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Brandenburg/Havel Viel zu viele Studenten scheitern
Lokales Brandenburg/Havel Viel zu viele Studenten scheitern
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18:49 02.07.2018
Abschlussfeier im Oktober 2017 an der TH Brandenburg. Leider blieben viele Plätze im Audimax frei oder sind von Professoren, aber nicht von erfolgreichen Studenten besetzt. Quelle: Johannes F. Räbel
Brandenburg/H

Die Technische Hochschule Brandenburg (THB) hat ein erhebliches Problem, mit dem sie vermutlich nicht allein steht. In etlichen Fächern schafft es kaum ein Student bis zum erfolgreichen Abschluss. In sehr vielen Fächern brechen Studenten ihre Hochschulausbildung ab und verlassen die THB.

Über Exmatrikulationen redet keine Hochschule gern. Das Wort bezeichnet das Verschwinden von Studenten aus ihrer Hochschule. Mitunter sind die Gründe in Ordnung, etwa wenn die Betreffenden in einer anderen Stadt weiterstudieren, ihr Studienfach wechseln oder doch lieber eine Berufsausbildung beginnen.

Viele Gründe zu studieren

Gründe können aber auch sein, dass die jungen Leute mit dem Studium überfordert sind und aufgeben. Oder dass sie von vornherein nie wirklich studieren wollten, sondern es auf Vorteile abgesehen haben, die ein Studentendasein mit sich bringt.

Eine günstige Krankenversicherung gehört zum Beispiel dazu, Bafög-Ansprüche oder das günstige Semesterticket, das zum Reisen in ganz Berlin und Brandenburg berechtigt, sind weitere Motive. Ticketstudenten heißen Männer und Frauen, die nur auf dem Papier an der Hochschule eingeschrieben sind.

Krasses Missverhältnis

Der MAZ liegen Unterlagen vor, die nahelegen, wie krass das Missverhältnis an der THB ist zwischen denen, die durchhalten und mit Studienabschluss in der Tasche ins Berufsleben starten können, und jenen, die ohne Abschluss von sich aus ausscheiden oder zwangsexmatrikuliert werden.

Von den jungen Leuten, die vor knapp fünf Jahren ihr Bachelor-Studium aufgenommen haben, müssten inzwischen eigentlich alle ihren Bachelor, eine Art kleines Diplom, geschafft haben. Denn diese Studiengänge sind in aller Regel auf sechs oder sieben Semester angelegt.

Gegen Ende des vergangenen Wintersemesters liegen die Erfolgsquoten in den Bachelorstudiengängen des Jahrgangs 2013/14 aber lediglich zwischen 7 und 49 Prozent. Die Quote der Exmatrikulationen variiert auf der anderen Seite zwischen 43 und 82 Prozent. Dritter Wert sind in den einzelnen Bachelor-Fächern die 0 bis 40 Prozent, die zwar eigentlich fertig sein müssten, aber noch im Studium stecken.

Nach den Angaben, die der MAZ für die Brandenburger Studienanfänger des Jahrgangs 2016/17 vorliegen, tritt wohl auch in näherer Zukunft keine Besserung ein.

Natürlich kann in so kurzer Zeit niemand sein Studium erfolgreich abschließen. Doch der Anteil junger Leute, die knapp anderthalb Jahr nach ihrem Bachelor-Studienbeginn schon wieder draußen sind, ist erschreckend hoch.

Allein im Fachbereich Informatik liegt der Anteil der Exmatrikulierten zwischen 36 und 55 Prozent, in technischen Fächern zwischen 14 und 35 Prozent, in Wirtschaftsstudiengängen zwischen 25 und 37 Prozent.

Master-Studenten haben mehr Erfolg

Besonders viele Studienanfänger des Jahrgangs 2013/14 an der THB, nämlich 82 Prozent, sind im Bachelor-Studiengang Informatik ausgestiegen. Bei den Maschinenbauern waren es 58 Prozent, bei den Betriebswirten 43 Prozent, bei den Wirtschaftsinformatikern 70 Prozent.

Bei den Master-Studenten sind die Quoten durchweg günstiger. Master-Studiengänge sind Menschen vorbehalten, die bereits ein Bachelor-Studium mit erfolg beendet haben.

In einzelnen Master-Fächern wie dem Technologie- und Innovationsmanagement schafften es aber auch bis zu 50 Prozent nicht bis zum Studienerfolg.

Das Zentrum für Studium, Karriere und Marketing an der Hochschule soll dem Misserfolg vorbeugen. Es vereinigt den Karriere-Service und das Angebot an Coaching und Qualifizierungen, um studien- und berufsrelevante Schlüsselkompetenzen zu vermitteln.

Das Präsidium der Technischen Hochschule Brandenburg hat die vor einer Woche gestellten Fragen der MAZ zu den Fakten, Gründen und Hintergründen von Studienerfolg und -misserfolg noch nicht beantwortet.

Präsidentin Burghilde Wieneke-Toutaoui begrüßt die Erstsemester stets freundlich, so wie im vergangenen September: „Ich freue mich, dass unser Angebot so gut angenommen wird. Ich wünsche allen Studierenden, die heute hier bei uns in ihren neuen Lebensabschnitt starten, viel Erfolg.“

Auf der THB-Internetseite ist nachzulesen, dass im Prüfungsjahr 2016 435 Studierende ihren Abschluss geschafft haben. Über diejenigen, die auf der Strecke geblieben sind, ist nichts zu erfahren.

Auch Professoren und Dozenten der THB äußern sich ungern öffentlich über das Thema. Eher hinter vorgehaltener Hand nennen sie Gründe für die Erfolglosigkeit der schweigenden Mehrheit.

Wiederholt genannte Gesichtspunkte sind der Bodensatz der „Ticketstudenten“, die hohe Durchlässigkeit, die bewirke, dass Menschen studieren, die aufgrund ihrer Vorbildung nicht für das Hochschulstudium geeignet sind sowie mitunter mangelnde Betreuung durch Professoren.

Von Jürgen Lauterbach

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