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Brandenburg/Havel Butzow erinnert an die Beetzsee-Fischer
Lokales Brandenburg/Havel Butzow erinnert an die Beetzsee-Fischer
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00:18 29.07.2017
Dieser Reusenkahn schmückt ab sofort den Butzower Ortseingang aus Richtung Ketzür. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Butzow

Hans-Joachim Graf kann noch Geschichten erzählen von überschwemmten Wiesen, fetten Aalen und vielen Berufskollegen, die der Beetzsee einst satt machte. „Heute lohnt es sich kaum noch rauszufahren“, berichtet der Butzower Fischer, der ab und an noch nach ein paar Reusen schaut. Was bleibt, sind Erinnerungen an ein Handwerk, das einst in fast allen Beetzsee-Dörfern präsent war. Dafür sorgt der Förderverein „Butzower Dorfkern“ seit dieser Woche am Ortseingang aus Richtung Ketzür.

Autofahrer reiben sich verdutzt die Augen, wenn sie die Landesstraße 911 passieren. Links der Fahrbahn hat auf einem Rasengrundstück ein acht Meter langer Kahn seinen Platz gefunden. Es handelt sich um das ehemalige Reusenboot von Fischer Graf, welches er dem Förderverein zur Gestaltung der Ortseinfahrt überlassen hat. Seit 1969 war das Wasserfahrzeug bei ihm im Einsatz. Schon zehn Jahre zuvor wurde der Stahlkörper im Stahl- und Walzwerk Brandenburg für den Päwesiner Fischereibetrieb Speichert gebaut.

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Als „Brigade 5“ in der Genossenschaft

Das 1959 im Stahl- und Walzwerk Brandenburg gebaute Reusenboot hat eine Länge von acht Meter und ist 1,40 Meter breit. An Bord sind zwei Fischkästen mit einem Fassungsvermögen von bis zum 500 Kilogramm. Es war ausgestattet mit einem luftgekühlten Ein-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor (6 PS).

Bekannt für die Butzower Fischerei ist auch die Familie Albrecht, die über mehrere Generationen vom Fischreichtum des Beetzsees lebte. Die Beetzsee-Fischer wurden 1960 als „Brigade 5“ in die Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer (PwF) mit Sitz in Plaue eingegliedert.

Der Fang wurde damals durch den Dampfer „Lina Marie“ der Genossenschaft abgeholt. Erster Anlaufhafen war Fischer Speichert in Päwesin. Wenn er auf dem Weg dahin an Butzow vorbeifuhr gab er ein lautes Signal von sich. Dann wussten die Gebrüder Albrecht, dass auch sie sich bereithalten mussten.

Der Verein beließ es nicht beim bloßen Abstellen des Bootes. „In zahlreichen freiwilligen Arbeitsstunden wurde der Bootskörper sandgestrahlt und neu lackiert“, erinnerte Vorsitzender Bernhard Weise bei der Fertigstellung des Kahnplatzes. Zu Ehren der Fischer-Gattin schmückt jetzt der Name Gisela das Boot. Mit vereinten Kräften schufen die Butzower ein Ensemble aus alten Dachbalken, die ein mit vier Tonnen Kies gefülltes Karree umschließen. Obendrauf hat das Reusenboot seine wohl letzte Bestimmung gefunden. „Ich denke, dass es auf diese Weise viele Jahre an die Fischerei in Butzow erinnern wird“, sagte Hans-Joachim Graf. Aus seinem Fundus sponserte er außerdem ein Fischernetz, dass über zwei Pfählen hängt. Im Frühjahr wird der Ortseingang aufblühen, denn vor dem Kahn haben Vereinsmitglieder über 300 Blumenzwiebeln in die Erde gebracht.

Fischer Hans-Joachim Graf (r.) bei der Fertigstellung des „Kahnplatzes“. Quelle: Frank Bürstenbinder

Zum Reusenboot gehört eine Infotafel, auf der Besucher die Geschichte des ausgestellten Stückes nachlesen können. Wie der Name schon verrät, diente das Boot zur Aufnahme der aus den Reusen geholten Fische. An Bord sind zwei Hälterkästen, deren Inhalt anschließend in Hälternetze entleert wurde. Ein- bis zweimal die Woche belieferte der Fischer die Ketzürer LPG mit Futterfisch für die Schweine. Die Fische wurden entweder am Ketzürer Badestrand oder an der Butzower Pferdebadestelle auf einen Traktoranhänger verladen.

Eine Info-Tafel ergänzt das am Ortseingang aufgestellte Reusenboot. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Mit der Gestaltung des ersten Ortseingangs haben wir gezeigt, dass der Verein nicht nur Ideen hat. Wir haben was gemacht. Darauf können wir stolz sein“, freute sich Vereinsmitglied und Ortsvorsteher Dirk Lange. Auch für den Ortseingang aus Richtung Brandenburg gibt es bereits Vorstellungen. Dort soll eine Lore als Erinnerung an den früheren Kiesabbau am Hasselberg ihren Platz finden. Dieser war neben der Landwirtschaft und der Fischerei eine wichtige Einnahmequelle für die Butzower.

Überregional bekannt geworden ist der Förderverein für die gerade abgeschlossene Rettung der Dorfkirche. Die Innensanierung und der Wiedereinbau der Orgel stehen für die Zukunft auf dem Programm. Ein weiteres aktuelles Projekt ist der Um- und Ausbau der ehemaligen Dorfschule zu einer Begegnungsstätte.

Von Frank Bürstenbinder