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Brandenburg/Havel Die neuen Nachbarn
Lokales Brandenburg/Havel Die neuen Nachbarn
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19:23 24.01.2018
Das neue Wohnprojekt der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal entsteht in einem 50 Meter langen Riegel an der Krakauer Straße. Quelle: Kirsten Parmakerli
Brandenburg/H

Sie wollen gute Nachbarn sein. Mit diesem Credo haben sich Vertreter der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal bei den Bewohnern der Osthalbinsel am Dienstagabend im Sommerrefektorium des nahe gelegenen Doms vorgestellt.

Die Stiftung hat ein 2500 Quadratmeter großes Areal am Rande des lukrativen Wohngebietes von Projektentwickler Bernd Jansen erworben und errichtet hier einen dreigeschossigen Riegelbau von 50 Metern Länge mit knapp 3000 Quadratmetern Nutzfläche. In den beiden unteren Etagen sollen 26 Menschen in Wohnungen und Wohngruppen unterkommen, die bislang in einem Heim auf dem Areal der Asklepios Fachklinik wohnten. Sie sind teilweise geistig behindert und haben psychische Erkrankungen.

Im Vorfeld der Informationsveranstaltung hatten einige Anwohner mindestens einen Brief an die Stiftung geschrieben und darin Bedenken geäußert. Auch am Dienstag gab es zumindest Fragen, einige Anwohner haben sich gar von einem Anwalt begleiten lassen.

Geäußert wurden Bedenken wegen des zu erwartenden Mehrverkehrs auf der Osthalbinsel, die Zahl von zusätzlichen 80 Autos täglich stand im Raum. Tatsächlich können die Bewohner nicht Auto fahren, es seien lediglich vier Parkplätze für Mitarbeiter vorgesehen, wurde den Kritikern beschieden. Zweimal am Tag fahren zwei Kleinbusse vor, welche die Bewohner abholen und bringen, wenn sie tagsüber in Werkstätten arbeiten.

19.000 Mitarbeiter in der Bundesrepublik

Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ist eine der vier v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

Sie bündelt die Aktivitäten in der Region Berlin-Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Bundesweit gibt es 19.000 Mitarbeiter, davon 3000 in der Region Berlin-Brandenburg.

Zudem gibt es 1100 Schüler und Auszubildende in den Berufen der Heilerziehungs-, Kranken- und Altenpflege.

Die Betätigungsfelder reichen von der Sozial- und Krankenhilfe, dem Betreiben verschiedener Krankenhäuser, Altenpflege, Kindertagesstätten bis zur Hospizarbeit.

Ein Anwalt fragte nach den Emissionen des Hauses. Stiftungs-Geschäftsführer Martin Wulff: „Es sind normale Menschen, die meisten sind lieb und ruhig, vielleicht ist einer mal laut, es wird aber durchs geschlossene Fenster nicht zu hören sein.“ Flugs korrigierte sich der Fragesteller, er meine Verkehrsemissionen. Die Frage war allerdings schon beantwortet.

Anwohner Stefan Tiemann fragte, ob diese Art des Betreuten Wohnens die Maßstäbe für „höherwertiges Wohnen“ überhaupt erfülle, das bejahte Wulff. Ebenso die Tatsache, dass die frei vermietbaren 13 Wohnungen im zweiten Obergeschoss ebenfalls diesen Standard erfüllen werden. Erwin Deichsel interessierte sich für die Krankheiten der Bewohner und den Umfang der Betreuung. „Bezieht sich die Bezeichnung ,vollstationär’ auf einen Klinikaufenthalt oder bedeutet es nur eine Rund-um-die Uhr-Betreuung?“ Letzteres bejahte Chefarzt Hans-Beatus Straub von der Epilepsieklinik Bernau. „Es gibt hier keine Akut-Patienten und keinen Klinikbetrieb. Es sind Menschen, die einer Assistenz und einer festen Tagesstruktur bedürfen. Sie haben eine Lernbehinderung, eine geistige Behinderung in Kombination mit psychischen Erkrankungen, darunter Depression, Angststörung, Autismus oder Psychose.“

Eine junge Mutter fragt, ob sie sich Sorgen um ihre Kinder auf der Spielstraße machen müsse. „Wenn sie denken, ihre Kinder bekommen Angst vor unseren Bewohnern, kann ich sie beruhigen. Eher liegt der Fall umgekehrt. Unsere Patienten sind mir lieber als alle Stadtneurotiker“, sagt Straub.

Unterstützung bekam er von Silvana Jasiulek, sie ist Leiterin der Lebenshilfe-Wohnstätte für geistig behinderte Menschen in Nord. „Wir sind seit vier Jahren in das Wohngebiet in der Nikolaus-von-Halem-Straße gezogen und mussten auch Widerstände überwinden, haben die Nachbarn immer wieder eingeladen, zu unseren Veranstaltungen zu kommen. Heute rennen die Kinder unbefangen hinein und die meisten Erwachsenen trauen sich nicht. Ich lade sie herzlich ein, sich bei uns umzuschauen“, bot sie an.

Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal wolle mit ihren Einrichtungen und Diensten dezentral vertreten sein, in möglichst kleinen Einheiten, erläutert Stiftungschef Wulff. Es sei auch nichts Besonderes, in sehr gute Wohnlagen zu gehen, im Berliner Nobelquartier Alt-Stralau gebe es ähnliche Einrichtungen wie sie auf der Osthalbinsel geplant ist. „Wir sind da, wo das Leben spielt. So unterhalten wir auch in der Bernauer Straße in Berlin das Inklusionshotel ,Grenzfall’ und sind unserem Bio-Joghurt-Inklusionsbetrieb Lobetal zertifiziert.“

Es gehe bei der so genannten Enthospitalisierung darum, Menschen, die nicht akut medizinisch behandlungsbedürftig sind, ein Leben außerhalb des Klinikgeländes zu ermöglichen, auch wenn sie nicht alleine leben können. „Wo sollen denn die Menschen leben? Natürlich da, wo wir auch alle leben. Wir möchten integriert sein in die Gemeinde, in die Kirchengemeinde und in die Nachbarschaft.“

Von André Wirsing

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