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Brandenburg/Havel Der Hassprediger der Brandenburger AfD
Lokales Brandenburg/Havel Der Hassprediger der Brandenburger AfD
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20:16 29.08.2019
Jan-Peter Trogrlic (3.v.r) bringt den Direktkandidaten der AfD Axel Brösicke in Bedrängnis (2.v.r.). Quelle: AFD
Brandenburg/H

An etlichen Wahl-Infoständen der Alternative für Deutschland (AfD) war der 65-jährige Jan-Peter Trogrlic dieser Tage anzutreffen. Es ist Endspurt im Landtagswahlkampf. Im Gepäck hat er häufig seinen (abgelaufenen) serbischen Pass.

„Den zeige ich den Leuten, wenn die wieder sagen, wir hätten was gegen Ausländer“, sagt Trogrlic im Gespräch mit der MAZ. Aber er sei schon ein richtiger Deutscher, oder „um es mit Trump zu sagen, in mir fließt jetzt deutsches Blut.“

Erst seit 2018 lebt der frühere Sozialarbeiter in der Havelstadt Brandenburg. „Ich bin geflohen“, sagt er. Weil er dreimal in Aachen verprügelt worden sei und man ihm nach dem Leben trachtete. Mit einem Auto wollte man ihn überfahren. Die 14 Zeugen, die das nicht gesehen haben wollen, nahm die Polizei ernster als ihn. Aber das wundert Trogrlic nicht mehr.

Der nette Serbe von nebenan

Der freundlich-stämmige Mann mit dem gemütlichen grauen Vollbart sieht sich gern als Opfer. Doch MAZ-Recherchen zeigen: In einer virtuellen Parallelwelt ist er selbst Täter. Ein Internet-Troll, der mit verbalem Dreck um sich schmeißt. Ein Hater, wie es in der Szene heißt – ein Hassender. Wer seinen Zorn auf sich zieht, kann froh sein, wenn Jan-Peter Trogrlic ihn lediglich mit einem Kotz- oder Kot-Emoji bedenkt.

Im Frühjahr 2019 wollte Jan-Peter Trogrlic in die Brandenburger Stadtverordnetenversammlung. Die Chancen auf Platz zwei der Wahlliste in seinem Wahlkreis standen nicht schlecht, fast 500 Stimmen zog der bisher Unbekannte. Am Ende reichte es knapp nicht, aber als Nachrücker hätte seine Stunde noch kommen können.

Als AfD-Sprecher aus Aachen geflüchtet

Was nicht einmal alle der 50 AfD-Mitglieder wissen: Der am Stand freundlich und jovial wirkende Mann hat reichlich Erfahrung in der AfD. Wie er der MAZ bestätigt, sei er seit 2016 AfD-Mitglied und hat schnell Karriere gemacht.

Der als rechtsaußen stehend bekannte Verband Aachen wählte Jan-Peter Trogrlic schon Ende August 2016 zum vorsitzenden Sprecher. Bis zu diesem Zeitpunkt war er als „Mädchen für alles“ Mitarbeiter der kirchlichen und wegen ihrer Integrationsarbeit prämierten Jugendeinrichtung „Offene Tür Josefshaus“ im stark durch Migranten geprägten Ostviertel Aachens tätig.

Seiner Kündigung zuvor gekommen

Trogrlic Mitgliedschaft in der AfD und dessen Teilnahme an AfD-Flyeraktionen war der Pfarrei zwar schon bekannt, doch während der Arbeit soll er sich nicht politisch positioniert haben. Arbeit mit Migranten und AfD-Vorsitz, das vertrug sich für die Pfarrei nicht mehr, Trogrlic verließ das Haus und kam seiner Kündigung offenbar zuvor.

Durch Parteiarbeit aufgefallen war er in der 250.000-Einwohner-Stadt Aachen, in der es nur zwei Stadtverordnete der AfD gibt, zuvor nicht. Was nicht heißt, dass man ihn nicht kannte. Denn in den Aachener Zeitungsredaktionen war er als aggressiver Kommentator auf den Onlineplattformen berüchtigt, der die Anonymität des Internets nutzte, um gegen Ausländer und Journalisten zu pöbeln. Gerne postete er dann Erbrochenes oder Kothaufen, um seine Tiraden gegen Andersdenkende bildlich zu unterstreichen.

Hetze gegen „Jungneger“ und „Büttel der Lügenpisse“

Er hetzte gegen „Jungneger“, nannte unbegleitete Flüchtlinge „Lumpen“ und beschimpfte Redakteure als „Arschlöcher“ und „Büttel“ der „Lügenpisse“, wie die Aachener Journalisten schreiben. „Irgendwann haben wir herausbekommen, wer dahinter steckt und haben ihn gesperrt, aber der war unglaublich penetrant“, erinnert sich ein Journalist der Aachener Zeitung, und weiter: „Als Vorsitzender war er völlig überfordert aber im Gespräch freundlich.“

Seit einigen Monaten hat man in Aachen nichts mehr von Trogrlic gehört. Was nicht verwundert: Der Troll oder auch Hater, so nennt man im Web Menschen, die Accounts mit dem Ziel kreieren, andere Internetnutzer anonym zu demütigen und zu beleidigen, meistens durch böswillige Kommentare, hatte sich ein neues Betätigungsfeld gesucht. Nun giftete er gegen die MAZ und mehr noch das Online-Portal Meetingpoint.

„Ich habe viele Namen im Internet“

Ungezählte Kommentare voll Hass und Verhetzungen habe er löschen müssen, „weil sie aus meiner Sicht wahrheitswidrig, rassistisch und menschenverachtend waren“, sagt Meetingpoint-Betreiber Christian Griebel.

Trogrlic hat viele falsche Namen mit denen er seine Meinung gegen das „linksgrün-versiffte“ Brandenburg an der Havel und den „Oberzensor“ Griebel unter das Volk zu bringen versuchte. Die Beleidigungen und Verunglimpfungen, die Trogrlic dabei absonderte, sind so unterirdisch, dass sich ein Zitat an dieser Stelle verbietet.

Und wenn ihm mal wieder ein Text der MAZ als „journalistischer Dreck“ nicht gefiel, dann forderte er schon mal unter dem Namen „Felix Mann“ die Entlassung des MAZ-Journalisten oder schrieb: „Suchen Sie sich doch schon mal einen neuen Job. Toiletten schrubben, das wäre sicherlich angemessen für Versager und Minderleister ihrer Sorte. (...) Wenn es erlaubt wäre, sollte man Ihnen in Ihr Gesicht spucken dürfen“.

Anzeige gegen Unbekannt

Wer sich hinter der verbalen Dreckschleuder verbarg, war lange nicht klar. Vor einigen Wochen erstattete Christian Griebel Anzeige gegen Unbekannt. Auch die Kriminalpolizei war, wie die MAZ erfuhr, überrascht ob der Schärfe und der Penetranz der Beleidigungen, und überstellte wenig später ihre Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft, wo der Vorfall jetzt seit Wochen auf eine Aktennummer wartet.

Die Recherchen der MAZ führten derweil zu Jan-Peter Trogrlic. Am Telefon mit seiner Enttarnung und den Vorwürfen konfrontiert, gab der überraschte AfD-Mann zu, hinter den Hater-Attacken zu stehen und begründete dies mit „tiefster Verachtung“. Es gäbe, so sagt Trogrlic, einige, die im Internet „nicht bei Verstand sind“. Zu denen gehöre er aber nicht: Seine Kommentare seien nicht beleidigend oder menschenverachtend. „Ich habe mich nicht zu entschuldigen!“

Nur an einen Kommentar könne er sich erinnern, „den hat der Griebel zu Recht gelöscht. Da habe ich Kinder als ‚kleine Ratten‘ bezeichnet. Meinte aber kleine Mäuse.“

Beste Reklame für die AfD

Auf die Frage, warum er fragwürdige Links, falsche Tatsachenbehauptungen und Hetze in seinen Mails und Kommentaren überhaupt auf den Medienseiten absondere, wenn er die Medien doch so verachte, hat Trogrlic eine einfache Antwort: „Das ist Reklame für uns und öffnet einigen doch die Augen.“ Wenn Texte einige tausend Male gelesen würden, könne man mit derartigen Kommentaren etwas gegen den vermeintlichen Mainstream und für die AfD tun.

Auf die Frage, ob seine AfD-Parteifreunde von seinem Doppelleben wüssten, drückt er sich um eine Antwort: „Das möchte ich nicht beantworten. Meine Linie liegt ganz auf der der AfD.“ Das sei eine Volkspartei und „wir sind eine Familie.“

Brösicke zieht die Reißleine und will den Troll rausschmeißen

Für Axel Brösicke, den AfD-Fraktionsvorsitzenden der Stadt und Landtagskandidaten kommt die nun bekannt gewordene Geschichte zur Unzeit. Am Sonntag ist Landtagswahl. Als ihn die MAZ am Mittwoch mit den Recherchen konfrontierte, zogen Brösicke und die AfD sofort erste Konsequenzen: „Jan-Peter Trogrlic hat die Vorwürfe eingeräumt, war und ist aber nicht bereit sich zu entschuldigen oder Fehler einzuräumen.“

Noch in der Nacht zu Donnerstag wurde vom Brandenburger Vorstand ein Parteiausschlussverfahren beantragt, der Job als AfD-Fraktionsassistent gekündigt. „Ich hätte nicht geglaubt, dass jemand so etwas Dreckiges, Verletzendes schreibt. Das sind Angriffe auf die Menschenwürde“, sagt Brösicke am Donnerstag.

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