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Brandenburg/Havel Die große Angst vor der Cholera erfasste Brandenburg im Jahre 1831
Lokales Brandenburg/Havel Die große Angst vor der Cholera erfasste Brandenburg im Jahre 1831
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12:11 08.01.2020
Die lithografische Ansichtskarte von 1899 zeigt Motive aus der Stadt Brandenburg: Rathenower Torturm, Dom, Katharinenkirche und Gymnasium am Katharinenkirchplatz. Quelle: Repro: Sammlung Hesse
Brandenburg/H

Die Angst war verdammt groß. „Kein politischer Feind überschritt die Grenzen unseres Vaterlandes; bald aber doch ein anderer, fast noch furchtbarer. Das war die Indische Brechruhr oder Cholera Morbus“, schrieb Stadtchronist Moritz Wilhelm Heffter 1840 in seiner „Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg“.

„Dies Scheusal, geboren in den sumpfigen Ebenen am Ganges in den Jahren 1815-17, verbreitete sich in kurzem über ganz Indien, ging 1821 nach Persien, überschritt 1823 die Russische Grenze und kam bereits damals bis Astrachan.

Im Sommer 1830 schon in Georgien

Nach einer Unterbrechung von etlichen Jahren erschien sie in noch heftigerem Grade im Juni und Juli 1829, ging im Sommer 1830 nach Georgien und Caucasien, übersprang den Caucasus und nistete sich im Europäischen Rußland ein.

Als nun in Folge der Polnischen Revolution der Russische Kaiser Truppen aus allen Gegenden seines Reiches zusammenzog, ward sie nach Polen hin verschleppt, ging zum Heer der Insurgenten über, nach Warschau, und von da überschritt sie, aller Vorsichtsmaaßregeln spottend, 1831 die Grenze des Preußischen Vaterlandes.

Im Spinnhaus Kranke behandelt

In der Zeit der Cholera-Epidemie 1831 befand sich das Brandenburger Krankenhaus am Bullenhof (Areal am Temnitz neben dem Paulikloster). In einem früheren Spinnhaus war es 1801 eingerichtet worden.

Doch reichte der Platz nicht, denn Brandenburg an der Havel wuchs mit der Industrialisierung enorm. Anfangs hatte das Krankenhaus 10 Betten, später waren es 24.

Auf dem Altstädtischen Stadthof ließ Oberbürgermeister Franz Ziegler von 1841 bis 1843 ein neues Krankenhaus errichten. Es ist der Anbau hinter dem Syndikatshaus. Als auch dort der Platz nicht mehr reichte, wurde das Syndikatshaus 1882 einbezogen.

In Syndikatshaus und Krankenhaus-Bau befinden sich heute die Fouqué-Bibliothek.

Das Versorgungsproblem wurde allerdings erst mit dem Neubau des deutlich größeren Städtischen Klinikums am Marienberg. Es wurde 1901 eröffnet.

Im Frühjahre war sie in Danzig, in Königsberg, in Posen. Mit Ende des Septembers brach sie in der Residenz selbst aus. Allgemein war der Schrecken in unserer Stadt.

Nach höherer Anordnung trat sofort auch hier eine Sanitätscommission zusammen. Sie fand das Gymnasialgebäude zu einem Lazarethe am geeignetsten; die Schule ward verlegt, Alles gehörig eingerichtet, Ärzte angenommen, eine besondere Apotheke angelegt.

Vorbote der Cholera

Überdem versorgte sich Jeder nach Möglichkeit mit den nothwendigsten Arzneien. So erwartete man den Feind. Man fürchtete um so mehr sein Erscheinen, weil in diesem und in den vorhergegangenen Jahren das Kalte Fieber hierselbst ungewöhnlich heftig geherrscht hatte, und das der Vorbote der Cholera zu sein pflegte.

Überdem folgte sie gern dem Lauf der Flüsse. Allein, obwohl die Krankheit in Potsdam, in einigen nahen Dörfern bei Brandenburg, in Rathenow, in Magdeburg ausbrach. Dennoch blieb unsere Stadt verschont und ist es auch im Jahre 1837 geblieben, wo das Ungeheuer noch ein Mal die Residenz heimsuchte und ärger denn vorher“, liest man bei Heffter.

Das Neustädtische Rathaus mit dem Roland und dem Marktplatz in Brandenburg an der Havel um das Jahr 1850. Quelle: Repro: Sammlung Hesse

Um Lazarett-Kapazitäten im Falle einer Cholera-Epidemie zu haben, wurden im Sommer 1831 nicht nur alle Klassen des Gymnasiums am Katharinenkirchplatz (heute Standesamt) geräumt. Man errichtete auch eine hohe Bretterwand um das gesamte Gebäude herum.

Die Knaben besuchten ab dem 6. September 1831 die Töchterschule am Paulikloster. Dieses Fachwerk-Gebäude stand von 1775 bis 1895 an der Stelle des heutigen Parkplatzes an der Neust. Heidestraße/Paulinerstraße.

Unterricht am Paradeplatz

Bei den Mädchen wurde der Unterricht für ein halbes Jahr unterbrochen. Im Oktober 1831 zog das Gymnasium in das Haus des Kaufmanns Krumwiede am Paradeplatz 656 (heute Hauptstraße 17 nahe des Bollmannsbrunnen - der Platz in der Hauptstraße diente als Paradeplatz). Im Frühjahr 1832 konnte das Gymnasium wieder seine Schule beziehen.

Auch die Bevölkerung wurde mit der Gefahr vertraut gemacht. „Der sonst so inhaltsleere ,Anzeiger’ fült sich mit ärztlichen Ratschlägen“, notiert Stadtchronist Otto Tschirch in seiner Brandenburg-Schrift von 1928. In der Tageszeitung las man „Schilderungen von Desinfektionsmitteln, mit Empfehlungen von ,Choleratabak’ (Mänteln, Kappen und Ärmeln)“.

Literatur aus Brandenburg/Havel

Moritz Wilhelm Heffter, „Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten“, Verlag von Ferdinand Riegel, Potsdam 1840, Seite 427/428; Heffter (1792-1873) war Königlicher Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg und Mitglied des Vereines für die Geschichte der Mark.

Otto Tschirch, „Geschichte der Chur- und Hauptstadt Brandenburg a. d. Havel“ – Festschrift zur Tausendjahrfeier der Stadt 1928/29. zwei Bände. Brandenburg/Havel 1928; Tschirch (1858-1941) war Lehrer, Historiker, Archivar und Stadtchronist.

Eine spezielle Sanitätskommission entsteht. Im geräumten Gymnasium bezieht sie Quartier, „wirbt eine größere Anzahl von Ärzten an und richtet im Nachbarhause eine eigene Apotheke ein“, schrieb Tschirch. Und: „Jetzt kann die Seuche.“ Aber sie kam nicht – jedenfalls nicht nach Brandenburg an der Havel. Während die Cholera in Potsdam, Rathenow, Magdeburg und manchen Dörfern der Region zuschlägt, macht sie um Brandenburg einen Bogen.

Straßenlaternen bleiben über Jahre aus

Dennoch hat die Sache in Brandenburg/Havel ein Nachspiel: „Die Kosten, welche durch jene Sicherheitsmaaßregeln der Stadt erwachsen waren, wurden dadurch erspart, daß man mehrere Jahre hindurch die Straßenbeleuchtung einstellte“, notiert Heffter 1840.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte laut Tschirch noch versucht, die Ausgaben der Sanitätskommission zu deckeln – was ihr wiederum die königliche Regierung übel nahm. Doch waren die Kosten am Ende dermaßen hoch, dass die Stadt noch über Jahre daran zu knabbern hatte. „Sie versank auf mehrere Jahre in Finsternis“, heißt es bei Tschirch, man hatte einfach kein Geld mehr für die Straßenbeleuchtung.

Von Heiko Hesse

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