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Brandenburg/Havel Gesellschaft in Schieflage: Der alte Mann und die Zeit 
Lokales Brandenburg/Havel Gesellschaft in Schieflage: Der alte Mann und die Zeit 
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17:09 14.08.2019
Mischt sich ein: Dietmar Nieder in seiner Rolle als Schiffer Horst Rüder. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Deutschland den Deutschen“, „Grenzen dicht machen“, „alimentierte Messermänner“ –etwas liegt im Argen in der Bundesrepublik. Schließlich kommen die aktuellen Bilder von Aus- und Abgrenzung bekannt vor.

Erst vor 70 Jahren führten diese zu einem der schlimmsten Abschnitte der deutschen Geschichte. Und sollten somit noch frisch im historischen Gedächtnis der Bundesbürger sein. Was also tun gegen Geschichtsvergessenheit und den Rechtsruck?

Ohnmacht vor dem Rechtspopulismus

Das Theaterstück „Der alte Mann und die Zeit“ der Potsdamer Regisseurin Martina König thematisierte am Dienstagabend im Potsdamer Theaterschiff, welches derzeit am Salzhofufer in Brandenburg an der Havel vor Anker liegt, die Ohnmacht gegenüber dieser rechtspopulistischen Entwicklung. Gleichzeitig gibt es denjenigen Mut, die etwas dagegen unternehmen wollen.

Einziger Protagonist des berührendes Stückes ist der von Dietmar Nieder gespielte Havelschiffer Horst Rüder, für den die aktuelle Stimmungslage in Deutschland zu einem Alptraum wird. Dementsprechend düster begann die Aufführung vor etwa 40 Gästen im fast voll besetzten Bauch des Theaterschiffes.

Hetze ist 2019 kein böser Traum

Rüder sitzt auf der Bühne und knotet Taue, die sich bei genauer Betrachtung als Galgen entpuppen. Darüber werden Tondokumente aus deutschen Archiven gespielt. Man hört Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD und Alice Weigel, Co-Chefin der Partei, dazu immer wieder Reden aus dem Reichstag zwischen 1939 und 1945, die sich mit Augenzeugenberichten von Überlebenden des Holocausts vermischen. Doch Verfolgung und Hetze sind 2019 für den Schiffer kein böser Traum mehr.

Das wirkt und es wird ganz still auf den Publikumssitzen. Zeit also für frische Luft, findet Rüder, und bittet das Publikum an Deck. Hier erklärt der Schiffer den Havelstädtern die Potsdamer Umgebung in der er sonst vor Anker liegt.

Dort befinde sich das Haus der Wannseekonferenz, wo 1942 die Deportation und Ermordung der europäischen Juden von hochrangigen Vertretern des Dritten Reiches besprochen wurde. Und da das Schloss Cecilienhof, in dem die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs unter anderem die Teilung Deutschlands besiegelt haben.

Keine Täter, nur Opfer

Rüders Eltern erlebten beides, erfährt der Zuschauer, und immerzu hätten sie ihren Sohn zur kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Geschehnissen ermutigt. Immer wieder habe den Vater aufgeregt, dass es am Ende des Zweiten Weltkrieges und nach der Wende 1989 „plötzlich nur noch Opfer“ und keine Täter gegeben habe.

Wie konnte es nach all dem also beispielsweise zu Ereignissen wie jenen in Chemnitz vor fast genau einem Jahr kommen? Im August 2018 folgten dort auf einen Tötungsdelikt am Rande eines Stadtfestes rassistische Hetzjagden durch die sächsische Stadt.

Doch was tun? Er sei kein guter Redner, also falle ein Besuch mit einer Rede im Bundestag aus, gesteht Rüder. Ebenso ein Auftritt in einer Talkshow. „Ich bin besorgt“, so Rüder. „Aber mir fällt nichts ein.“

Die Lösung scheint simpel

Dann zum Ende Stückes der Geistesblitz. Mit einem Fingerschnippen lässt der Schiffer die abermaligen Aufnahmen aus Hitlerreden, Überlebenden der Judenverfolgung und Stimmen der aktuellen Politiklandschaft verstummen. „Ich misch mich ein“, sagt er, „überall“. Und wenn schon nicht im Bundestag, dann eben im Supermarkt, beim Bäcker oder beim Discounter. Denn: „Wenn es viele tun, dann haben wir vielleicht eine Chance“, schließt der Schiffer unter Applaus ab.

Im Anschluss an das Theaterstück der Potsdamer Regisseurin folgte zudem ein Konzert der Band „Mara & der Rausch“ auf dem Deck des Theaterschiffes. Die Songs der Berliner Liedermacher Götz Rausch und Martina Lies, welche sich um die Ungewissheit und Veränderlichkeit des Lebens drehen, ohne jedoch schwermütig zu werden, bildeten dabei einen willkommenen musikalischen Kontrast zu der thematischen Schwere des vorangegangenen Theaterstückes.

Die Hoffnung bleibt bestehen

Eins blieb jedoch hängen: „Wir sind in eine politische Schieflage geraten und da werden wir ganz bestimmt auch wieder herauskommen“, sagt Katharina Konrad aus Pritzerbe. Die Theatergängerin ist sich sicher: „Wir müssen bloß den Hintern hoch bekommen.“

Am Donnerstag, den 15. August zeigt das Theaterschiff das Stück „Der alte Mann und die Zeit“ noch einmal um 11 Uhr sowie um 18 Uhr am Salzhofufer. Im Anschluss an die 18 Uhr-Aufführung folgt ein weiteres Konzert von „Mara & der Rausch“. Der Eintritt ist frei.

Von Tobias Wagner

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