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Brandenburg/Havel Corona-Regeln: Wie die Großkontrolle bei den Fahrgästen ankommt
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Corona-Regeln: Wie die Großkontrolle bei den Fahrgästen ankommt

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15:46 18.11.2020
Fahrscheinkontrolle. Mit einem Aktionstag kontrollierten am Mittwoch die Verkehrsbetriebe mit Ordnungsamt, Wachdiensten und Polizei die Einhaltung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Fahrscheinkontrolle. Mit einem Aktionstag kontrollierten am Mittwoch die Verkehrsbetriebe mit Ordnungsamt, Wachdiensten und Polizei die Einhaltung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Quelle: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Die Brandenburger Fahrgäste in den „Öffentlichen“ verhalten sich in den allermeisten Fällen vorbildlich. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Großkontrolle von Verkehrsbetrieben VBBr, Polizei, Ordnungsamtes sowie den beiden Sicherheitsunternehmen Safe Wachschutz und Wisag am Mittwoch.

Neuneinhalb Stunden Kontrolle

Von 6.15 Uhr bis 15.45 Uhr kontrollierten sie vornehmlich in Straßenbahnen und in den Innenstadtlinien der Busse Fahrscheine sowie das Einhalten der Verhaltensregeln im Zuge der andauernden Pandemie. Zwei Teams des Ordnungsamtes war im Stadtgebiet unterwegs, um die Fahrgäste darauf hinzuweisen, dass auch an den Haltestellen schon das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht ist.

Das Aufgebot an Kontrolleuren war ziemlich groß beim ÖPNV-Aktionstag am Mittwoch. Doch die Brandenburger Fahrgäste sind fast alle einsichtig, halten sich an Schutzmaßnahmen und Ticket-Bezahlpflicht.

Ordnungsamt hat leichtes Spiel

„Es war ziemlich entspannt, die Menschen hatten Verständnis. Wenn der Mund-Nasen-Schutz nach unten gerutscht war, haben sie ihn nach Aufforderung widerspruchslos gerichtet“, berichten die fünf Außendienstler, die sich gegen 13 Uhr zur Abschlussbesprechung am Hauptbahnhof getroffen hatten. Ihr Strafzettelblock blieb diesmal unbenutzt, obwohl sie ihn dabei hatten.

Alle Teams mit Masken-Reserven

Fünf Dreier-Teams aus Polizei, Sicherheitsdiensten und VBBr fuhren in Bussen und Bahnen mit. Eines schnappte noch am Mittag neun Schwarzfahrer auf einer Fahrt der Linie 1. Doch das war die Ausnahme. „Ich habe zwei Masken verschenkt, ein Fahrgast hatte sie im Auto vergessen, der zweite hat seine angeblich verloren“, sagt Jens Engelmann, der VBBr-Marketingchef. Alle Teams waren mit Taschen ausgerüstete, in denen Alltagsmasken, Einmal-Handschuhe, Pinzette sowie Handesinfektion verstaut waren, um den Fahrgästen behilflich zu sein.

Es geht nicht ums Bestrafen

„Uns geht es bei den Corona-Schutzregeln nicht ums Abstrafen. Wir wollen das Bewusstsein der Menschen erreichen und ihnen klar machen, dass die Regeln notwendig sind. Ich denke, dass wir schon viel erreicht haben. Unsere Fahrgäste haben es verstanden“, sagt Engelmann. Sein Kollege Robert Kipferling bestätigt das: „Ich musste nur eine Maske verschenken, alle anderen hatten eine dabei, zwei Fahrgäste haben mir ein ärztliches Attest gezeigt.“

Kontrolleure in vielen Fahrzeugen

Er hat für die fünf Teams einen exakten eigenen „Fahrplan“ erstellt, seine Mannschaft absolvierte 18 Fahrten. „Manchmal erkennen uns ja Menschen – etwa Schwarzfahrer oder Leute, die nicht gern mit uns gemeinsam fahren“, erzählt er amüsiert. Es nutze ihnen aber meist nichts, auf die nächste Bahn zu warten. Manchmal seien drei aufeinander folgende Fahrzeuge mit Kontrolleuren besetzt.

Vornehmlich Innenstadtrouten

Sein Team absolvierte vorrangig die Strecke der Linie 6 zwischen Hauptbahnhof und Fontanestraße, von dort aus ging es mit der „1“ retour zum Hauptbahnhof. So konnten möglichst viele Fahrgäste erreicht werden. Auf der Buslinie E beispielsweise wären die Teams viel zu lange unterwegs gewesen.

Manche beschweren sich bei Mehrfachkontrolle

Die Fahrgäste nahmen die Kontrollen überwiegend locker, manche beschweren sich lediglich darüber, wenn sie zum wiederholten Male kontrolliert worden sind. Christine Schmidt und ihrer Begleiterin macht die Maskenpflicht nicht viel aus, beide arbeiten beim Begleit-Service der BAS. „Wir müssen ohnehin fast den ganzen Tag die Alltagsmaske tragen, man gewöhnt sich irgendwann daran.“

Schüler als Vorbilder

Ähnlich sehen es auch zwei Gymnasiasten: „Mittlerweile geht es, man merkt die Maske kaum noch, auch in der Schule müssen wir sie häufig tragen“, sagt Yannis Köhler. „Ich finde es sehr nervig. Aber nicht die Maske, sondern die Menschen, die keine tragen, vor allem nicht im Nahverkehr. Es bringt nur etwas, wenn es alle machen. Aber manche behaupten, sie bekommen keine Luft. Das ist Quatsch, da müssten die Fahrgäste schon alle tot sein“, sagt Engin Reinhardt.

Ausrede mit der Luftnot

Die Ausreden mit der Luft hört Kipferling auch immer wieder. „Das kennen wir schon. Ich habe heute mal Strichliste geführt. Da komme ich auf 17 Leute, welche ihre Nase nicht bedeckt hatten.“ Doch allgemein herrscht Zufriedenheit bei den Verkehrsbetrieben über das einsichtige Verhalten der allermeisten Fahrgäste.

Gute Kooperation

„Wir wissen aus der täglichen Arbeit, dass die Mehrzahl unserer Kunden vernünftig ist. Der Aktionstag geht auf eine Initiative der Länder Brandenburg und Berlin zurück. Die Polizeidirektion West hat sofort Unterstützung zugesagt und Beamte an diesem Tag für die Kontrollen in Brandenburg an der Havel und in Potsdam abgestellt. Auch mit der Gesundheits- und mit der Ordnungsbehörde lief die Zusammenarbeit angenehm. Es war eben alles eine Frage der Organisation, da haben auch die Sicherheitsunternehmen einen großen Anteil daran“, lobt VBBr-Chef Jörg Vogler.

Er hatte für die Kontrolleure extra eine „Pausenbahn“ an den Hauptbahnhof gestellt, darin gab es Brötchen, Kaffee und kalte Getränke.

Von André Wirsing