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Brandenburg/Havel Schlaues Schloss: „I Lock It“ weicht jetzt Speichen aus
Lokales Brandenburg/Havel Schlaues Schloss: „I Lock It“ weicht jetzt Speichen aus
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14:07 24.04.2019
Jetzt mit dynamischem Speichenausweichsystem: Jessica Schulz und Christian Anuth zeigen das weiterentwickelte Fahrradschloss namens „I Lock It plus“. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Schon seit sechs Jahren beschäftigen sich Markus Weintraut (32) und Christian Anuth (35) mit der Idee des perfekten Fahrradschlosses. Aus der Idee ist längst ihre Profession geworden.

Die ehemaligen Studenten der TH Brandenburg sind längst Geschäftsführer eines eigenen Unternehmens geworden. Die Firma Haveltec GmbH in der Bäckerstraße beschäftigt inzwischen zwölf Frauen und Männer.

Am Wochenende stellt sie die neue Generation ihres Automatik-Fahrradschlosses vor, das „I Lock It plus“. Es kann noch etwas mehr als die Klassik-Variante, mit der die Firma 2017 gestartet ist.

Mit dem Smartphone verbunden

„I lockt it“ ist englisch und heißt so viel wie: „Ich schließe es ab“. In Wirklichkeit geht es aber um mehr. Das „intelligente“ Bügelschloss erkennt seinen Besitzer an dessen Smartphone, mit dem es über Bluetooth verbunden ist.

„I lock it“ schließt vollautomatisch ab und wieder auf, sobald sich der Besitzer mit seinem Handy entfernt und später wieder nähert. Einen Schlüssel braucht er also nicht, wenn er vielleicht nur kurz ein paar Besorgungen machen will.

Falls sich jemand an dem Fahrrad vergreift und versucht, es zu stehlen, löst das System einen Alarm aufs Handy aus. „Die 3-D-Bewegungssensorik erfasst Erschütterungen in alle Richtungen“, erklärt die fürs Marketing der Firma verantwortliche Jessica Schulz.

Erst Warnton, dann Alarm

Der smarte Alarm löst erst einen Voralarm aus, einen dreimaligen Warnton. Herrscht dann keine Ruhe am Fahrrad, geht der 30 Sekunden anhaltende Diebstahlalarm los. Über den ganzen Vorgang wird der Besitzer auf seinem Smartphone natürlich auf dem Laufenden gehalten.

Der Voralarm kann sinnvoll sein in Fällen, in denen jemand nun versehentlich ans Fahrrad stößt und es gar nicht stehlen will.

Christian Anuth, Jessica Schulz und Markus Weintraut aus Brandenburg/Havel stellen ihr runderneuertes Automatikschloss auf der Fahrradmesse Velo in Berlin vor.

„Der Alarm funktioniert zuverlässig, Kunden haben uns berichtet, wie er Fahrraddiebe tatsächlich vertrieben hat“, erzählt Christian Anuth, der wie Markus Weintraut Mann der ersten Schließzeit ist.

Die Plus-Variante kann parallel mit Smartphone und/oder Handsender genutzt werden, das ist neu. Über die I-lock-it-App kann der Fahrradbesitzer zudem Familienmitgliedern oder Freunden gestatten, dass sie Fahrrad und Schloss ebenfalls benutzen dürfen.

Speichen sind kein Hindernis mehr

Die vielleicht wichtigste Neuerung des Plus-Modells betrifft die Speichen. Es kann Fahrradspeichen ausweichen. Der Schließmechanismus schiebt sich an den Radspeichen vorbei. Vorher musste von Hand korrigiert werden, wenn dem eine Speiche in den Weg kam.

Daran haben die Schlossherren lange getüftelt, sogar schon vor der Fernsehsendung, die sie und ihr Produkt deutschlandweit bekannt gemacht hat.

In der Vox-Fernsehshow „Höhle der Löwen“ hatten die Brandenburger ihr intelligentes Schloss im Jahr 2017 vorgestellt, die Jury dort aber nicht vollends überzeugt. Ein Hauptkritikpunkt war damals das Speichenproblem.

>>Lesen Sie auch: Ilockit fällt bei Höhle der Löwen durch

Maschmeyer erhöhte Bekanntheit

„Die Fernsehsendung hat unsere Bekanntheit erhöht.“ Mit diesen Worten gewinnt Geschäftsführer Anuth dem Auftritt bei Carsten Maschmeyer und Co. positive Seiten ab.

Seine Konzentration liegt gleichwohl auf „I lock it plus“, das seit Ende März auf dem Markt ist. Der Start sei in den ersten zwei bis drei Tagen mit rund 200 Bestellungen erfolgreich gewesen.

Mit Crowdfunding zur Serienreife

344 Fahrraddiebstähle hat die Polizei in Brandenburg/Havel im vergangenen Jahr abschließend bearbeitet. Die Aufklärungsquote lag bei 87,3 Prozent.

Gerade bei kürzeren Zwischenstopps – etwa dem Brötchenholen beim Bäcker – ist das Abschließen nervig.

Die Gründer Christian Anuth, Markus Weintraut und Christian Werner machten dieses Problem im Jahr 2013 zu ihrem Thema und gewannen in jenem Jahr den an der TH Brandenburg verliehenen Innovationspreis.

Im Oktober 2014 entwickelten die Brandenburger ihre Geschäftsidee mithilfe eines Gründerstipendiums weiter, bis ihr technischer Prototyp fertig war.

2016 sammelte das junge Unternehmen im Crowdfunding-Verfahren Geld für die Serienreife und Markteinführung. Crowdfunding ist eine Methode der Geldbeschaffung, um Projekte, neue Produkte oder die Umsetzung von Geschäftsideen zu finanzieren.

2017 startete die Produktion des I-lock-It-Schlosses. Seit März 2019 gibt es das Plus-Modell, das die Firma am 27. und 28. April auf dem Fahrradfestival Velo Berlin 2019 auf dem Tempelhofer Feld vorstellt.

Von dem klassischen, um 20 Euro günstigeren Modell, dessen Kunststoffgehäuse bei der Firma Wirthwein in Kirchmöser produziert wird, haben die Brandenburger Unternehmer bisher rund 6500 Exemplare verkauft.

Vertriebswege sind der Online-Handel und 85 Händler in Deutschland sowie weitere vier im europäischen Ausland. Am Firmensitz in der Bäckerstraße, Ecke Ritterstraße, sitzen das Entwicklerteam und der Kundendienst. „Wir reparieren und versenden selbst“, sagt Jessica Schulz.

Nachverfolgung per Satellit

Montiert wird das Schloss inzwischen nicht mehr in der Behindertenwerkstatt in Brandenburg/Havel, sondern in Magdeburg. Das ist sinnvoll, weil am gleichen Ort die Elektronik fürs Schloss hergestellt wird.

Das Ziel der Zukunft liegt darin, das Schloss noch intelligenter zu machen, die Nachverfolgung per Satellit zu gewährleisten. „Dafür müsste es aber erst einmal bessere GPS-Module geben“, erklärt Christian Anuth.

Von Jürgen Lauterbach

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