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Brandenburg/Havel Die geheimnisvollen Löwen von St. Gotthardt sind wieder da
Lokales Brandenburg/Havel Die geheimnisvollen Löwen von St. Gotthardt sind wieder da
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14:59 05.06.2019
Die restaurierten Löwen der St. Gotthardt Kirche wurden am Dienstag vorgestellt. Quelle: jast
Brandenburg/H

Fast könnte man wünschen, das Geheimnis der Löwen würde nie gelüftet. Zu viele Vermutungen und Geschichten ranken sich um die vier etwa 60 Zentimeter hohen Holzfiguren. Sie sind am Dienstagnachmittag heimgekehrt in die St.- Gotthardt-Kirche in der Brandenburger Altstadt, nachdem sie aufwendig restauriert worden sind.

Sagen und Legenden spinnen sich um den König der Tiere – den Löwen. In Sankt Gotthardt wird nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt, weil die vier schildtragenden Löwen wieder da sind.

Irgendwann waren sie da. Denkmalpflegerin Anja Heinecke glaubt noch an den Geheimgang, durch den sie sich eingeschlichen haben. Kirchmeisterin Bettina Damus hat in ihren Schätzen noch ein großformatiges Foto von 1895 gefunden. Es entstand also vor der großen Kirchen-Restaurierung von 1906/07, damals standen die Löwen noch nicht in der Kirche.

Anfang der 1960er-Jahre gab es eine nächste Schönheitskur, da standen die stolzen Tiere auf der Empore bis zum großen Orgelbrand 1972. Dann verschwanden sie im Seitenschiff mit allem möglichen Tand und teilweise geretteten Gemälden.

Nun wurden die stark verschmutzten Holzschnitzereien aus Eiche gereinigt und restauriert von den Berliner Experten Christl Janacek-Herschel und Toralf Herschel.

Um das Jahr 1600 entstanden

So viel ist klar: Entstanden sind die Figuren, die teilweise nur entfernt an Löwen erinnern, aber unglaublich fein mit ihren Lockenmähnen ausgearbeitet wurden, um das Jahr 1600 herum. Das passt irgendwie zur Kirche, der Altar stammt von 1559, die meisten Epitaphe zwischen 1570 und 1580.

Die Löwen sind aus einem Stück Eichenstamm geschnitzt, mitsamt Sockel und Schild, nichts wurde nachträglich angesetzt. Dazu wurden sie in einen in alle Richtungen drehbaren Holzrahmen gespannt, um sie überhaupt bearbeiten zu können, erläutert Toralf Herschel.

St. Gotthardt in der Altstadt

Die St. Gotthardt-Kirche ist die älteste Kirche in Brandenburg an der Havel. Einst war sie Pfarrkirche der politisch eigenständigen Alten Stadt Brandenburg.

Nach der Reformation hat die Kirche eine vollkommen neue Ausstattung bekommen. Damit gehört sie heute zu den bedeutenden Beispielen der frühreformatorischen Kunst.

Geöffnet ist die Kirche von Mai bis Oktober täglich von 11 bis 17 Uhr, sonntags nach der Gottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt. In den anderen Monaten gelten kürzere Zeiten.

Mehr über die Kirche und die Gemeinde im Internet unter www.gotthardtkirche.de

Seine Ehefrau Christl beschreibt die verschiedenen Farbschichten (Fassungen): Zuunterst in der Entstehungszeit fand sie neben einer Art Grundierung Spuren einer Silberschicht, die womöglich noch einmal mit einem gelben Lack überzogen war, der die Tiere in der Sonne golden glänzen ließ.

Darüber lag etwas jünger eine gold-bronzene Farbschicht und darüber als jüngste Fassung eine rote Schicht. Die nunmehr gereinigten Figuren sind eher dunkel und lediglich versiegelt, um sie zu schützen. Die vier Löwen tragen goldene Schilde, nur eines ist gestaltet, nämlich mit Klöppel, Hohl- und Flacheisen – möglicherweise das Zunftzeichen der Schreiner oder Holzschnitzer. Die anderen Schilde sind blank.

Womöglich aus dem Rathaus

Nun kann man da vieles hinein deuten. Anja Heinecke zieht Parallelen zu den Löwen als Wappentieren in England (Three Lions) oder in Hamburg oder Lübeck. Sie sieht in der Tatsache, dass die Könige der Tiere Wappen tragen, ein Aufwerten oder Verstärken derselben.

Gewagt ist ihre These, die Holztiere standen einst im Ratssaal des Altstädtischen Rathauses. Möglich aber auch, dass sie das Gestühl des Rates der Altstadt in der Gotthardtkirche zierten. Zwei der Löwen schauen über die rechte, die anderen beiden über die linke Schulter. Das spricht dafür, dass sie einst Treppenaufgänge oder auch Logen-Enden zierten.

Spenden haben geholfen

Rund 8000 Euro kostete das Sanieren. Das Geld stammt aus einer Privatspende des Brandenburger-Bank-Vorstandes Frank Robby Wallis, vom Lions-Club Brandenburg sowie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Zeitgleich mit den Löwen wurde auch ein restauriertes Gemälde präsentiert, das den gerechten und Gelehrten Hiob zeigt.

Von André Wirsing

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