Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Ein Leben im Denkmal
Lokales Brandenburg/Havel Ein Leben im Denkmal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:35 05.09.2018
Wolfgang Kießler erhält den Denkmalpflegepreis für sein Haus Domlinden 4 Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Wolfgang Kießler ist ein Unikum: Grafiker, Designer, Maler, Zeichner und Musiker auf der Schrutibox. Soweit bekannt in der Havelstadt.

Er ist auch Maurer (den Beruf hat er erlernt), Dachdecker, Tischler, Anstreicher, Heizungsbauer und Putzprofi. An diesem Donnerstag bekommt er den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis für die vorbildliche denkmalgerechte Instandsetzung der ehemaligen Dom-Apotheke in Brandenburg an der Havel von Kulturministerin Martina Münch (SPD) überreicht.

In dem Haus Domlinden 4 ist er geboren, wohnte dann woanders, kehrte erst in den 1970er-Jahren Jahren zurück. Seitdem werkelt er an dem Schmuckstück. 1719 wurde es als reines Fachwerkhaus für eine Materialwarenhandlung erbaut, 42 Jahre später wurde die fünfachsige Ziegelfassade vorgesetzt. Das Gebäude war seitdem als Apotheke privilegiert. Es ist ein Freyhaus, die darin lebenden Bürger mussten keine Abgaben oder Dienste für das Domkapitel leisten. Davon gab es auf der ganzen Dominsel nur acht Häuser.

Kießlers Großvater hat die Immobilie 1908 gekauft, er war Apotheker, sein Sohn ebenfalls. „Mein Vater war Apotheker, aber er hatte auch eine große Werkstatt, war handwerklich sehr geschickt, hat immer irgendetwas gedreht, geschweißt und gelötet. Ich habe davon sehr viel mitbekommen und die Werkstatt leistete mir gute Dienste.“

Seit mehr als 40 Jahren lebt das Ehepaar Kießler im Haus Domlinden 4. Am Denkmal ist immer etwas zu werkeln, das Thema Denkmalschutz begleitet Wolfgang Kießler schon sein ganzes Leben.

In Kießlers Leben ist das Thema Denkmalschutz ein ständiger Begleiter. Schon 1965, als es Pläne gab, die halbe Altstadt abzureißen und an der Jahrtausendbrücke ein „sozialistisches Zentrum“ aufzubauen, ist er mit Gleichgesinnten dagegen Sturm gelaufen, gemeinsam zogen sie durch die Stadt, schauten, wo ein historisches Gebäude zu verfallen drohte. Sie organisierten Baumaterial, damit wenigstens notdürtig ein Dach oder eine Mauer geflickt werden konnte, retteten so das alte Gildehaus. 1989 ging er mit dem Künstlerkollegen Christian Radeke los, mit selbstgefertigten Pappschablonen malten sie Slogans an die Wände kaputter Häuser: „Mehr ist uns nicht eingefallen. Rat der Stadt“.

In den 1990er-Jahren begann er, von sich aus die Denkmalschutzbehörde über alle seine Schritte zu informieren. „Ich habe schon immer alles fotografiert und dokumentiert. Zu jedem Zimmer im Haus gibt es eine ganze Akte, Domlinden 4 ist wahrscheinlich das bestdokumentierte Denkmal in der Stadt“, sagt er lachend. Akribisch hat er mit dem Skalpell Farb- und Tapetenreste getrennt, bis zu 22 verschiedene Schichten traten zutage. Die Tapetenschnipsel hat er der Reihe nach auf Karton gezogen und ihnen Jahreszahlen zugeordnet. „Ich rede manchmal mit den alten Geistern“, schmunzelt er, „hier haben ja reale Menschen gewohnt, ich will wissen, wie sie gelebt haben.“ So fand er hinter einem Balken den Zimmermannsbleistift von 1719 –ein in gespaltenes Holz gestecktes Graphitstück. In einem Gefache kam im Lehm ein Ei ans Tageslicht, das eingemauert, auch einen vollständigen Buchenblattabdruck fand er auf einer Kalkschicht. Zeichen des Aberglaubens früherer Bauherren und Lebenszeugnis. In einem Küchenbalken steckt noch ein russisches Projektil. In den letzten Kriegstagen war die Sowjetarmeee einmarschiert und hatte in der „Apteka“ ganz richtig auch Schnaps gewittert.

Bezeichnenderweise hat er sich nicht selbst für den Denkmalpflegepreis beworben, Anja Castens von der städtischen Denkmalbehörde hat ihn vorgeschlagen.

Von André Wirsing

Brandenburg/Havel Brandenburg an der Havel - DRK baut 180-Kinder-Haus

Das DRK-Kinderdorf ist im nächsten Jahr komplett auf modernem Stand, das sanierungsbedürftige Haus wird durch einen größeren Neubau ersetzt. Die Stadt wünschte sich mehr Plätze als geplant waren.

05.09.2018

Rauchen liegt nicht im Trend. In Brandenburg/Havel liegt die Zahl der Zehntklässler, die mindestens einmal in der Woche rauchen, aber bei 21,6 Prozent. Höher ist der Raucheranteil in der Prignitz.

05.09.2018

Eine 50 Jahre alte Brandenburgerin hat sich schwer verletzt, als sie auf der Bundesstraße 1 bei Plauerhof mit einer anderen Radfahrerin zusammengestoßen ist. Am Kopf blutend wurde sie ins Krankenhaus gebracht.

05.09.2018