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Brandenburg/Havel Geflügelte Worte: Georg Büchmann lehrte in Brandenburg an der Havel
Lokales Brandenburg/Havel

Brandenburg an der Havel: Hier lehrte Georg Büchmann

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10:30 05.01.2022
Das Interkulturelle Zentrum Gertrud von Saldern in der Altstadt: Hier wurde 1589 die Saldria gegründet. Georg Büchmann (1822-1884) lehrte hier.
Das Interkulturelle Zentrum Gertrud von Saldern in der Altstadt: Hier wurde 1589 die Saldria gegründet. Georg Büchmann (1822-1884) lehrte hier. Quelle: Heiko Hesse/Wikipedia
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Brandenburg/H

Kennedy hätte er mit Kusshand genommen. Als der US-Präsident 1963 in West-Berlin bekannte „Ich bin ein Berliner“, ließ er ein geflügeltes Wort fliegen. Eben solche Worte sammelte Georg Büchmann. Heute vor 200 Jahren wurde er geboren. Wenigstens drei für ihn wichtige Jahre lang war er Lehrer in Brandenburg an der Havel.

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Büchmann kam am 4. Januar 1822 in Berlin zur Welt. Er studierte 1841 bis 1844 Theologie, Klassische Philologie sowie Archäologie an der Friedrich-Wilhelm-Universität, der heutigen Humboldt-Universität. Seine erste Lehramtsstelle fand er 1848 im französischen Gymnasium in Berlin. Wenig später taucht Büchmann in der Stadt Brandenburg auf.

Buchtitel der Erstausgabe von Georg Büchmann, erschienen 1864 in Berlin. Quelle: Screenshot

Büchmann war in der Literatur zu Hause. Als sein erstes Buch „Geflügellte Worte – der Citatenschatz des Deutschen Volks“ erschien, fanden sich 1900 Zitate darin. Zum Beispiel aus Schillers Räuber: „Dem Mann kann geholfen werden“. Goethes Faust erwies sich als wahre Fundgrube: „Der Worte sind genug gewechselt. Lasst uns auch endlich Taten seh’n.“

Oberlehrer in Brandenburg an der Havel

Büchmann ließ um 1850 in der Altstadt nieder: Die Adressbücher 1851 und 1852 führen den promovierten Oberlehrer Büchmann im Kollegium der „Saldrischen Realschule in der Altstadt“. Zu dieser Zeit befand sich die Bildungsstätte noch dort, wo sie mit der Förderung von Gertrud von Saldern 1589 gegründet worden ist: auf dem früheren Bischofshof an der Gotthardtkirche.

Seinen Wohnsitz hatte der Pädagoge in der Bäckerstraße. Da die Adressbücher in dieser Zeit nicht jährlich erschienen, geben sie nicht Auskunft darüber, wann Büchmann nach Brandenburg kam. Doch ein Karrieresprung ist zu sehen.

Als Oberlehrer in Brandenburg an der Havel

Im Adressbuch von 1851 taucht die Bezeichnung „Collaborator“ als Büchmanns Beruf auf. So nannte man früher Hilfslehrer an bestimmten Schulen. Das Adressbuch von 1852 führt Büchmann dann schon als „Oberlehrer“.

Gewohnt hat der junge Pädagoge über dem „Goldnen Engel“ von Gastwirt Guticke in der Ritterstraße 213. Nach der Neuorganisation der Hausnummer in Brandenburg an der Havel bekam Gutickes Dreigeschosser in der Bäckerstraße die Nummer 22.

Georg Büchmann wohnte in der Bäckerstraße 213 (seit 1867 hat das Haus die Nummer 22). Quelle: Heiko Hesse

Wann genau er nach Berlin zurückkehrte, ist nicht bekannt. Aus seiner Biografie geht hervor, dass er 1854 eine Stelle als Sprachlehrer an der Gewerbeschule in Berlin-Friedrichswerder annahm.

Geflügelte Worte erschien 1864 in Berlin

Seine Leidenschaft für bemerkenswerte Zitate ist spätestens 1864 öffentlich geworden. Im Königlichen Schauspielhaus in Berlin sprach Büchmann über „Landläufige Citate“. Im Publikum saß ein Verleger. Er ermunterte Büchmann dazu, sein Manuskript zu erweitern und für den Druck umzuarbeiten. So erschienen Büchmanns „Geflügelte Worte“ erstmals im Jahre 1864.

Das Buch mit 1900 Zitaten in der ersten Ausgabe lief bestens. Immer wieder kamen Neuauflagen heraus – zuletzt 2007 mit nun 4000 Zitaten. Heute prägt auch die Werbung so manches geflügelte Wort. „Ich bin doch nicht blöd!“ ist eines der bekanntesten. Büchmann kannte Shakespeare und verewigte unter anderem Hamlet mit „Kürze ist des Witzes Seele“.

Büchmann starb am 24. Februar 1884 in Schöneberg, damals noch ein selbstständiger Berliner Vorort. Sein Grab liegt auf dem alten St.-Matthäus-Kirchhof in der Großgörschenstraße.

Von Heiko Hesse