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Brandenburg/Havel Brücken-Neubauten: Warum 2022 zum Horror-Jahr wird
Lokales Brandenburg/Havel Brücken-Neubauten: Warum 2022 zum Horror-Jahr wird
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15:35 16.01.2020
Erst ab dem Jahr 2022 wird die komplett gesperrte Brücke „20. Jahrestag neu gebaut. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Das Jahr 2022 wird zum Horrorjahr für alle Verkehrsteilnehmer. Dann werden drei Brücken auf Hauptverkehrsstraßen der Stadt gleichzeitig gebaut: Die Brücke 20. Jahrestag mit der Bundesstraße 1, die Bahnüberführung Potsdamer Straße mit der B 1/102 sowie die Kanalbrücke zwischen der Bauhof- und der Luckenberger Straße.

Einiges bereits durchgesickert

So viel ist im Vorfeld des großen MAZ-Talks „Abgehängt? Brandenburg und seine maroden Brücken“ bereits durchgesickert. Am Mittwoch gab es die Jahres-Planungskonferenz von Vertretern des Landesbetriebs Straßenwesen mit der Stadtspitze, am Abend berichtete der städtische Straßen- und Brückenexperte Peter Reck im Stadtentwicklungsausschuss über erste Ergebnisse.

Keine Planfeststellung nötig

Die gute Nachricht zuerst: Für die beiden Bundesstraßen-Brücken bedarf es keines aufwendigen Planfeststellungsverfahrens – das hätte alles nur noch mehr verzögert. Für die seit dem 5. Dezember 2019 voll gesperrte Brücke „20. Jahrestag“ gibt es sogar schon eine Vorplanung, die in diesem Jahr abgeschlossen sein wird. Dann kann die Ausführungsplanung vergeben werden, die spätestens Ende 2021 vorliegt. Für 2022 ist der Neubau vorgesehen.

Diskussion auf Facebook

Die MAZ hat auf Facebook ein Forum zum Thema ins Leben gerufen. Dort wird rund um die Brücke diskutiert. Sie, liebe Leser, finden die Gruppe unter ihrem Namen „Alles zur Sperrung der Brücke am Altstadt-Bahnhof in Brandenburg.

Neubau wird filigraner

„Die neue Brücke wird filigraner ausfallen, der wuchtige Oberbau wird nicht mehr benötigt“, sagt Reck. Statt des 192 Meter überspannenden Baukörpers werden es kleinere Bauwerke sein, die einmal die Straße und einmal die Rathenower Bahnlinie überqueren. Auch werden die Auf- und Abfahrten zum Zentrumsring spiegelverkehrt zum bisherigen Zustand gebaut, so dass der Schwerverkehr von und zur Autobahn leichter passieren kann.

OB Scheller kritisiert Zeitplan

Im Landesbetrieb werde der Zeitplan als „überaus sportlich“ angesehen, berichtet Reck. „Mich reißt der Zeitplan, ehrlich gesagt, nicht vom Hocker“, sagt Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU). Noch nicht beantwortet sei die Frage, ob mit Baubeginn wirklich der Ersatzneubau oder erst der Abrissbeginn gemeint sei.

Es sieht gespenstisch aus, wo sonst 17.000 Fahrzeuge am Tag rollen, herrscht nun Stille. Bis auf zwei behördliche Prüftrupps und ein paar Fußgänger darf niemand mehr auf die gesperrte Brücke.

„Man muss ja nicht alles in einem Los ausschreiben und vergeben. Wenn die Brückenprüfung jetzt wirklich ergibt, dass eine Teilfreigabe für die Zwischenzeit nicht möglich ist, kann man den Abriss vorziehen und auch den Bau von Nebenanlagen wie Rampen. Das würde die eigentliche Bauzeit verkürzen.“

Millionen-Anteil für die Stadt

Zudem erwarte die Stadt eine genaue Kostenschätzung vom Landesbetrieb. Die Kommune muss beispielsweise den Brückenteil für die Straßenbahn selbst tragen, bislang liegen die Prognosen dafür zwischen vier und sieben Millionen Euro. „Das ist zu vage, wir wollen einen Großteil des Betrages vom Bund gefördert bekommen, da können wir nicht mit ungefähren Zahlen operieren.“

Lange Abstimmung mit der Bahn

Relativ klein ist der Stadtanteil am Neubau der Brücke Potsdamer Straße über die Bahn. Da ist die Stadt für die Gehwege mit 91.000 Euro dabei. Auch hier hat der Landesbetrieb einen Zeitplan vorgelegt. Noch in diesem Jahr wird auf der stadteinwärts führenden Fahrbahn nochmals repariert. Das heißt, die Fahrbahn wird geöffnet, in den Hohlkästen werden Stahlverstärkungen eingebaut. Perspektivisch soll nämlich der ganze Verkehr über diese beiden Spuren laufen, eine in jede Richtung.

Klartext: Brückenforum im Audimax

Wie lange müssen die Brandenburger und Pendler nun mit der gesperrten Brücke „20. Jahrestag“ sowie mit den Umleitungen leben? Kommt der Neubau gleich oder wird es zwischenzeitlich noch eine Teilfreigabe für Pkw geben? Wird etwa auch die B 102 gesperrt? Was passiert mit den anderen Sorgen-Brücken in der Stadt? Droht der komplette Verkehrsinfarkt?

Auf diese und andere Fragen soll es schnell befriedigende Antworten geben. Der MAZ-Regionalverlag Brandenburg organisiert deshalb gemeinsam mit der Technischen Hochschule Brandenburg ein öffentliches Brückenforum im Audimax der THB am 16. Januar 2020 ab 18.30 Uhr.

Als Gesprächspartner bereits zugesagt haben Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) und der städtische Brückenexperte Peter Reck. Zuständig für die Unterhaltung der Brücke ist der Landesbetrieb Straßenwesen. Eingeladen sind Vorstandschef Edgar Gaffry und der für die Stadt zuständige Planungsdezernent Frank Schmidt. Zudem bemühen wir uns noch um Expertise aus dem Infrastrukturministerium.

Interessierte Brandenburger sind herzlich eingeladen, an diesem Abend zu kommen. Sie werden auch die Möglichkeit bekommen ihre Probleme zu schildern und Fragen zu stellen. Moderieren werden das Forum Benno Rougk und André Wirsing.

Die Brücke besteht zum Glück aus zwei parallel verlaufenden Bauwerken. Dann könne man nämlich das mit der stadtauswärts führenden Fahrbahn abreißen und ersetzen. Danach würde der Verkehr hierüber geleitet, um die andere Brückenhälfte zu ersetzen. Auch hier gibt es bereits eine Vorplanung, die der Stadt jüngst zur Kenntnis gegeben wurde. Brücke und Fahrbahn werden auf Tempo 70 ausgelegt, deshalb müssen auch Leitplanken auf allen Seiten errichtet werden.

Doch ist die Deutsche Bahn AG als dritter Partner hier mit an Bord. „Der langwierigste Prozess ist es, die Sperrzeiten bei der DB Netz für die elektrifizierte Hauptstrecke zu beantragen“, sagt Scheller. Deshalb werde erst 2022 gebaut.

Kanalbrücke ist marode

Komplettiert wird das Neubau-Jahr durch ein lange geschobenes kommunales Bauvorhaben. Die Kanalbrücke muss dringend erneuert werden, bei der jüngsten Brückenprüfung war die Zustandsnote bereits sehr bedenklich, sagt Reck. „Für 2021 sind Planungsmittel im städtischen Haushalt und in der mittelfristigen Finanzplanung Baumittel für 2022/23 eingestellt.“

Lesen Sie auch:

>>> Warum die Brücke so plötzlich gesperrt werden musste

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Von André Wirsing

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