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Brandenburg/Havel Circus Busch verliert seine neue Heimat wieder
Lokales Brandenburg/Havel Circus Busch verliert seine neue Heimat wieder
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18:57 05.01.2017
Vier starke Akrobaten: die Gebrüder Scholl, die als „Supertalente“ im Fernsehen waren.
Vier starke Akrobaten: die Gebrüder Scholl, die als „Supertalente“ im Fernsehen waren. Quelle: Annika Jensen
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Brandenburg/H

Der Circus Busch hat Brandenburg an der Havel zum Lieblingsgastspielort erkoren, möchte jedes Jahr zu Weihnachten wiederkommen und zum Winterzirkus der Stadt werden. Doch seit Mittwoch scheint der Plan durchkreuzt. Die landeseigene Gesellschaft BBG will die Fläche vor der Technischen Hochschule nicht mehr verpachten.

Zirkusdirektor Hardy Scholl (52) ist seit Dienstag zerknirscht, auch wenn seinen 45 Mitstreitern Mut macht, „. . .  weil es ja immer weitergeht“. Doch die Nachricht, dass der Familienzirkus seinen Wohlfühlort verlieren soll, geht an die Nerven.

Vier starke Akrobaten: die Gebrüder Scholl, die als „Supertalente“ im TV zu sehen waren. Quelle: Lauterbach

„Bei jeder Vorstellung verspreche ich, dass wir künftig jeden Winter kommen“, erzählt der Chef des Unternehmens und versichert: „Das ist kein Gerede, um den Brandenburgern Honig ums Maul zu schmieren. Wir fühlen uns wirklich wohl an unserem Platz.“

Das Freigelände vor der Technischen Hochschule am Zentrumsring gehört nicht der Stadt Brandenburg, sondern der landeseigenen „Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG)“. Zu deren Aufgaben gehört es, eigene Grundstücke und Gebäude zu entwickeln und zu verkaufen. Offenbar soll genau das geschehen. Denn die BBG ließ den Zirkus wissen, dass er keine Zukunft mehr habe auf diesem Platz. Im Sommer gastiere noch der Zirkus Althoff dort, weil bereits ein Vertrag dafür geschlossen worden sei. Doch danach ist Schluss mit lustig.

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Der Auftritt bei „Supertalent“ hat sich für den Circus Busch nicht ausgezahlt. „Aber es war eine schöne Erfahrung und Victoria Swarovski ist wirklich nett“, sagt Akrobat René Scholl.

Aktuell hat der Zirkus ein weiteres heißes Eisen im Fernsehfeuer. Michelle Scholl ist als Sängerin im Rennen bei Deutschland sucht den Superstar (DSDS).

Der Circus Busch geht zurück auf den von Paul Busch 1884 gegründeten Zirkus. Bis zum 8. Januar gibt es täglich noch zwei Vorstellungen in der Stadt.

Was die Landesgesellschaft dort vorsieht wissen weder der Kunde Zirkus noch die Brandenburger Stadtverwaltung. Das staatliche Immobilienunternehmen gab auch der MAZ am Donnerstag keine Auskunft. Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) ist ebenso wenig etwas bekannt von einer Nachnutzung der Fläche wie dem für Ordnungsfragen zuständigen Beigeordneten Michael Brandt (CDU).

Das Brandenburger Rathaus möchte den Zirkus nicht verlieren. Bürgermeister Scheller bietet den fahrenden Gästen den Festplatz am Wiesenweg als künftiges Ausweichquartier an.

Hardy Scholl will den Wiesenweg in Augenschein nehmen, ob der Platz dort womöglich in Frage kommt. Er weist auf die großen Anstrengungen hin, Brandenburg/Havel zur festen Wintergröße seines Unternehmens zu machen. Ursprünglich, so gesteht er, sei die Stadt vor einem Jahr nur der Notnagel gewesen, weil sich kein anderer Ort als Winterzirkus angeboten habe. Doch inzwischen sei Brandenburg und das tolle Publikum dort dem Circus Busch ans Herz gewachsen. Das Unternehmen sei daher in Vorleistung gegangen, wie das üblich sei, wenn man einen festen Winterzirkus aufbaut.

In den ersten Jahren könne der Zirkus am neuen Ort nicht viel verdienen, weil die meisten Gäste die Vorstellung mit Freikarten sehen und Einnahmen vor allem mit Getränke- und Popcornverkauf sowie mit der Tiershow erzielt werden.

Der Circus Busch und das Publikum aus Brandenburg scheinen einander gefunden zu haben. Seit dem 22. Dezember verzücken Elefantendame Maja, der Comedian-Clown, Tempo-Jongleur und Vierfach-Salto-Artist Alfredo und natürlich die Gebrüder Scholl mit waghalsiger Akrobatik ihre Zuschauer.

Jüngst belegten die vier Brüder und Cousins in der Fernsehshow „Supertalent“ den dritten Platz. „Siegchancen hatten wir wohl nicht, weil Dieter Bohlen uns nicht vermarkten kann“, vermutet der Direktor. Dabei hätten die 100 000 Euro Gewinn gut getan. Der Zirkus hätte sich ein Grundstück als festes Quartier kaufen können. So muss er stets mühsam eine neue Bleibe suchen und dauernd weiterziehen.

Von Jürgen Lauterbach