Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Geschichten von dummen Holzwürmern
Lokales Brandenburg/Havel Geschichten von dummen Holzwürmern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:02 10.09.2014
Karsten Westphal erklärt bildhaft, wie der als Warenlager genutzte Keller mit Durchreichen und Nischen als Ablagefächer genutzt wurde. Quelle: J. Steiner
Brandenburg an der Havel

4000 Kubikmeter reinste Gotik. Viel zu schade, um ins Gotische Haus noch ein zweites Museum zu packen, es ist ein Museum seiner selbst. Höchste Baukunst – nicht nur, weil es mehr als 560 Jahre beinahe unversehrt überstanden hat, sondern weil mit einem Detail- und Einfallsreichtum gearbeitet wurde, der Bauforscher, Denkmalschützer, Architekten und auch die Brandenburger in Entzücken versetzt.

Eine künftige Nutzung steht darum auch nicht mehr fest. „Wir denken intensiv nach und wollen uns dafür Zeit lassen, um das Gebäude würdig herauszustellen“, sagt Kulturmanager Tim Freudenberg. Er könne sich durchaus wechselnde Ausstellungen vorstellen, „am entferntesten ist aus meiner Sicht die ursprünglich geplante Präsentation der Sammlung mechanischer Spielzeuge“. Noch schlimmer wäre allerdings, das riesige Haus kleinteilig mit Verwaltungsbüros zu verbarrikadieren.

Der Architekt und Bauhistoriker Karsten Westphal beschäftigt sich bereits seit 28 Jahren mit dem 1451/52 errichteten massiven Profanbau, seit zwei Jahren leitet er die Sanierung, die im Sommer 2015 abgeschlossen sein soll. Ihn freuen die Signale aus dem Rathaus, die Freudenberg wie auch Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann aussenden. „Die Geschichte des Hauses soll auch in einer neuen Nutzung voll ablesbar sein“, sagt Westphal.

Brandenburger, die am Denkmaltag im vergangenen Jahr bereits das Gotische Haus gesehen haben, werden diesmal überrascht sein, wie viel Neues Westphal zu erzählen hat. Das Gebäude gibt seine Schätze erst nach und nach preis.
Beispielsweise den „Dagobert-Duck-Keller“: Lange hat der Architekt gerätselt, was es mit der extradick gemauerten Wölbung mit einem ganz kleinen Eingang, der außerhalb des Hauses über einen Gang zu erreichen war, auf sich hatte. Jetzt steht fest – es war das Kontor, in dem der Kaufmann sein Gold gelagert und zu dem nur er Zutritt hatte. Das Hauptgebäude war das Warenhaus mit einem 4,40 Meter hohen Saal im Erdgeschoss, das Lager befand sich im durchgehenden Keller, die Lieferöffnungen zur Straße hin sind vollständig erhalten, ebenso die große Doppelfensteranlage an dem prächtig verzierten Giebel, der schon von der Neustadt aus zu sehen war.

Sagenhafte zwölf Schichten Innenputz hat Westphal frei gelegt, um den Einrichtungsgeschmack der Hauserrichter herauszubekommen. Siehe da, nicht das tadellose Mauerwerk war Schmuck genug, sondern es wurde eine Art Putz-Tapete mit Fachwerkbemalung überzogen, sogar mit kleinen Ornamenten verziert. Das schien im 15. Jahrhundert der letzte Schrei gewesen zu sein.
Wohl erstmalig in der Brandenburger Baugeschichte hat ein Bauherr im Dachstuhl ein Hänge-Strebewerk einbauen lassen, eine kunstvolle Vorrichtung, um große Lasten aufzunehmen, das Balkenwerk gleichwohl grazil erscheinen zu lassen. „Das hat damals kein einheimischer Zimmermann gekonnt, allenfalls ein Handwerker aus dem süddeutschen Raum“, schätzt Westphal. An den Balken fällt eine weitere Besonderheit auf – sie haben kaum Holzwurmbefall. Als Schutz war ein so genannter Bister-Anstrich aufgetragen, ein Gemisch aus Ruß, Quark/Käse und Wasser. Die Anobien haben sich zwar auf den „leckeren“ Käse gestürzt, dabei aber „vergessen“, dass der mitgefressene Ruß für sie tödlich ist. Wer heute die Säure- oder andere Chemiekeulen schwingt, kann sich auch auf die alten Hausmittel besinnen.

Ausgewählte Schau-Orte zum Denkmaltag

Asklepios Fachklinikum Anton-Saefkow-Allee 2, 14772 Brandenburg an der Havel, 10–16 Uhr, Museum zur Psychiatriegeschichte, Führungen:
11 und 14 Uhr, Tel.  03381/78 21 02.
Burgmühle Krakauer Straße 1, 14776 Brandenburg an der Havel, 13–16 Uhr, Tel.  03381/31 67 47.
Gotisches Haus Ritterstraße 86, 14770 Brandenburg an der Havel, 11– 18 Uhr Führungen: 11.30, 14.30 und 17 Uhr, Tel.  03381/32 56 61.
Stahl- und Walzwerk August-Sonntag-Straße 5, 14770 Brandenburg an der Havel, Führungen 10 und 14 Uhr, Tel. 03381/30 46 46.
Mühlenensemble Schwedendamm 1, 14712 Rathenow, 10–18 Uhr, Führungen auf Anfrage, Tel.  03385/49850.
Historischer Hafen Am Packhof, Havelufer, 14776 Brandenburg an der Havel, 11–16 Uhr. Rundfahrten nach Bedarf, Tel.  033208/21361.
Schloss Plaue, Schlossstraße 25,
11– 17 Uhr, Führungen stündlich. Tel. 03381/28 53 60.
Zisterzienserkloster Lehnin, Klosterkirchplatz 1–19, 13–17 Uhr Führungen nach Bedarf, Tel.  03328/43 35 22.
St.-Crucis-Stadtkirche Kloster 1a, 14793 Ziesar, 13–17 Uhr, Kontakt: Tel. 0152/23 04 01 20.
Lucke-Hof Alte Hauptstraße 35, 14727 Premnitz, 11–18 Uhr, Kontakt: Tel.  03386/28 78 13 2.
Fachwerkhaus Hermann-Boßdorf-Straße 34, 14827 Wiesenburg, 14–17 Uhr, Tel.  033849/12 90 49.
Galerie im Grafenstall Lindenstraße 3, Kleßen-Görne, 15–18 Uhr.

Es gibt noch mehr Bestaunenswertes im Gebäude, beispielsweise die mit dem Beil bearbeiteten Schiffskehlbalken, die nicht nur tragende, sondern auch dekorative Funktion haben. Oder das prachtvolle beidseitig aufwendig gestaltete und vier Meter hohe Portal, für das Dutzende verschiedene Ziegel-Formsteine angefertigt werden mussten.
Und falls am Sonntag die Frage auftauchen sollte, warum der Blick vom Johanniskirchplatz aufs Gotische Haus durch den zweietagigen Neubau fast komplett verdeckt ist: „Ohne das Büro- und Toilettenhaus gäbe es auch keine Sanierung des Gotischen Hauses“, antwortet Westphal dann pragmatisch. So funktioniert eben Bürokratie – gerade auch bei Fördermitteln von zwei Millionen Euro.
Internet: Das komplette Programm ist zu finden unter www.tag-des-offenen-denkmals.de

Von André Wirsing

Brandenburg/Havel Rattengift und Draht in der Wurst - Giftanschlag auf Hundezucht in Ziesar

Hundezüchter in Angst: Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ist auf eine Bernhardiner-Zucht in Ziesar (Potsdam-Mittelmark) ein Giftanschlag verübt worden, eine Hündin starb qualvoll. Auf dem Anwesen wurden Wurstreste gefunden, die mit Rattengift und Metallteilen versetzt waren. Jetzt ermittelt die Polizei. Stecken Hundehasser hinter den Anschlägen?

13.09.2014
Brandenburg/Havel Brandenburg an der Havel: Polizeibericht vom 10. September - Ladendieb schlägt um sich

+++ Neuendorfer Straße: In einem Supermarkt beobachtet eine Verkäuferin einen Mann beim Diebstahl, als sie ihn anspricht rastet der Mann aus und schlägt um sich +++ Wollin: Ein Mann kracht aus bisher unklarer Ursache in einen LKW und wird verletzt +++

10.09.2014
Brandenburg/Havel Neuausrichtung der Krankenkasse wirkt sich auf Arbeitsplätze aus - Barmer-GEK baut um, die Kunden sollen profitieren

Die Barmer-/GEK steht vor großen Veränderungen im nächsten Jahr. Die Krankenkasse will in ganz Deutschland für den künftigen Wettbewerb rüsten. Das wird sich auswirken auf den Kundenservice und auf die rund 130 Arbeitsplätze in der Stadt Brandenburg und der Umgebung. In der Havelstadt soll das fachliche Zentrum für den großen Bereich Pflege entstehen.

10.09.2014