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Brandenburg/Havel Die Symphoniker interpretieren Hamlet
Lokales Brandenburg/Havel Die Symphoniker interpretieren Hamlet
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17:39 26.03.2018
Peter Gülke und die Brandenburger Symphoniker nehmen die verdienten Ovationen entgegen. Quelle: Foto: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Auch nach 400 Jahren enthält Shakespeares Drama „Hamlet“ produktive Rätsel. Jede Aufführung ist nur eine Annäherung an diesen Rätsel-Komplex sein. Ein „durch und durch theaterbesessenes Stück“ hat der amerikanische Literaturwissenschaftler Harold Bloom das Werk genannt.

Schon deshalb will jeder Theatermensch von einigem Ehrgeiz es inszenieren, jeder Theatergänger es immer wieder sehen. Bevor man es im Februar im Brandenburger Theater in einer eigenwilligen und durchaus unterhaltsamen Interpretation des Berliner Monbijou-Theater als Menage á trois erleben kann, machten Chefdirigent Peter Gülke und die Brandenburger Symphoniker ihre Zuhörer im 4. Sinfoniekonzert mit einem Stück Musik bekannt, das die tragische und mörderische Story um den dänischen Kronprinzen Hamlet alles andere als puristisch in rund 15 Minuten erzählt.

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Wohldosierte Melange aus dramatischem und kantablem Ton

Joseph Joachim, der berühmte Violinvirtuose und Freund von Johannes Brahms, hat für seine Ouvertüre zum Shakespeare-Drama eine große Orchesterbesetzung, die eher als Sinfonische Dichtung daherkommt, bevorzugt. Man könnte meinen, den gesamten Theaterdonner des 19. Jahrhunderts lässt Joachim auf das Publikum akustisch niederfahren.

Es gibt aber auch zarte Passagen, vor allem am Ende, wenn die Trauer über die totale Ausweglosigkeit von Hoffnung und Leben nicht aufzuhalten ist. Joseph Joachim arbeitete mit einer wohldosierten Melange aus dramatischem und kantablem Ton. Dirigent und Musiker ließen keinen Zweifel aufkommen, dass Joachims Hamlet-Lesart mit einer dynamischen Extreme bewältigt werden muss. Dazu trug glücklicherweise die aufgestockte Streicherbesetzung mit ihrem vollen sinfonischen Klang bei.

Etwas zu üppig geriet danach die Wiedergabe der von Joseph Haydn in London komponierten Sinfonie Nr. 98 in B-Dur. Die Transparenz im Klangbild war nicht immer gegeben. Die Bläser hatten dadurch nicht die die Präsenz, wie sie ihnen zukommt, besonders im vierten Satz.

Allzu sehr wurde der gemütliche „Papa Haydn“ heraufbeschworen

Auch der tänzerische dritte Satz war von einer gewissen Schwerfälligkeit betroffen. Da wurde allzu sehr der gemütliche „Papa Haydn“ heraufbeschworen, obwohl er es gar nicht sein wollte. Der zweite Satz, ein Adagio cantabile, soll eine gefühlvoll-schöne Trauermusik auf den Tod seines Freundes Mozart im Jahr 1792 sein. Ganz klar ist dieser Gedanke von der Haydn-Forschung nicht formuliert. Gülke hat den Satz expressiv herausgestellt, ohne dass die formale Contenance verloren ging. Wie aus einem Guss gestaltete sich zum Konzertfinale die Interpretation des Doppelkonzerts a-Moll für Violine, Violoncello und Orchester op. 102 von Johannes Brahms, das er 1887 zur Versöhnung mit seinem Freund Joseph Joachim schrieb. Peter Gülke ist hierbei kein modisch affizierter Exeget und Sachwalter. Es zeigte sich an diesem Konzertabend, wie wenig eindeutig Brahms‘ Kompositionen sind und welche vielfältigen Differenzierungen möglich sind.

Von einem blähenden Klanghedonismus keine Spur, der Orchesterklang wurde weitgehend schlank gehalten, so dass die jungen Solistinnen Sarah Christian, Violine, und Konstanze von Gutzeit, Violoncello, sich bei den Symphonikern hörbar gut aufgehoben fühlten.

Beide lieferten eine beeindruckende Leistung. Ihr harmonisches Zusammenspiel, ihre Energie, ihre seiltänzerisch sichere Virtuosität und der Regenbogen an Klangfarben, den sie zu malen verstanden, begeisterten das Publikum.

Von Klaus Büstrin

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