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Brandenburg/Havel Glückwunsch zur Diamantenen – doch die Braut ist seit 15 Jahren fort
Lokales Brandenburg/Havel Glückwunsch zur Diamantenen – doch die Braut ist seit 15 Jahren fort
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13:39 15.08.2019
Hand in Hand flanieren Monika Fleischer und Hans-Jürgen Cichos gern auch durch die Hauptstraße der Havelstadt. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Der Brief von Brandenburgs Oberbürgermeister Steffen Scheller hat Hans-Jürgen Cichos mit seinen 83 Lebensjahren erst erstaunt und dann amüsiert.

Das Stadtoberhaupt gratuliert dem pensionierten Polizisten zur diamantenen Hochzeit. Der Schönheitsfehler dabei: Das Ehepaar hat sich schon vor 15 Jahren getrennt.

Die Worte, die der Oberbürgermeister in seinem Glückwunschschreiben auf schönstem Papier findet, bekommen vor diesem Hintergrund eine unfreiwillig sarkastische Note. „Seit 60 Jahren gehen Sie nun schon Hand in Hand durchs Leben“, formuliert der städtische Glückwunschautor.

Im besten Glauben

Der Oberbürgermeister schreibt sich im besten Glauben um Kopf und Kragen, wenn er von den vergangenen sechs Jahrzehnten als gute Zeit bezeichnet „mit vielen schönen Stunden und bestimmt auch manch schwieriger Situation“.

Aber woher sollen er und das Standesamt der Stadt auch wissen, dass Hans-Jürgen Cichos schon so lange „richterlich getrennt“ lebt von seiner Frau? Die Ehe ist schließlich nicht geschieden und den Status als Getrenntlebende erfährt die Verwaltung nicht.

Seit 15 Jahren nicht mehr gesehen

Der Jubilar ist beinahe gerührt zu lesen, dass das Stadtoberhaupt ihm „noch viele weitere Jahre des gemeinsamen Glücks“ wünscht. Ganz alte Schule, bedankt sich der pensionierte Beamte in einem freundlichen Antwortbrief für „die sicher gut gemeinten Glückwünsche“.

Folgendes lässt er den Oberbürgermeister wissen: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich die in Lübeck wohnende, dort gemeldete und von mir getrennt lebende diamantene Braut seit 15 Jahren nicht mehr gesehen habe.“

Frau fürs Leben

Ganz unpassend findet der Jubilar wider Willen die gut gemeinten Glückwünsche trotz allem nicht. Denn Hans-Jürgen Cichos kann man tatsächlich nur beglückwünschen. Er hat im fortgeschrittenen Alter die Frau fürs Leben gefunden und ist schon ziemlich lange überglücklich mit seiner sechs Jahre jüngeren Brandenburgerin Monika, der Witwe eines Brandenburger Dachdeckers.

Monika Fleischer ist der Grund, warum Hans-Jürgen Cichos vor rund zehn Jahren seinen damaligen Wohnort Rathenow verlassen hat und, wie er Steffen Scheller schreibt, „in Ihre und meine wunderschöne Stadt Brandenburg“ gezogen ist – an die Seite seiner Lebensgefährtin.

Wohlmeinender Nachbar

Die Trennung von der Ehefrau ist kein Thema mehr für den Mann, der sichtlich Freude hat an seinem Leben danach. Er erinnert sich noch gut daran, wie es war, als er noch in Rathenow wohnte und ein wohlmeinender Nachbar vor mehr als zehn Jahren heimlich Ausschau hielt nach einer neuen Frau für ihn.

In höchsten Tönen pries dieser Nachbar den verlassenen Ehemann. In einer Partnersuchanzeige, die er hinter dessen Rücken aufgegeben hatte.

Liebesgeschichte

„14 Briefe habe ich bekommen, Monikas war der vierte, den ich geöffnet habe“, erzählt Hans-Jürgen Cichos. Gegen die Betriebs- und Verkehrseisenbahnerin, die ihr Leben lang bei der Reichsbahn gearbeitet hat, waren alle anderen Bewerberinnen danach chancenlos.

„Daraus ist eine große Liebesgeschichte geworden“, versichert der Brandenburger aus Rathenow freudestrahlend. Sein Schwärmen kennt keine Grenzen, die verehrte Partnerin lächelt dazu und ist insgesamt etwas weniger schwärmerisch veranlagt.

Koch, Bäcker, Autofahrer

Das stört den Mann überhaupt nicht. Hans Jürgen Cichos: „Sie ist die Pragmatische von uns beiden“. Als solche weiß Monika Fleischer die Qualitäten ihres Partners als Koch, Kuchenbäcker, umsichtiger Autofahrer und natürlich als Lebenspartner sehr wohl zu schätzen.“

Bei aller Liebe, die Beziehung hat ihre eigenen Regeln. Dazu gehört, dass die Lebenspartner bis heute in ihrer jeweils eigenen Wohnung leben, also nicht zusammengezogen sind.

Getrenntes Frühstück

Sie frühstücken jeder für sich, nehmen das Mittagsmahl nur manchmal gemeinsam ein, verbringen aber sonst fast jede freie Minute miteinander. Und ungezählte Urlaube in West-, Süd- und Mitteleuropa. Auch in die Kirche gehen beide gemeinsam, obwohl sie katholisch und er evangelisch ist.

„Macht nichts, wird sind beide ökumenisch“, erklärt der Bräutigam, der zwar keine diamantene Hochzeit zu feiern hat, die Zukunftswünsche des Oberbürgermeisters am Ende des Briefes gleichwohl gern annimmt: „Gesundheit, hundert kleine Freuden, viele sonnige Tage, Humor, Elan und Lebensfreude“. Nur eben seit zehn Jahren mit der Neuen.

Von Jürgen Lauterbach

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