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Brandenburg/Havel "Deutsche Standorte nicht in Gefahr"
Lokales Brandenburg/Havel "Deutsche Standorte nicht in Gefahr"
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13:37 08.10.2013
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Hennigsdorf

Italiens Regierung, Medien und die Wirtschaft sehen die Existenz des größten europäischen Stahlwerks in Taranto, aber auch den Fortbestand des gesamten Stahlkonzerns Riva und seiner Zulieferer, als akut gefährdet an. Es heißt, inzwischen sei auch die Holdinggesellschaft der Familie erfasst, das könnte sich auch auf die drei deutschen Riva-Standorte auswirken. Trifft das zu?
Alain Creteur: Eine Gefahr für den Fortbestand der drei deutschen Riva-Gesellschaften gibt es absolut nicht. Das operative Geschäft in Hennigsdorf, Brandenburg und im hessischen Lampertheim läuft weiter – nicht nur momentan, sondern auch zukünftig.
 
Die Staatsanwaltschaft in Italien hat Aktien beschlagnahmt und versucht, insgesamt 8,1 Milliarden an Vermögenswerten der Familie Riva zu beschlagnahmen. Wollen Sie sagen, dass sich solche Vorgänge nicht auch auf die deutschen Standorte auswirken?
Creteur: Natürlich gibt es emotionale Rückwirkungen, wir und unsere Mitarbeiter sind emotional sehr berührt. Aber ich sage es noch einmal. Die deutschen Stahlwerke von Riva sind keiner Gefahr ausgesetzt. Und was immer in Italien passieren sollte, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das auf die deutschen Gesellschaften auswirken kann.
 
 Warum nicht?
 Creteur: Zum Glück gibt es kein Zugriffsrecht des italienischen Staates und seiner Behörden auf deutsche Gesellschaften.
 
 Die Aktien der Gesellschaften in Hennigsdorf und Brandenburg gehören aber der Riva-Holding, die von der jüngsten Milliardenbeschlagnahme betroffen ist.
 Creteur: Dabei handelt es sich aber immer noch um unabhängige GmbHs in einem anderen Land, nämlich Deutschland.
 
 Haben Sie persönlich noch Kontakt zu Ihrem Stiefvater Emilio Riva, seinen Söhnen oder anderen führenden Managern, die sich in Untersuchungshaft oder Hausarrest befinden?
Creteur: Nein, Emilio Riva steht unter Hausarrest und darf keinen Kontakt nach draußen haben, nur zu seinem Anwalt und seinem Arzt. Sein Sohn Daniele Riva darf ihn einmal pro Woche für zwei Stunden besuchen.
 
Wie kann das operative Geschäft ohne die Familie, die Spitze des Konzerns, laufen?

Creteur: Natürlich gibt es eine funktionierende Führungsebene und stehen wir in ständigem Kontakt zu den leitenden Managern wie Bruno Ferrante. Die operative Arbeit ist absolut möglich. Wir produzieren und wir tätigen Investitionen.
 
Was halten Sie von all den Vorwürfen gegen den Konzern?
Creteur: Die Tatsache, dass eine Beschlagnahme ohne Prozess versucht wird, lässt mich zweifeln, ob das Recht in einem Rechtsstaat noch Wert hat. Das ist selbst in Italien ein Präzedenzfall, dass Entscheidungen von solcher Tragweite fallen, ehe ein rechtmäßiger Gerichtsprozess überhaupt begonnen hat. Emilio Riva hat dabei nicht einmal die Möglichkeit, sich als freier Mann zu verteidigen oder auch mit den Medien zu sprechen.

Wie reagieren die italienischen Medien?
Creteur: Unterschiedlich. Der italienische Journalist Mariano Maugeri schreibt: „Das Werk (in Taranto, d. Red.) wird von Präfekten und staatlichen Managern geleitet, die von der Regierung benannt wurden. De facto eine Verstaatlichung, wie sie nur in totalitären Ländern möglich wäre. Nichts kann den Groll der Untersuchungsrichter beruhigen. Die Entscheidung ist getroffen. Ohne Prozess.“ So sehe ich das auch.

Was können Sie tun?
Creteur: Die einzige Möglichkeit ist zu warten und in den Werken weiter zu arbeiten. Anfang nächster Woche, am 10. und 11. Juni, werde ich unseren Beschäftigten auf Betriebsversammlungen in Brandenburg und in Hennigsdorf Informationen geben zu den Vorgängen in Italien. Dass das operative Geschäft normal läuft, sehen die Mitarbeiter daran, dass der Lohn weiter ausbezahlt wird.
 
Wie läuft das konjunkturelle Geschäft derzeit?
Creteur: 2013 ist ein hartes Jahr, schwieriger als 2012 und 2011. Der Markt für Qualitätsprodukte für die Autoindustrie ist um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen.
 
Und die Baubranche?
Creteur: Alle Länder in Europa haben für Infrastrukturinvestitionen die Bremse angezogen. Immerhin zieht der private Wohnungsbau in Deutschland etwas an.

Interview: Jürgen Lauterbach

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