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Brandenburg/Havel MAZ-Sterntaler: 14-jähriger Darwin liegt seit mehr als acht Jahren im Wachkoma
Lokales Brandenburg/Havel

Brandenburg/Havel: Darwin (14) liegt seit acht Jahren im Wachkoma

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16:34 11.12.2020
Der kleine Alvin, hier mit seiner Mutter Rebeca und seinem Bruder Kempes, gehört seit sieben Monaten zur Familie Poenaru.
Der kleine Alvin, hier mit seiner Mutter Rebeca und seinem Bruder Kempes, gehört seit sieben Monaten zur Familie Poenaru. Quelle: Jürgen Lauterbach
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Brandenburg/H

Seit mehr als der Hälfte seines Lebens liegt Darwin (14) aus Brandenburg an der Havel im Wachkoma. Seit mehr als acht Jahren umsorgen ihn seine Eltern 24 Stunden am Tag nach einem festen Rhythmus.

Mutter und Vater glauben an ihren Jungen, dem das Schicksal so grausam mitspielt. Stellen ihr eigenes Leben komplett in den Dienst ihres Kindes, sind glücklich über jeden noch so kleinen Schritt nach vorn.

Seit dem Sommer 2012 liegt der Junge im Wachkoma, eine Hirnhautentzündung wurde damals nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt. Seither ist er gewachsen, aber leider nicht wach geworden.

Ruhepausen gibt es nicht

Rebeca Poenaru (31) behütet ihren Sohn, niemand Fremdes soll ihm nahe kommen in dieser Coronazeit, die höchste Gefahr für das Kind bedeutet. „Außerdem würde es mir das Herz brechen, meinen schlafenden Jungen öffentlich zur Schau zu stellen“, erklärt die junge Frau, warum sie Darwin nicht fotografieren lassen möchte.

Tag und Nacht gehen bei der MAZ-Sterntalerfamilie aus Hohenstücken ineinander über. Rebeca und Marcu Poenaru (33) lösen sich bei der Betreuung ihres Kindes ab. Der Vater übernimmt die Spät und de Nachtschicht und schläft dann am Tage.

„Ich habe seit acht Jahren nicht mehr mit meinen Mann gemeinsam in einem Bett übernachtet“, erzählt die dreifache Mutter.

Durchorganisiert und anstrengend

Der Tagesablauf ist streng durchorganisiert. Wenn man so will, beginnt er um 4.30 Uhr morgens. Die Mutter hat gekocht. Fertige Nahrung verträgt Darwin nicht, es sind spezielle leichte Suppen mit Ei und Gemüse sowie pürierte Karotten, die er bekommt.

Der Junge muss inzwischen nicht mehr über eine Sonde ernährt werden. Ein Schluckreflex ist vorhanden. Am Anfang hat er sich oft verschluckt, aber seit drei Jahren geht es besser. Ein wichtiger Fortschritt.

Nach dem Frühstück folgt die Medizin, die das kranke Kind auch wegen der chronischen Darmerkrankung Morbus Crohn erhält, die sich leider entwickelt hat.

Pürierte Banane, hauchdünne Schoko

Der Tag geht um 7 Uhr weiter mit Zähneputzen und Waschen des bettlägerigen Kindes. Danach folgt Sport, das heißt physiotherapeutische Übungen. Seit der Zuspitzung der Corona-Gefahr übernehmen die Eltern auch diese Arbeit, weil sie überhaupt kein Ansteckungsrisiko eingehen möchten.

Deshalb ist auch Bruder Kempes (11) nicht mehr in der Schule, sondern verfolgt den Unterricht auf seinem Computer. Für ihn ist es natürlich auch nicht einfach, auf den direkten Kontakt mit seinen Schulfreunden zu verzichten.

„Er guckt uns ein bisschen an“

Sein großer Bruder bekommt um 9 Uhr pürierte Bananen, später wird es mit Joghurt und Wasser verdünnte hauchdünne Schokolade sein, die Darwin von einem Löffel saugt.

Die Hände und Füße des Sohnes, der früher so munter und aufgeweckt war, wollen zwischen 9.20 und 10.10 Uhr stimuliert werden. Um 12 Uhr wird Darwin in einen Rollstuhl gesetzt und dreht mit seiner Mutter eine Runde durch Hohenstücken. Frische Luft ist wichtig.

So kommt Ihre Sterntaler-Spende an

Die MAZ sammelt mit der großzügigen Unterstützung von Leserinnen und Lesern seit mehr als zwanzig Jahren Sterntaler-Spendengeld, um damit Wünsche zu erfüllen, manchmal auch um ein bisschen Licht ins plötzliche Dunkel zu bringen.

Spenden für die MAZ-Sterntaler können Sie auf das folgende Konto des DRK-Kreisverbandes Brandenburg an der Havel. Es wird geführt bei der Brandenburger Bank unter der IBAN- Nummer: DE 77 1606 2073 0100 0707 00.

Bitte geben sie als Spendenzweck „MAZ-Sterntaler“ an und nennen Sie Namen und Adresse, sodass das DRK Ihnen eine Spendenquittung ausstellen kann.

Bis zu einem Betrag von 200 Euro benötigen Sie keine Spendenquittung. Dem Finanzamt reicht dafür in der Steuererklärung Ihr entsprechender Kontoauszug.

Wieder zu Hause wird das Gesicht eingerieben. Mutter Rebeca singt ihrem Jungen vor oder erzählt ihm eine Geschichte.

Bekommt der 14 Jahre alte Wachkoma-Patient etwas mit von dem, was um ihn herum geschieht? „Er guckt uns ein bisschen an“, sagt seine Mutter. Meist seien die Augen geschlossen, doch manchmal öffne er sie.

Keine gesunde Frau mehr

Die Familie gibt die Hoffnung nicht auf. Rebeca Poenaru erinnert sich an den fernen Tag am Krankenbett auf der Intensivstation. Darwin bat sie, ihn nicht allein zu lassen. Die Eltern leisten seither fast Übermenschliches.

In einem stillen Moment erzählt die Mutter, dass der Dauereinsatz an ihre körperliche und psychische Substanz geht. Sie hat gesundheitliche Probleme mit dem Herz, der Niere, dem Rücken. „Ich habe das Gefühl, dass ich keine gesunde Frau mehr bin“, sagt die 31-Jährige.

Was die Familie am nötigsten hätte, wäre ein pflegeerfahrener Mensch, der die Familie entlasten könnte, sagt Marietta Stranz. Die ehrenamtliche Familienbegleiterin der Björn-Schulz-Stiftung unterstützt die Poenarus an allen Ecken und Enden. Zum Beispiel, wenn es etwas zu organisieren gibt oder Behördengänge zu erledigen sind.

Der kleine Sonnenschein Alvin

Der sieben Monate alte Alvin bringt neues Leben in die Wohnung. „Kempes hat sich einen Bruder gewünscht“, erzählt Rebeca Poenaru und lächelt ein erstes Mal. Der kleine Sohn tue der Familie gut. „Eine schwere, aber schöne Arbeit“, versichert die gebürtige Rumänin und lächelt erneut.

Mit Wünschen an die MAZ-Leserinnen und -Leser, die die weihnachtliche Sterntaler-Aktion unterstützen, hält sich die Familie sehr zurück.

Aber mit Hilfe von Marietta Stranz ist herauszufinden, dass wegen der vielen Wäsche, die anfällt, eine 8-Kilo-Waschmaschine sehr helfen würde. Ebenso wie jede Menge Bettbezüge, Babynahrung und Windeln ohne Ende – für den großen und den kleinen Jungen.

Mithilfe der MAZ-Leser werden wir versuchen, zu Weihnachten noch ein bisschen mehr Licht ins Haus zu bringen. Und auch dem Sohn etwas Freude zu bereiten, der auf dem Sprung ist, vom Kampfsport zum Fußball zu wechseln.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ihren Beitrag zur Sterntaleraktion in dieser Vorweihnachtszeit leisten möchten, nutzen Sie bitte das vom DRK-Kreisverband Brandenburg an der Havel geführte MAZ-Sterntaler-Spendenkonto bei der Brandenburger Bank. Die Kontonummer lautet IBAN DE77 1606 2073 0100 0707 00.

Von Jürgen Lauterbach

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