Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Wie eine Bombe einen Norweger vor dem Fallbeil rettete
Lokales Brandenburg/Havel Wie eine Bombe einen Norweger vor dem Fallbeil rettete
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:42 02.05.2019
Gedenkminute zur Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden. Signe Blindheim(3. v. li.), ihr Bruder Martin-Ingwald (4. v. li.) und weitere Nachkommen nehmen teil. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

 Das Grauen bekommt ein Gesicht, wenn das Schicksal eines leibhaftigen Menschen bekannt wird. Leibhaftig war Martin Edvard Blindheim, der als norwegischer Widerstandskämpfer jahrelang im Zuchthaus Brandenburg-Görden in der Todeszelle saß. Am 20. April 1945 sollte er enthauptet werden. Doch er entging seiner Ermordung wegen einer Bombe.

An diesem Sonntag haben sich etwa 80 Menschen zum 74. Jahrestag der Befreiung im einstigen Zuchthaus Brandenburg-Görden versammelt, an jenem Ort des Grauens, an dem 2032 Männer zwischen 1940 und 1945 unter dem Fallbeil gestorben sind, darunter sechs Norweger.

Martin Blindheim hat von 1944 bis 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden auf seine Hinrichtung gewartet. Seine Nachkommen gedenken seiner Befreiung vor 74 Jahren. Letztlich rettete eine Bombe sein Leben.

Martin-Ingwald und Signe Blindheim sind Nachkommen des einstigen Todeskandidaten Martin Edvard Blindheim aus Oslo. Sie sind mit ihren Kindern und deren Partnern zum Gedenken nach Brandenburg gereist. Ihr Vater hatte diese Reise in die Vergangenheit zeitlebens gescheut.

Martin Edvard Blindheim ist 25 Jahre jung, als die Deutschen Norwegen am 9. April 1940 besetzen. Er leistet Widerstand, wirkt mit an der Untergrundzeitung „Norwegen“. Schon bald werden er und zwei weitere Widerstandskämpfer erwischt und kurz vor seinem 27. Geburtstag inhaftiert.

„Feindpropaganda“

Sein Sohn, der wie seine Vorfahren seit Generationen ebenfalls Martin heißt, erzählt die Geschichte seines Vaters, den der Volksgerichtshof am 8. Oktober 1944 in einem „diktatorisch-brutal“ geführten Verfahren wie seine Mitstreiter zum Tode verurteilt wegen „Herstellung und Verbreitung deutschfeindlicher Hetzschriften und damit Feindpropaganda“.

Montag ist Hinrichtungstag

Über Moabit und Tegel landet Blindheim im Zuchthaus Brandenburg in der Todeszelle mit der Aufschrift TU für „Todesurteil“. Jeden Sonntag nimmt er fortan in innerer Einkehr Abschied vom Leben. Denn jede Woche ist der Montag Hinrichtungstag auf dem Görden.

Gegen 11 Uhr ist dann das Geklapper der Lederpantoffeln zu hören. Die Todeskandidaten werden zum Fallbeil geführt.

Für den 20. April 1945, Hitlers Geburtstag, sind Martin Blindheim und sein Zellennachbar Per Andersen zur Hinrichtung im 30- bis 60-Sekunden-Takt vorgesehen. Der letzten, der noch 28 Männer zum Opfer fallen.

Das Ehebett steht bereit

Die Namen der Norweger stehen auf der Todesliste, die mit einem Transporter von Berlin nach Brandenburg/Havel gebracht werden soll. Doch eine Bombe der Alliierten zerfetzt den Transporter.

Eine Woche später befreit die Rote Armee die Gefangenen. Martin Blindheim schlägt sich durch bis Oslo. Er heiratet seine Verlobte Lotte, die aus Trotz und Zuversicht am Tag des Abtransports ihres Liebsten ein Ehebett gekauft hatte. Das wird nun endlich gebraucht.

Der Mittelalter-Spezialist Martin Edvard Blindheim lehrt als Historiker an der Universität Oslo. Deutschland sieht er nie wieder. Er stirbt 2009 im Alter von 94 Jahren.

Von Jürgen Lauterbach

Purcell, Williams, Elgar, Britten. Sehr britisch ging es zu beim 7. Sinfoniekonzert der Brandenburger Symphoniker in Brandenburg/Havel. Die junge britische Geigerin Louisa Staples brillierte.

28.04.2019

Es ist ein guter Brauch in Brandenburg/Havel. An diesem Sonntag hat Pfarrer Richard Rupprecht 40 Biker gesegnet. Erst dann unternahmen sie ihre erste gemeinsame Ausfahrt nach Garitz bei Wiesenburg.

28.04.2019

„Haselnussweg“ und „Wacholderweg“ passen besser zur Eigenen Scholle als „Neustädtischer Forst“ und „Am Kornfeld“. Das findet der dortige Bürgerbeirat. Er setzte sich mit den Namen für die neuen Straßen durch.

28.04.2019