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Brandenburg/Havel Die Ausstellung „Stoffwechsel“ startet im Brandenburger Stadtmuseum
Lokales Brandenburg/Havel

Brandenburg an der Havel: Ausstellung Stoffwechsel startet im Stadtmuseum

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16:16 25.08.2021
Lange Reihen von Spulen drehten sich in den 1980er-Jahren im Betriebsteil V des VEB ALWO, zugehörig zum „Volkseigenen Kombinat Altenburger Wollspinnerei“, wie die ehemalige Kammgarnspinnerei Kummerlé seit 1969 hieß.
Lange Reihen von Spulen drehten sich in den 1980er-Jahren im Betriebsteil V des VEB ALWO, zugehörig zum „Volkseigenen Kombinat Altenburger Wollspinnerei“, wie die ehemalige Kammgarnspinnerei Kummerlé seit 1969 hieß. Quelle: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel
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Brandenburg an der Havel ist als bedeutende Industriestadt vor allem für Fahrrad-, Spielwaren- und Autoindustrie bekannt und war zweitgrößter Stahlstandort der DDR. Aber schon lange vor der Industriezeit produzierten hier viele spezialisierte Handwerker weit über den Eigenbedarf hinaus und exportierten ihre Erzeugnisse. Viele hundert Menschen waren als Weber, in der Spinnerei, als Färber und Aufbereiter der Tuche tätig, auch die Familien arbeiteten mit.

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Der Wandel zu frühindustriellen Betrieben erfolgte in Brandenburg an der Havel nur sehr zögerlich, erst seit den 1820er-Jahren hielten mechanische Webstühle und Dampfmaschinen Einzug in erste größere Betriebe. Die Lage an der Havel als Wasserstraße und später an der seit 1846 eröffneten Eisenbahnanbindung Potsdam – Magdeburg war für den Transport von Rohstoffen und fertigen Produkten überaus wichtig.

Nach der großen Textilkrise von 1866 konzentrierte sich die textile Industrie seit der Gründerzeit auf wenige Großbetriebe. Nach einer weiteren Hoch-Zeit dieser industriellen Textilproduktion bis in die Mitte der 1980er-Jahre setzte der endgültige Niedergang und das Aus ein: Die verspätete Anpassung an neue Produktionsanlagen, die politische Wende und nicht zuletzt ein veränderter Weltmarkt sorgten bis 1995 für das Ende der letzten Textil- und Garnproduzenten in der Havelstadt.

Einer der letzten Handwebstühle stand bis 1925 in der Werkstatt der Firma Otto Hannemann in der Grabenstraße. Quelle: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel

Das Motto des Themenjahres 2021 von Kulturland Brandenburg „Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Brandenburg“ trifft passgenau die Situation der historischen Industriezweige in Brandenburg an der Havel. Das Stadtmuseum beleuchtet in seiner Ausstellung „StoffWechsel“, die am heutigen Donnerstag um 17 Uhr im Stadtmuseum im Frey-Haus eröffnet wird, die Entwicklung zwischen Handwerk und Industrie am Beispiel der Textilbranche.

Diese „StoffWechsel“ haben in der Stadt vielfältige Spuren hinterlassen. Zwar verschwanden viele der einstigen Betriebe aus dem Antlitz der Stadt. Die Unternehmen, die die Zeiten überdauert haben und einst als Arbeitsplätze dienten, sind heute wieder stark gefragt. Es sind Orte zum Leben, Wohnen und wieder zum Arbeiten geworden, wenn auch nicht mehr in der Textilbranche.

Hierzu zählen die restaurierten Häuser in der Wollenweberstraße oder die vor wenigen Jahren noch vollständig vom Verfall bedrohten Gebäude der ehemaligen Kammgarnspinnerei. Die Zukunft ist in Bewegung – Brandenburg an der Havel ist es auch. Die Schau ist bis zum 13. Oktober während der üblichen Öffnungszeiten des Stadtmuseums im Frey-Haus in der Ritterstraße 96 in Brandenburg an der Havel zu sehen. Die Ausstellung ist ein Projekt im Rahmen des Themenjahres Kulturland Brandenburg 2021 „Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Bewegung“.

Von MAZ