Träger des Hakenkreuzes als Reaktion auf die Beschwerde, das verbotene NS-Symbol zu verdecken. Für den Marketing-Chef des Bades ist aber klar: „Das hätte sofort zur Anzeige gebracht werden müssen. Und dieser Gast hätte ein Hausverbot bekommen müssen.“

„Dumm, frech oder provokant“

Denn niemand begehe eine solche Straftat aus Versehen. Schütz: „Entweder ist derjenige dumm und frech oder er will provozieren.“ Das Marienbad dulde keine Straftaten auf seinem Gelände.

Der Betriebsleiter des Marienbades, Jens Grosser, habe den Vorfall mit allen Angestellten ausgewertet und die künftige Verfahrensweise abgestimmt, berichtet Oberbürgermeister Steffen Scheller den Stadtverordneten.

Die Marienbad-Leitung habe den Mitarbeitern eine Übersicht verfassungswidriger Symbole und Gesten übergeben, damit sie eine Handlungsanleitung für künftige Fälle haben, wie es heißt.

Scheller: „Sollte künftig ein Gast mit entsprechender Symbolik im Bad bemerkt werden, können sich die Mitarbeiter anhand dieser Übersicht vergewissern, ob eine Straftat vorliegt, und die Polizei rufen.“

Badeordnung wird überarbeitet

Der Werkleiter des städtischen Eigenbetriebes Marienbad überarbeitet zudem gemeinsam mit Betriebsführer Grosser die geltende Haus- und Badeordnung. Wegen des Vorfalls vom 26. Mai will Scheller den Werkleiter anweisen, den beschriebenen Sachverhalt bei der Überarbeitung zu berücksichtigen. In der neuen Badeordnung soll geklärt werden, „wann diesbezüglich ein Hausverbot ausgesprochen werden muss“.

Vorübergehend gilt laut Oberbürgermeister Folgendes: „Liegt eine Straftat vor, wird der Gast des Bades verwiesen.“ Die Unbelehrbaren sollen also nicht länger ohne Konsequenzen Nazi-Propaganda im Freibad machen können.

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Von Jürgen Lauterbach

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