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Brandenburg/Havel SPD-Landtagskandidatin Britta Kornmesser mag Turnschuhe, Ballkleider und Politik
Lokales Brandenburg/Havel SPD-Landtagskandidatin Britta Kornmesser mag Turnschuhe, Ballkleider und Politik
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10:57 30.07.2019
Für einen Spaß im Hof hinter ihrem Haus zu haben. Ballkleid und Sportschuh: Alles zu seiner Zeit. In dieser Kombination dürfen nur MAZ-Leser die SPD-Landtagskandidatin Britta Kornmesser sehen. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Nicht immer ist Britta Kornmesser von Glück und Geschick verfolgt. Manchmal aber eben doch.

Die 50 Jahre alte Landtagskandidatin der SPD im Wahlkreis 17 lächelt selbstbewusst, aber nicht selbstgefällig von ihrem Wahlplakat. Ein bisschen überlegen, aber doch noch so, dass es bloß nicht arrogant rüberkommt. Die Frisur ein bisschen sportlich und nur ein bisschen streng.

Nicht zu viel Farbe

Das Timing stimmt. Dezent, ein Hauch Blässe im Kontrast zum knalligen Parteirot des sozialdemokratischen Wahlplakats. „In der Maske habe ich gesagt: Nicht zu viel Farbe“, erzählt die Frau, die am 1. September Ralf Holzschuher beerben und mit erhobenem SPD-Fähnchen in den nächsten Landtag einziehen will.

Wie fast immer ist sie gut vorbereitet an dem Tag der Genossen-Fotosession in Potsdam. Bei Friseur Klier in der Sankt-Annen-Galerie bekommt man schnell einen Termin und so reicht die Zeit auch locker für den Kauf des passenden Blazers in der Boutique nebenan. Sitzt.

Oberwasser und Schnappatmung

Läuft alles, wie zuvor im Kopf durchgespielt, hat Britta Kornmesser Oberwasser. Schnappatmung können ihr Leute bereiten, die ihr in die Parade fahren.

Simon Vaut zum Beispiel, der lügende Parteifreund und ausbremste Europawahl-Kandidat, der sie erfolgreich bequatscht hatte, ihre Wohnadresse als seine ausgeben zu dürfen. Für sein Lügengebilde, von dem Kornmesser zwar keine Ahnung hatte, an dem sie aber ungewollt mitwirkte.

Gutmütig zu Simon Vaut

„Natürlich hat mich meine Unbedarftheit gestört“, räumt die einzige Frau unter den Direktkandidaten in ihrem Wahlkreis ein. Sie sei eben hilfsbereit und gutmütig. „Und deshalb kann ich nicht ausschließen, dass mir so etwas wieder passiert“, sagt sie.

Die in Brandenburg/Havel geborene und aufgewachsene Bauoberrätin hat sich erst relativ spät in das kommunalpolitische Haifischbecken ihrer Heimatstadt begeben.

Mitte des vergangenen Jahrzehnts nahm sie die politische Stimmung in der Stadt und auch in der SPD als ziemlich gestört wahr. Sie wollte es besser machen und außerdem war Trotz im Spiel.

Schein-Konkurrentin von Michael Brandt

2005/2006 hatte sie sich bei der Stadt auf die Stelle des Baubeigeordneten beworben. Als Vize-Chefin des Wasser- und Schifffahrtsamtes verfügte die Wasserbau-Ingenieurin schließlich schon damals über Erfahrungen in Bauplanung und Personalführung.

Gute Voraussetzungen also, zumal der öffentliche Dienst Frauen bei gleicher Eignung angeblich bevorzugt. Pustekuchen. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) führte ein lustloses Bewerbungsgespräch, denn klar war: Die Stelle wird politisch besetzt, damals eben mit Parteifreund Michael Brandt (CDU), einem Juristen ohne Baugeschichte.

So gar nicht streitlustig

Britta Kornmesser ist nicht nachtragend, bescheinigt Brandt mühelos, „viele Sachen gut gemacht“ zu haben, und sich selber, damals politisch zu unerfahren gewesen zu sein. Sie scheut sich sogar zu sagen, was sie besser als ihr einstiger Konkurrent gemacht hätte.

Auf so etwas angesprochen, geraten männliche Politiker nicht selten ins Schwärmen über die eigenen Fähigkeiten. Nicht so Britta.

Die Frau, die Lehrerin werden wollte, Juristin werden sollte und Wasserbauingenieurin geworden ist, hat eine in der Politik eher seltene Eigenschaft. Sie streitet nicht gern. „Ich versuche, alles sachlich zu klären, so wie im Beruf“, sagt sie und gibt zu: „Parteifreunde sagen mir, ich sollte angriffslustiger sein. Aber so bin ich nicht, ich bin einfach nicht streitlustig.“

Blut geleckt

So blies die Brandenburger SPD-Fraktionsvorsitzende auch nicht zur Gegenattacke, als mehrere Parteifeinde sie (und andere) vor einigen Jahren in Whatsapp-Chats so übel beschimpften und hintergingen, dass daran die Fraktion zerbrach und die SPD durch die Stadt taumelte.

Kornmessers Höchststrafe gegenüber denen, „die sich nicht scheuen, jemanden persönlich bis in den Abgrund zu stoßen“: Sie belässt es beim Nötigsten, sagt zu den abtrünnigen Dolchstößlern inzwischen halt nicht mehr als „guten Tag“.

Immerhin, die Lust an der Politik hat die auf dem Görden aufgewachsene Altstädterin keineswegs verloren. Sogar Blut will sie geleckt haben.

Ausdauer und Ehrgeiz

Als Ralf Holzschuher den Verzicht auf seine Landtagskandidatur signalisierte, stand sie auf und rief ungewohnt laut: „Hier“. Eher ein anderer auf die Idee kommen konnte. Ihre Motivation: „Macht richtig Spaß und man kann schon etwas bewegen in der Politik. Ich bin jetzt 50 – also wann, wenn nicht jetzt?“

Britta Kornmesser ist im vergangenen Jahr den Ultramarathon in Zermatt mitgelaufen. Quelle: Privat

Ausdauer und den nötigen Ehrgeiz bringt die Tochter eines Berufssoldaten und Lehrers mit. Als jüngere Frau hat die aktive Seglerin an DDR-Meisterschaften teilgenommen. Regelmäßig treibt sie sich nach gewissenhafter Vorbereitung bei Marathon-Läufen bis ins Ziel.

An einem guten Tag so wie in Malaga läuft sie unter vier Stunden. Nie würde es ihr einfallen, an der Strecke stehen zu bleiben, um ein Erinnerungsfoto zu schießen. „Nicht bei mir, das würde wertvolle Sekunden kosten.“

Die „Urbrandenburgerin“, die das Hobby Politik zumindest für eine Wahlperiode zum Beruf machen möchte, achtet auch sonst auf ihre Zeiteinteilung. Für die Küche bleibt wenig übrig.

Lieber segeln als backen

„Ich esse zwar gern und gehe auch liebend gern essen, aber Kochen und Backen sind nichts für mich“, gesteht Britta Kornmesser und will auch die Themen Stricken und Sockenstopfen nicht vertiefen. Ihre Worte: „Das können die Männer machen, ich gehe liebe segeln oder laufen.“

Oder feiern, sollte man ergänzen. Die sonst etwas verbissen auftretende Frau kann locker die Sau rauslassen, wenn man sie loslässt.

Ballverrückt

Für den Segler- oder Wirtschaftsball wirft sie ihre sportliche Alltagsgarderobe in die nächste Ecke und schmeißt sich mit Genuss in Schale. Gern darf es dann auch spät werden, zum Beispiel mit Lauffreundin Sandy Haberecht.

Wird die bei den bisherigen kleineren Wahlen erfolgreiche SPD-Kandidatin gewählt am 1. September? „Ich habe Chancen, aber ich bin nicht zu vermessen“, antwortet sie. Denn Andreas Kutsche (Linke) habe bei der Kommunalwahl viele Stimmen bekommen und wie Axel Brösicke (AfD) abschneidet, könne sie schwer einschätzen.

In jedem Fall bleibt das Plakat für sie ein Treffer. „In diesem Foto sehe ich mich wieder.“

Von Jürgen Lauterbach

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