Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Debatte um DDR-Flagge im Garten: Das denken die Leser
Lokales Brandenburg/Havel Debatte um DDR-Flagge im Garten: Das denken die Leser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:27 02.07.2019
Auch zwischen Plaue und Briest wurde die DDR-Fahne aufgezogen. Quelle: Frank Bürstenbinder
Brandenburg/H

Über der Kleingartensparte Helgoland weht die DDR-Fahne. Muss das sein? Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall polarisiert die Zurschaustellung von Symbolen des untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaates wie erwartet die Gemüter. Dabei ist Marcel Frömling, der zur Wende ein elfjähriger Junge war, kein Einzelfall. Auch auf einem Privatgrundstück an der Landesstraße zwischen Plaue und Briest hat die Flagge der DDR noch nicht ausgedient.

Zahlreiche Kommentare

Auf die von der MAZ erzählten Geschichte über den Mann, der hinter der umstrittenen Fahne über Helgoland steckt, folgten prompt zahlreiche Kommentare in den sozialen Netzwerken. So fragt Irina Feldmann bei Facebook entsetzt: „Was bitte hat die DDR-Fahne heute noch irgendwo zu suchen? Sie steht eben nicht für Recht, Freiheit und Demokratie. Auch wenn ich seit meiner Kindheit Trabi-Fan bin, sollte das System der DDR nicht unreflektiert nostalgiert werden.“

Kleingärtner Marcel Frömling sieht die DDR-Fahne nicht als politisches Statement, sondern als Erinnerung an seinen Trabi und eine glückliche Kindheit. Seine Flagge löst unterschiedliche Reaktionen aus. Quelle: Frank Bürstenbinder

Eine Meinung, der sich wohl auch Elke Lieder anschließen kann. Bei Facebook schreibt sie: „Eine Fahne ist nicht gleichzusetzen mit schönen privaten Erinnerungen. Die Fahne gehört unmissverständlich zu einer Staatsdoktrin dazu, gehört also zu einem Staat, wo es keine Menschenrechte gab, obwohl sich die Diktatur des Proletariats dazu verpflichtete.“ Hinweise von anderen Kommentatoren in sozialen Netzwerken über Reichskriegsflaggen in Vorgärten greift Elke Lieder auf: „Ja, genau auf diese Ebene muss man die DDR-Fahne einordnen.“

Erinnerungen an DDR

Doch es gibt auch andere Meinungen, die sich mit Kleingärtner Frömling solidarisieren. Wie zum Beispiel die in der DDR geborene und aufgewachsene Mareen. Sie schreibt: „Natürlich bleiben die Erinnerungen. Es war nun mal Heimat. Egal, was war. Zu den Erinnerungen gehört auch unsere Fahne. Ich finde es mega cool.“ Unter den 13 000 Seitenaufrufen ist auch Nicole Sommer. Sie hat nichts gegen Hammer, Zirkel und Ährenkranz im Wind: „Ich kenne viele, die sich gern an die DDR-Zeit zurückerinnern, inklusive mir.“

Falscher Verein

Wenn es nach Ron Garcia geht, könnte mehr Gelassenheit bei dem Thema DDR nicht schaden. Bei Facebook kommentiert er: „Meine Güte, lasst den Mann doch machen. Wem es nicht gefällt, kann wegsehen. Bei mir weht die Flagge der Kanarischen Inseln.“ Mit Humor sieht Sebastian Knopf das Flaggenspiel am Zentrumsring. „Hab’ mich schon die ganze Zeit gefragt, wer dahinter steckt. Nur die Hertha-Fahne passt nicht, falscher Verein. Dann lieber Union oder die Eisbären“, schreibt er bei Facebook.

Kein Verständnis

Zu den fast 40 Kommentatoren des Beitrages gehört auch die zugezogene Erika Hoffmann, die eine glückliche Ost-West-Liebe erlebt. Die DDR gehört zur Vergangenheit ihres Partners. „Ich finde ein bisschen Erinnerung darf bleiben“, schreibt sie bei Facebook. Ute Prox gesteht, dass bei ihr die Kölsche Flagge weht. Ute Seeliger hat sogar eine DDR-Fahne aufgehoben: „Es war mal ein Stück Heimat.“ Für soviel Nachsicht hat dagegen Hartwig Schuster aus Bensdorf kein Verständnis. In einem Leserbrief an die MAZ erinnert er an die Hundertausende, die der DDR in der „schönen Zeit“ davon gelaufen sind: „Viele wurden dabei erschossen. Wie schön. Hoch die DDR-Fahne.“

 

Von Frank Bürstenbinder

Politiker haben dort gestritten. Paare wurden dort getraut. Die Sparkasse war fürs Geld da. Inzwischen hat das frühere Rathaus von Kirchmöser zwölf moderne Wohnungen. Der Hausherr schildert die Verwandlung.

02.07.2019

Er ist in Brandenburg an der Havel geboren und würde niemals wegziehen: Aus Liebe zu seiner Stadt hat Ronny Czermin vor vier Jahren eine Facebook-Gruppe gegründet. Und hat reichlich Zulauf.

02.07.2019

Autofahrer können ihre Parkscheine in Brandenburg an der Havel ab sofort digital bezahlen, an 32 Parkscheinautomaten in acht Handyparkzonen. Das Angebot soll laut Verwaltung erweitert werden, die MAZ hat sich am Neustädtischen Markt umgehört.

01.07.2019