Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Gärten des Grauens: Brandenburgerin kämpft gegen zu viel Grau vorm Haus
Lokales Brandenburg/Havel Gärten des Grauens: Brandenburgerin kämpft gegen zu viel Grau vorm Haus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:10 23.07.2019
Helgard Swierkowski in ihrem Vorgarten in Schmerzke. Quelle: Marion von Imhoff
Schmerzke

Die Architektin Helgard Swierkowski aus dem Brandenburger Ortsteil Schmerzke möchte eine Initiative starten gegen „Vorgärten des Grauen“, wie sie es sagt. Dieser Begriff hat sich deutschlandweit bei Gegnern von Steingärten etabliert. Eine Facebook-Gruppe „Gärten des Grauens“ hat fast 3000 Mitglieder und rund 60.000 Fans.

Die mit Kiessteinen zugeschütteten Gärten gelten bei Fans als pflegeleicht und modern. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hingegen kritisiert diese Gestaltungsform, weil unter ihr die Artenvielfalt leide und Insekten dort keine Nahrung finden.

Graue Gärten sind umstritten. Quelle: rnk

Beim Stammtisch der Landfrauen in Weseram am 16. Juli, an dem auch Politiker der Region teilnahmen, appellierte Helgard Swierkowski an die Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann, dass es gesetzliche Verbote solcher Steingärten geben müsse. Schon in Baugenehmigungen müsse eine solche Auflage erteilt werden.

Steingärten auf dem Land

Mit der MAZ sprach Helgard Swierkowski über diese Steingärten. „Seit etwa fünf Jahren fällt mir auf, dass einzelne Grundstücksbesitzer gerade die Vorgärten mit Steinen gefüllt haben“, begründet Helgard Swierkowski ihre Initiative. Auch in ihrem eigenen Wohngebiet in Schmerzke sehe sie diese Entwicklung: „Man zieht auf das Land und fängt an, Steingärten anzulegen.“

So geht es auch: ein blühender Vorgarten in Schmerzke. Quelle: Marion von Imhoff

Seit etwa zwei Jahren greife diese Entwicklung um sich. „Die Jugend und unsere Enkelkinder gehen auf die Straße und demonstrieren, dass wir die Erde für uns erhalten und wir Alten machen genau das Gegenteil, wir schütten die Grundstücke mit Steinen zu, dass dort nichts mehr wächst.“

Helgard Swierkowski ist Fachfrau in der Baubranche. Sie lernte den Beruf des Maurers und studierte anschließend Architektur. Ihr Mann Detlef ist ebenfalls Architekt. Er sagt: „Im reinen Wohngebiet ist es nur erlaubt, 40 Prozent des Grundstücks zu versiegeln inclusive Haus. Auf vielen Grundstücken sind aber bis zu 80 Prozent der Fläche versiegelt. Die Baubehörden müssten das viel mehr kontrollieren.“

Steingärten sind auch dem Naturschutzbund Nabu ein Dorn im Auge. Quelle: Nabu/ Dietmar Oeliger

Zwar sind die Flächen mit Kies nicht versiegelt, weil die darunter befindliche Folie wasserdurchlässig sind. „Die freien Flächen müssen aber bepflanzt werden“, sagt Detlef Swierkowski.

Harsche Worte der Kritik

Der wertvolle Mutterboden werde abgetragen, beschreibt Helgard Swierkowski das Verfahren: „Dann legt man Gartenfließ und das bedeutet, dass die Erde luftdicht abgeschlossen ist und darauf kommen die Steine. Man nimmt so Bienen, anderen Insekten und Vögeln die Nahrungsgrundlage.“ Zudem würden sich nach zwei Jahren dort auch Pollen sammeln: „Meine Angst ist, dass man dann mit Pestiziden dort die Steine wieder säubert.“

Gut für Eidechsen, schlecht für das Klima

Auf MAZ-Anfrage hat Angelika Jurchen, Sprecherin der Stadtverwaltung Brandenburg, Stellung genommen zu den umstrittenen Vorgärten voller Steine: Danach kann die Bauaufsicht Steingärten nicht verbieten.

Die Stadt verweist bezüglich der Steingärten auf „viele Nachteile aus Umwelt- und Naturschutzsicht“: schlechtes Kleinklima durch Aufheizen des Bodens, Behinderung der Grundwasserneubildung, keine Kleinstlebewesen mehr im Boden, keine Beschattung, Regen fließt schnell oberflächlich ab.

„Dass ein Steingarten pflegeleicht ist, ist ein Trugschluss“, so Jurchen weiter. „Nach zwei Jahren haben sich die Steinchen zugesetzt mit Sand und Laub und Wildkräuter wachsen durch.“

Einziger Vorteil laut Stadtverwaltung: Es können sich Zauneidechsen ansiedeln.

Wenn sie Hausbesitzer auf die Steinlandschaften anspreche, „ernte ich nur harsche Worte, man könne mit seinem Garten machen, was man wolle“. Doch ist es so?

Erler: „Das Leben ist bunt.“

Karl-Heinz Erler, Leiter des Stabsbereiches des Oberbürgermeisters, hat keine Bedenken aus gesetzlicher Sicht gegen Steingärten. „Das Leben ist bunt, einer mag eine Wildwiese in seinem Vorgarten haben, der andere Steine. Solange es auf seinem Grund und Boden ist, hat der Mensch die Freiheit, so zu leben, wie er möchte.“ Verboten sei es hingegen, das Grundstück mit großen Steinen im öffentlichen Raum zu schützen.

In der Brandenburgischen Bauordnung heißt es in Paragraph 8: „Die nicht mit Gebäuden (...) überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind 1. wasseraufnahmefähig zu belassen (...) und 2. zu begrünen oder zu bepflanzen.“ Auch darauf verweist Helgard Swierkowski.

Nabu ist für naturnahe Gärten

Auch dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sind Steingärten ein Dorn im Auge: „Wir plädieren für naturnahe Gärten mit Pflanzen. In Steingärten finden Tiere keine Nahrung“, sagt Pressesprecherin Silvia Teich.

Der Stadtstaat Bremen will Schotterflächen in Vorgärten per Verordnung verbieten. „Man darf nicht Gartenpolizei spielen, ich will auch nicht bevormunden“, sagt die 66-Jährige. „Ich möchte nur eine grüne Zukunft für unsere Kinder.“

Von Marion von Imhoff

Das Kinderfilmfest ist die größte Veranstaltungsreihe für Schüler in der Havelstadt. Mehr als 850 Zuschauer wollen vom 16. bis 27. September im Kinder-und Jugendfreizeitclub (Kiju) Filme sehen. Sie erleben Hexenabenteuer und erfahren, was wahre Schönheit bedeutet.

22.07.2019

Seit mindestens sechs Jahren wird zum geplanten Ergänzen des fehlenden Teilstücks im Zauche-Radweg zwischen Rietz und Brandenburg an der Havel verhandelt. Die Kommunen trifft keine Schuld. Jetzt geht es los.

23.07.2019

Sie hätte sich nicht mit so viel Alkohol im Blut auf ihr Fahrrad setzen sollen. Eine 56 Jahre alte Frau ist Sonntagnacht in der Ritterstraße verunglückt. Sie wurde leicht verletzt und hat nun noch anderen Ärger.

22.07.2019