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Brandenburg/Havel Knatsch in der SPD: Förster schmeißt die Brocken hin
Lokales Brandenburg/Havel Knatsch in der SPD: Förster schmeißt die Brocken hin
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17:06 31.07.2019
Alfredo Förster 2013 mit einem Mitgliedsbuch der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Quelle: André Wirsing
Brandenburg/H

Das Enfant terrible der Brandenburger Lokalpolitik Alfredo Förster hat Mittwoch mitgeteilt, dass er den SPD-Unterbezirksvorstand verlässt.

Förster gehörte als Beisitzer nur zum erweiterten Vorstand, gilt aber als wortmächtiger Strippenzieher. Der frühere PDS-Linken-Roten-Fraktionschef Förster, der 2013 in die SPD gewechselt war, bleibt in der SPD, zieht sich aber aus der Lokalpolitik zurück.

Die Vaut-Affäre schwelt weiter

Der Hintergrund des abzeichnenden finalen Zerwürfnisses findet sich in der Affäre um den Europawahl-Kandidaten Simon Vaut. Der Berliner hatte sich die Spitzenkandidatur für Brandenburg dadurch erschwindelt, dass er die SPD über sein Privatleben betrog und vorgab, der Liebe wegen in der Havelstadt zu leben. Der „Felix Krull der Mark“ flog auf, die Brandenburger SPD verlor ihr Mandat in Brüssel.

Für Verwirrung hatte in dem Zusammenhang der Umstand gesorgt, dass die SPD-Fraktionschefin Britta Kornmesser Vaut ihre Adresse als Postanschrift überließ, obwohl der Schwindler dort nie wohnte.

„Ich distanziere mich nicht“

Nach Bekanntwerden der Affäre gab Förster in der heißen Phase des Wahlkampfes einem Lokal-TV ein Interview, in dem er gegen Kornmesser und SPD-Parteichef Werner Jumpertz austeilte. Nun schreibt Förster: „Ich entschuldige mich bei allen Mitgliedern für meine Aussagen im Zusammenhang mit der Vaut-Affäre. Der Vorwurf, ich hätte unserer SPD einen Schaden zugefügt, wiegt schwer.“ Er vermute, er hätte Lob geerntet, hätte er gelogen, aber: „Ich distanziere mich nicht vom Gesagten.“

Seither, so Förster zur MAZ, werde er gemobbt. Es gäbe keine Gespräche mehr mit Vorstandsmitgliedern, keine Antwort auf Mails, keine Protokolle. „Bitter war für mich die Erkenntnis, dass nun die allermeisten von Euch mit mir nichts mehr zu tun haben wollen“, so Förster.

SPD befindet sich in „Schieflage“

Kein gutes Wort findet er für den Zustand seiner Partei, die sich in „Schieflage befindet“. Der Parteichef Werner Jumpertz fühle sich zwar „sichtlich wohl in seiner Rolle, aber Weichen für die Zukunft zu stellen, kann er nicht.“ Eine strategische Ausrichtung der SPD fehle unter Jumpertz ebenso wie unter dessen Vorgänger Ralf Holzschuher. Die SPD habe alles getan, ihn als Stadtverordneten zu verhindern und auf einen aussichtslosen Platz zu setzen, klagt er. Dafür sei sogar die Frauenquote bemüht worden, um Lieselotte Martius vor ihm zu platzieren „obwohl die klar gesagt hat, dass sie nicht mehr will und keine Lust hat.“ Aber, so Förster: „Kompetenz kann man nicht quotieren.“

Kritik am Führungspersonal

Dem Parteichef fehle „eine glückliche Hand bei der Personalauswahl“, schreibt Förster Jumpertz ins Stammbuch. Jan van Lessen als Parteilosen beim OB-Wahlkampf zu unterstützen hielt Förster für ebenso „unglücklich“ wie den „Werdegang der Kandidatur von Britta Kornmesser“ für die Wahl in den Landtag in vier Wochen. „Wofür steht denn Britta Kornmesser?“, fragt er und antwortet selbst: „Sie wird sich im Klein Klein verlieren.“

Ebenso kritisch sieht Förster die Person des Vize-SPD-Vorsitzenden Guido Arndt. Der weitgehend unbekannte SPD-Mann führt den größten Ortsverein der Havelstadt, ist aber politisch noch nie mit einem Thema aufgefallen.

„Nun bin ich frei!“

Nur mit dessen Rücktritt als Wahlkampfmanager vor einigen Monaten – und den Rücktritt vom Rücktritt wenig später, verbinde man den Namen Arndt, meint Förster.

„Wir und auch die meisten anderen Parteien erreichen nur noch wenige. Wir werden als abgehoben und als weit weg von der Realität wahrgenommen“, beschreibt Förster seine Wahrnehmung. „Nun bin ich frei“, schreibt Förster in seinem Abgesang nicht ohne Theatralik.

Von Benno Rougk

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