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Brandenburg/Havel Brandenburger Familie musste den Todeskampf des eigenen Kindes miterleben
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Brandenburger Familie musste Todeskampf des eigenen Kindes miterleben

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09:59 23.11.2020
Familie Metzner trägt ein schweres Schicksal. Am 22. Oktober haben die Eltern in der Wohnung auf dem Görden den Verlust von Tochter und Schwester erlebt. Lisa wurde nur 22 Jahre alt. Quelle: Rüdiger Böhme
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Das Kind ist von einem auf den anderen Tag nicht mehr da. „Wir haben unser Sternchen am 22. Oktober verloren, in unserer Wohnung“, erzählt Mareen Metzner (48) und kämpft mit den Tränen. Einen Kampf, den weder sie noch Ehemann Ernesto Metzner (51) gewinnen können.

Tiefe Trauer liegt über der MAZ-Sterntaler-Familie, die auf dem Görden lebt und bis zu jenem Tag im vergangenen Oktober ganz zufrieden war, auch wenn es nicht einfach war und ist, über die Runden zu kommen.

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Die 22 Jahre alte Lisa war der Sonnenstern der Familie, fröhlich, offen, herzlich und lieb. Laufen konnte die Tochter nur kurze Distanzen. Ansonsten benötigte sie einen Rollstuhl.

Ein glückliches Leben und ein fester Job

So mancher Brandenburger wird die junge behinderte Frau, die mit einem Downsyndrom geboren wurde, vielleicht einmal aufgefallen sein, etwa wenn sie unterwegs war zu Fliedners Werkstätten, wo sie einen festen Job hatte.

Lisa fiel anderen Menschen auf, weil sie trotz ihrer Behinderung glücklich wirkte und gern und ständig lachte. Mutter und Vater haben ihr letztes Lächeln noch im Sinn, obwohl es ihrer Tochter zu dem Zeitpunkt schon extrem schlecht ging.

Der Tod ist für die Eltern und Geschwister unerklärlich, sie warten auf den Bericht der Gerichtsmediziner. Denn trotz mehrerer Arztbesuche scheint die schwere Lungenentzündung mit zwei vereiterten Lungenflügeln nicht aufgefallen zu sein.

Die letzten Stunden

Mareen und Ernesto Metzner wechseln sich ab, als sie die letzten Stunden mit ihrem geliebten Kind schildern. Das Herz bricht, aber sie möchten, dass Außenstehende verstehen, was geschehen ist in der schrecklichen Nacht.

Lisa hatte etwa zwei Wochen vor ihrem Tod eine Kieferoperation überstanden, allerdings mit erheblichen Beschwerden. Der Kiefer wurde dick, Lisa wollte nichts mehr essen, hatte Schmerzen. Die Hausärztin verschrieb Penicillin. Die Beschwerden wurden trotzdem schlimmer.

Die Lungen seien in Ordnung, hieß es nach einer weiteren Untersuchung. Doch am Abend des 21. Oktobers ging es Lisa besonders schlecht. Die junge Frau hatte Stoßatmung und konnte vor Schmerzen nicht schlafen.

Zweimal kam die Rettung

Lisa ging auf Toilette und stürzte dort zu Boden. Eltern und Bruder eilten nach unten, halfen ihr, riefen Notarzt und Krankenwagen. Die Patientin wurde untersucht, ihre Medikamente kontrolliert. Nach Schilderung der Eltern schätzten die Helfer die Situation als nicht akut gefährlich ein.

Mutter, Vater und Bruder brachten Lisa in die obere Etage der kleinen Wohnung, ins Wohnzimmer. Lisa lächelte noch einmal. Dann setzte ihre Atmung aus. Keine Dreiviertelstunde nach dem ersten Einsatz riefen die Eltern erneut Hilfe.

Die Familie versuchte, Lisa wiederzubeleben mit einer Herzdruckmassage, während die Rettungskräfte am Telefon riefen: Halten Sie durch! Notarzt und Sanitäter übernahmen dann und kämpften noch eine Stunde lang um Lisas Leben. Doch es war nicht mehr zu retten.

Unerkannte Lungenentzündung

„Um 5.20 Uhr wurde unser Kind für tot erklärt“, erzählt der Vater. Die Kriminalpolizei wurde eingeschaltet, denn ein solcher plötzlicher Tod wird erst einmal als „unnatürlich“ eingestuft. Mareen Metzner ist fassungslos: „Niemand hat erkannt, dass unsere Tochter an einer schweren Lungenentzündung gelitten hat.“

Mutter, Vater und Brüder trauern jeder für sich und gemeinsam. „Meine Söhne und ich versuchen, die Trauer zu überspielen“, räumt Ernesto Metzner ein, der mit seiner Arbeit in einem Wachschutzunternehmen das Geld für Miete und Essen verdient. Auch Sunny-Joe (21) hat Arbeit gefunden, befindet sich in der Probezeit.

24 Stunden am Tag

Mareen Metzner hat viele Bilder aus dem Leben ihrer Tochter im Kopf. Wie sie mit ihrem nur ein Jahr jüngeren Bruder aufgewachsen ist, mit dem sie ein Herz und eine Seele war. Wie sie mit ihrem Vater den Welpen Sammy abholen durfte, als er endlich acht Wochen alt war. Wie sie jeden Tag auf Eltern und Geschwister zugelaufen ist, sie umarmt und gerufen hat: Ich hab’ dich lieb.

Lisa brauchte viel Zuwendung. „Meine Frau war 24 Stunden am Tag für sie da“, erzählt Ernesto Metzner. Kam ein Anruf von ihrem Arbeitsplatz, machte sich die Mutter sofort auf den Weg.

Die junge Frau musste wegen mehrerer Krankheiten oft zum Arzt. Wegen ihres Kinderrheumas auch in die Kinderklinik. „Doktor Kössel war der einzige Arzt, zu dem sie immer gern gegangen ist“, berichtet Mareen Metzner.

Sterntaler für Familien in Not

Mit der vorweihnachtlichen Sterntaleraktion möchte die MAZ Brandenburger Familien und alleinstehenden Menschen, die in Not geraten sind, auch in diesem Jahr helfen. Mit überraschenden Geschenken gelingt es oft, Weihnachten zu einem großen Fest zu machen.

Nun kann sich jeder denken, dass nichts auf der Welt Weihnachten in dieser Familie schön machen kann. Aber manchmal kommt es auch auf eine Geste an, ein Zeichen, nicht ganz allein zu sein, zu spüren, dass es vielen Brandenburgern nicht gleichgültig ist, wenn jemand aus ihrer Mitte schwierige Zeiten durchmacht.

Zum Schmerz der Familie Metzner kommt eine plötzliche finanzielle Belastung hinzu. Um die Beisetzungskosten bezahlen zu können, hat der älteste Sohn einen Kredit aufgenommen. Dafür hat Lisa eine würdige Bestattung bekommen.

Das Wohnzimmer

Mit Sterntaler-Spenden können Sie, liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle und an einigen anderen Unterstützung geben. Die Söhne Jason (11), Jonathan (16) und Sunny-Joe haben ein paar erfüllbare Wünsche, zum Beispiel ein vernünftiges Fahrrad, um zur Arbeit zu kommen, und einen Schreibtischstuhl.

Ein Ersatz für die nicht mehr richtig funktionierende Spülmaschine würde ebenfalls weiterhelfen. Die könnte auch in der künftigen Wohnung Platz finden. Denn für die Metzners ist es schwer zu ertragen, ständig in dem Wohnzimmer zu sein, in dem am 22. Oktober ihr Kind gestorben ist.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ihren Beitrag zur Sterntaleraktion in dieser Vorweihnachtszeit leisten möchten, nutzen Sie bitte das vom DRK-Kreisverband Brandenburg an der Havel geführte MAZ-Sterntaler-Spendenkonto bei der Brandenburger Bank. Die Kontonummer lautet IBAN DE77 1606 2073 0100 0707 00.

Von Jürgen Lauterbach

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