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Brandenburg/Havel Kornmesser berichtet: So ist das neue Leben als Landtagsabgeordnete
Lokales Brandenburg/Havel Kornmesser berichtet: So ist das neue Leben als Landtagsabgeordnete
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10:46 12.09.2019
Schon mal schauen, welches Büro in Frage kommen könnte: Britta Kornmesser bei ihrem zweiten offiziellen Besuch im Brandenburger Landtag. Quelle: André Wirsing
Brandenburg/H

Den Berlin-Marathon in zwei Wochen wird Britta Kornmesser wohl absagen müssen, zu stressig waren die vergangenen Wochen für die frisch gebackene Landtagsabgeordnete, die für die SPD das Direktmandat in Brandenburg an der Havel geholt hat. Zeit zum Trainieren blieb da gar nicht.

Spielregeln im Parlament

Gerade hat sie die zweite Fraktionssitzung hinter sich gebracht. Von den 25 Frauen und Männern in der SPD-Fraktion sind 14 neu. Deshalb hat der Chef der Landtagsverwaltung ihnen die Spielregeln erklärt, ihre Rechte und Pflichten wie auch ihre Einkünfte. Des Geldes wegen hat sie den Politik-Job auf Zeit nicht angetreten, das nimmt sich nach allen Abzügen nicht viel gegenüber ihrer A-14-Besoldung in Führungsposition einer Bundesbehörde. Seit 1987 ist Britta Kornmesser im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brandenburg, zuletzt als Vize-Chefin.

Noch kein eigenes Büro

Ein eigenes Büro hat sie noch nicht, das ihres Vorgängers Ralf Holzschuher liegt eine Etage über dem SPD-Fraktionsflur, irgendwo bei den Linken. Doch Kornmesser will bei ihren Leuten sein. Von Holzschuher hat sie den Politikwissenschaftler Thomas Bachmann als Mitarbeiter übernommen. Er soll ihr jetzt ein Büro mit Blick auf den Innenhof organisieren.

Grenzlinien in der Kantine

In der Landtagskantine sind selbst die Tische nach Fraktionen getrennt, hat sie gelernt. Der lange Tisch an der Stirnseite wird von den Sozialdemokraten belegt. Beim Mittagessen setzt sich der alte und neue Fraktionschef Mike Bischoff selbstverständlich dazu. „Die Britta bringt sich schon richtig ein, die Staffelstab-Übergabe von Ralf Holzschuher an sie lief wohl perfekt. Die Stadt Brandenburg an der Havel braucht eine starke Stimme im Landtag.“

Hoffen auf neue Stadtspitze

Fraktionschef Mike Bischoff begrüßt Britta Kornmesser in seinem Büro. Quelle: André Wirsing

Draußen im Flur erzählt er noch, wie stark Holzschuher sich für die Stadt eingesetzt habe und dennoch immer wieder öffentlich Prügel bezogen hat. Und dass die Arbeit mit dem noch relativ neuen Rathauschef Steffen Scheller (CDU) so viel entspannter sei als mit seiner Amtsvorgängerin. „Wir haben wirklich eine Menge Geld in die Stadt geschaufelt, auch für das Klinikum. Anerkannt wird dies erst jetzt.“ Jetzt habe die Stadt auch wieder ein ganz anderes Standing als noch vor zwei, drei Jahren. Das könne die Neue nun ausnutzen. Britta Kornmesser hat bereits den ersten Termin mit Scheller noch in dieser Woche vereinbart.

Vielleicht Schwerpunkt Energie

Noch hat die Fraktion gar nicht besprochen, wer künftig für welches Fachgebiet zuständig sein soll. Die Brandenburgerin hat aber ein paar Präferenzen: Verkehr und Infrastruktur wären ihr eigentliches Fachgebiet, in dem sie sich auskennt. „Aber ich habe auch Blut geleckt, als Wirtschaftsminister Jörg Steinbach auf meine Einladung hin bei den Stadtwerken war und über seine Vorstellungen von Energieversorgung der Zukunft gesprochen hat.“ Obwohl der Besuch mitten in den Wahlkampf fiel, kam Scheller ganz unprätentiös dazu und diskutierte mit den Sozialdemokraten und den Energieexperten. „Das habe ich ihm hoch angerechnet, auch dass er sofort bereit war, den Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Carsten Schneider zum Gespräch zu empfangen.“ Neue Zeiten also, in denen es gemeinsam für die Stadt vorangehen soll.

Noch kein Hausausweis

Aber auch Zukunftsmusik. Zurzeit muss Britta Kornmesser sich noch um ganz profane Dinge kümmern. Noch hat sie keinen Hausausweis für den Landtag, auch noch keine Schlüsselkarte – sie muss immer noch um Hilfe bitten, wenn sie irgendwo Zutritt haben will. Einen Parkplatz in der Tiefgarage will sie nicht beantragen – ihr Fahrrad steht am Brandenburger Hauptbahnhof, mit dem Regionalexpress ist die Anreise am komfortabelsten.

Restarbeiten im WSA

Und im WSA ist sie seit Montag schon freigestellt, doch wird sie dort noch einige Tage verbringen. „Ich kann doch nicht alles stehen und liegen lassen, schließlich war ich die einzige, die sich beispielsweise um die Naturschutzbelange gekümmert hat.“ Da will sie noch eine geordnete Übergabe organisieren. Sie hat sich auch beurlauben lassen, mit der Option auf Rückkehr. Doch wird die Behörde gerade umstrukturiert, mit Berlin zusammengelegt zum WSA Spree-Havel. Das wird ein Verwaltungsungetüm zwischen Neiße und Elbe. Als Fachgebietsleiterin kann sie jederzeit wieder einsteigen, wenn sie nicht in der Politik bleibt.

Gleichwohl freut sie sich auf die neue Aufgabe. „In meiner Behörde kannte ich alles bis ins kleinste Detail. Es ist schön, jetzt wieder auf etwas Unbekanntes zu treffen.“ Man nimmt es ihr ab.

Von André Wirsing

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