Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Wie eine Frau aus Hohenstücken ihr Herz für ein vernachlässigtes Kind entdeckt
Lokales Brandenburg/Havel

Brandenburg/Havel: Einfache Frau zeigt Herz für vernachlässigtes Kind

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:06 15.12.2020
Silvia Dippner (56) und ihr Sohn Jason (12) sind ein Herz und eine Seele. Beide verbindet ein ungewöhnliches Schicksal.
Silvia Dippner (56) und ihr Sohn Jason (12) sind ein Herz und eine Seele. Beide verbindet ein ungewöhnliches Schicksal. Quelle: JACQUELINE STEINER
Anzeige
Brandenburg/H

Aus der Gosse geholt hat Silvia Dippner (56) den Jungen zwar nicht. Doch die 56 Jahre alte Brandenburgerin hat einem Kind geschenkt, was es sonst vermutlich nie erfahren hätte: Zuneigung. Liebe. Sicherheit.

Die Geschichte der kleinen MAZ-Sterntaler-Familie mutet abenteuerlich an. Sie beginnt vor ungefähr zwölf Jahren. Die Mutter von vier erwachsenen Kindern besucht damals Verwandte in der Stadt. Zu Gast sind auch deren Freunde. Das Paar hat kleine Kinder und ist damit offenkundig überfordert.

Jedenfalls liegt im Wohnzimmer ein ganz kleines Kind, erst etwa eine Woche alt. Das Fläschchen irgendwie am Hals. Niemand kümmert sich so recht um den Kleinen, nur Silvia Dippner mag den Säugling.

Eltern wollten das Kind nicht

Die Eltern haben Probleme. Die Brandenburgerin fragt nach, ob sie das Kind einmal mit zu sich nehmen soll. Kein Thema, Mutter und Vater willigen ein.

Immer öfter ist der kleine Jason in der Folgezeit bei dem einzigen Menschen, der richtig lieb zu ihm ist. Die Klumpfüße des Babys stören die Frau mit der rauen Stimme und dem weichen Herz nicht.

Lesen Sie auch: So hilft Seelsorgerin Felicitas Haupt den Eltern von Sternenkindern

Die Eltern geben Silvia Dippner ziemlich deutlich zu verstehen, dass sie ihr Kind am liebsten nicht zurücknehmen möchten. Denn erst einmal müssten sie mit sich selbst ins Reine kommen.

Am Anfang nur für ein Jahr

„Ich habe den Jungen dann abgeholt, ein Jahr lang sollte er bei mir bleiben“, erzählt die jetzt fünffache Mutter. Aus dem einen Jahr wurden drei Jahre. Mit viel Rennerei, weil Silvia Dippner für alles Mögliche die Zustimmung der leiblichen Eltern benötigte.

Jason kennt bis heute als Mutter im Grunde nur eine Frau. Silvia Dippner. Nur zu ihr sagt er Mama. Denn sie lebt mit ihm in einer kleinen Wohnung in Hohenstücken und passt auf, dass es ihm gut geht.

Die andere Frau, die ihn vor zwölf Jahren auf die Welt gebracht hat, oder auch seine Schwestern, sieht er gelegentlich.

Vormundschaft

Silvia Dippner, die längst die Vormundschaft für Jason hat, hätte nicht tun müssen, was sie getan hat. Diese einfache Frau hat es einfach getan, von Herzen. Sich erbarmt, ohne Gegenleistung. Kein Wort verliert sie darüber, warum sie all die Mühen auf sich genommen hat, nachdem sie schon drei Söhne und eine Tochter groß gezogen hat und mehr Ruhe verdient hätte.

Lesen Sie auch: MAZ-Sterntaler: Die kleine Juna ist trotz Leukämie auf bestem Wege

Die Mutter-Kind-Beziehung stand und steht für die in Potsdam geborene Brandenburgerin so felsenfest, dass niemand daran rütteln kann. Ihr neuer Partner Stefan mochte den Jungen ebenfalls, wurde für Jason wie ein Vater. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit den dreien.

Der Ersatzpapa stirbt

Stefan wurde schwer krank. Vor drei Jahren ist er gestorben. Die Mutter wusste nicht, wie sie ihrem Sohn beibringen sollte, dass sein Ersatzpapa nicht mehr lebt. Abends am Bett hat sie es Jason schließlich ganz ruhig erzählt. Das Bild von Stefan auf dem Schrank ist beiden geblieben.

Silvia Dippner war früher in der Pflege tätig, wie sie sagt. Nach einer Bypassoperation könne sie nicht mehr arbeiten gehen. Vielmehr müsse sie bald wieder ins Krankenhaus und werde dann mindestens einen Zeh verlieren. Gefäßverschluss. Ihr Ex-Mann wird sich in der Zeit um den Jungen kümmern, beide verstehen sich gut.

Bescheidenes Leben

Mutter und Kind führen von Hartz IV und Kindergeld ein bescheidenes Leben. Luxus und schön funkelnde Dinge sucht man in ihren vier Wänden vergeblich. Doch beide sind zufrieden, haben einander, zanken auch mal, lassen aber nichts auf den anderen kommen. Auch wenn das Kinderzimmer eigentlich aufgeräumt gehört.

Dass die Familie zwei Wohnungen verlassen musste, weil der Abriss bevorstand, macht nichts. Silvia Dippner freut sich vielmehr, dass sie nun sogar eine Küche mit Fenster hat.

Der Newsletter direkt aus dem Newsroom

Die Top-Themen, die Brandenburg bewegen - und alle Infos zur Corona-Pandemie. Täglich von der Chefredaktion in Ihr Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Was sind ihre Sterntaler Wünsche? Weil die Polsterfedern schon aus dem Sofa nach außen dringen, würden sich die beiden Sterntaler-Brandenburger über Ersatz freuen.

Als Erbe ein Schuldenberg

Der Schüler der Grimm-Schule mit dem Lieblingsfach Musik und dem guten Gedächtnis für Gedichte wünscht sich keinen technischen Schnickschnack. Mit Lego spielt er immer noch am liebsten. Und ein zweites Regal für sein Zimmer und ein besseres Schlafsofa würden ihm auch weiterhelfen.

So kommt Ihre Sterntaler-Spende an

Mit der vorweihnachtlichen Sterntaleraktion möchte die MAZ Brandenburger Familien und alleinstehenden Menschen, die in Not geraten sind, auch in diesem Jahr helfen. Mit überraschenden Geschenken gelingt es oft, Weihnachten zu einem großen Fest zu machen.

Die MAZ sammelt dafür mit der großzügigen Unterstützung von Leserinnen und Lesern seit mehr als zwanzig Jahren Sterntaler-Spendengeld.

Spenden für die MAZ-Sterntaler können Sie auf das folgende Konto des DRK-Kreisverbandes Brandenburg an der Havel. Es wird geführt bei der Brandenburger Bank unter der IBAN- Nummer: DE 77 1606 2073 0100 0707 00.

Bitte geben sie als Spendenzweck „MAZ-Sterntaler“ an und nennen Sie Namen und Adresse, sodass das DRK Ihnen eine Spendenquittung ausstellen kann.

Bis zu einem Betrag von 200 Euro benötigen Sie keine Spendenquittung. Dem Finanzamt reicht dafür in der Steuererklärung Ihr entsprechender Kontoauszug.

Mutter und Sohn haben einiges durchgemacht. Silvia Dippner ist noch heute Dorte Kreutzer vom Brandenburger Jugendamt dankbar. Deren Einsatz sei es zu verdanken gewesen, dass das Kind mit seinen zwölf Jahren nicht einen Riesenberg Schulden vor sich her tragen muss.

Denn Jason hatte geerbt, weil alle in der Erbfolge vor ihm dieses Erbe aus gutem Grund ausgeschlagen hatten. Dann kam das Kind an die Reihe und wehrte sich nicht. Plötzlich saß es unverschuldet in der Schuldenklemme.

Zum Glück wurde Jason befreit. „Aber einfach war das nicht“, versichert seine Mutter. Beim Nachlass des zweiten Großvaters wusste Silvia Dippner, was zu tun ist: Das Erbe ausschlagen.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ihren Beitrag zur Sterntaleraktion in dieser Vorweihnachtszeit leisten möchten, nutzen Sie bitte das vom DRK-Kreisverband Brandenburg an der Havel geführte MAZ-Sterntaler-Spendenkonto bei der Brandenburger Bank. Die Kontonummer lautet IBAN DE77 1606 2073 0100 0707 00.

Von Jürgen Lauterbach