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Brandenburg/Havel „Coronahilfe für Gastronomen“ bei Facebook: Unterstützung für die Branche
Lokales Brandenburg/Havel „Coronahilfe für Gastronomen“ bei Facebook: Unterstützung für die Branche
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11:12 30.03.2020
Annik Rauh hat die Facebook-Gruppe "Coronahilfe für Gastronomen" ins Leben gerufen. Quelle: Screenshot
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Brandenburg/H

„Es geht darum, ins Tun zu kommen“, sagt Annik Rauh. „Dabei wollen wir helfen.“ Rauh, die mit Ehemann Dirk als „Gastro-Angels“ Unternehmer der Branche berät, hat eine neue Facebook-Gruppe ins Leben gerufen. „Coronahilfe für Gastronomen“ heißt diese – und soll genau das bieten.

340 Mitglieder haben sich bisher in der Gruppe gefunden, um von den Erfahrungen der Profis zu lernen. Rauh weiß, wovon sie spricht, dann sie hat bereits eine ähnliche Situation als Gastronomin durch. Bis 2016 betrieb sie die Cocktailbar Fonte, über die 2011 die Hochwasserkatastrophe hinein brach. Rauh musste den Laden an der Havel dicht machen. „Ursprünglich dachten wir für drei bis vier Wochen. Letztendlich hat es dreieinhalb Monate gedauert“, sagt Annik Rauh.

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Orientierung durch das Informationsdickicht

Das habe sie unheimlich belastet, gibt die Gastronomin zu. Es habe sie auch an die Grenzen ihrer Führungsfähigkeit gebracht. Ein Grund, nach dieser Erfahrung die „Gastro-Angels“ zu gründen. Damit hatte sich das Ehepaar, das auch das Marienbad-Bistro betreibt, insbesondere auf das Zusammenspiel von Team und Chefs spezialisiert. „Das war bis Corona“, sagt Annik Rauh nun. Jetzt geht es darum, anderen Gastronomen in vielerlei Hinsicht unter die Arme zu greifen und wichtigen Input zu geben. Das soll in der Facebookgruppe passieren.

So funktioniert die neue Plattform der MAZ

Online-Bestellungen, Gutscheine, Lieferservice: Viele Kleinunternehmer wehren sich jetzt mit kreativen Ideen gegen die Krise. Dies bekannt zu machen, ist Ziel von „Zusammen stark“.

Händler und Geschäfte können ihre Angebote in ein Formular eintragen, das nach Prüfung von der MAZ veröffentlicht wird. Die Brandenburger können so gezielt die Händler in ihrer Nachbarschaft unterstützen. Alle weiteren Informationen unter http://www.maz-online.de/zusammenstark

„Ich verbringe viele Stunden täglich damit, die Gruppe zu bespielen. Dazu filtere ich verschiedene Informationen aus dem Netz“, schildert Annik Rauh. Sie will zum einen durch den Antragsdschungel helfen und stellt diverse Vordrucke, etwa zu Gema oder GEZ, zur Verfügung. Damit Gastronomen in der Lage sind, ihre laufenden Kosten zu stunden oder zu senken.

Zum anderen sucht sie auch nach dem Wahrheitsgehalt aus den zigtausend Meinungen, die vor allem durch die sozialen Netzwerke schwirren. „Der eine sagt das, der andere sagt das“, meint Rauh und rät davon ab, jedes Statement für bare Münze zu nehmen. Wie die vielen Aussagen, die rund um die Soforthilfe kursieren. „Beantragt die Hilfen. Macht es gemeinsam mit eurem Steuerberater“, empfiehlt der Gastro-Engel.

Die Zeit sinnvoll nutzen

Zusätzlich liefert die Beraterin ganz konkrete Tipps, etwa zum Thema Einkaufspreise. „Viele zahlen locker 20 bis 30 Prozent zuviel. Sie verhandeln nicht“, weiß Rauh. „Jetzt wäre die Zeit dafür“, sagt sie.

Ganz generell sollten Gastronomen ihrer Ansicht nach die Krise nutzen, um zu erledigen, wozu sie bisher nicht gekommen sind. Das kann der Aufbau oder die Pflege einer Website sein, vielleicht auch die Umgestaltung des Ladens oder professionelle Fotos der Einrichtung. So wird in der Gruppe der Post eines Fotografen geteilt, der sich auf Gastro-Fotos spezialisiert hat. Er bietet an, Aufträge zu einem Sonderpreis zu übernehmen, der zudem nicht sofort fällig wird.

Rauh: „Schaut nach vorne“

„Es geht darum, sich jetzt eine Werkzeugkiste zu bauen, die später behilflich sein kann“, meint Rauh. Und sei es nur, die freigewordenen Kapazitäten für die Gestaltung des Weihnachtsmenüs zu nehmen. Etwas, das in der hektischen Adventszeit eher belasten könnte. Zukunftsorientiertes Denken ist dabei Rauhs Ansatz: „Es wird eine Zeit nach Corona geben.“ Auch das hat sie ihre eigene Erfahrung vor neun Jahren gelehrt.

Wie zudem ad hoc auf die Krise reagiert werden kann, will der Gastro-Engel an Best-Practice-Beispielen zeigt. Sie interviewt dazu einfallsreiche Geschäftsinhaber und stellt Videos online. Wie über den smarten Lieferdienst von Tina Faßhauer, die sich erst Anfang des Jahres mit ihrem kleinen Café am Steintorturm selbstständig gemacht hat.

Auch Rauh lernt über die Facebookgruppe und die Kontakte unheimlich viel dazu, sagt sie. Ihre klare Empfehlung lautet daher: „Tauscht euch aus, helft euch und schaut nach vorne.“

Die MAZ-Redaktion hat eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen, in der Informationen, Entwicklungen und Maßnahmen rund um die Corona-Pandemie in der Stadt gesammelt werden. Gleichzeitig soll die Gruppe einen geschützten Raum für Menschen zum Austausch und auch der gegenseitigen Information und Hilfe bieten. Wer in Sachen Corona auf dem Laufenden bleiben will, klickt hier.

Von Antje Preuschoff

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