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Brandenburg/Havel Not-OP für Spielzeugfrösche: Leonore Grosch baut Puppen und rettet altes Spielzeug
Lokales Brandenburg/Havel Not-OP für Spielzeugfrösche: Leonore Grosch baut Puppen und rettet altes Spielzeug
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14:01 03.05.2019
Die Brandenburgerin Leonore Grosch blickt in ihr Puppenhaus und betrachtet die Spielfiguren genauer. Quelle: André Großmann
Brandenburg/H

Sie rettet Frösche, verarztet Rotkäppchen und entwirft neue Schnitte für Ritterfiguren. Puppenbauerin Leonore Grosch lässt in ihrer 14 Quadratmeter großen Werkstatt durch Arbeiten mit Wolle, Seide und Leinen neue Welten entstehen.

Puppenbauerin Leonore Grosch rettet Spielzeugfrösche mit einer Not-Operation und gestaltet neue Puppen. Die Brandenburgerin kümmert sich um alte Spielsachen und will die Fantasie von Kindern und Erwachsenen anregen.

Dort liegt eine Drachenpuppe mit gesenktem Blick auf dem Wohnzimmerschrank, während ein Hippie-Mädchen mit Miniatur-Fahrrad durch das Fenster auf die Mühlentorstraße schaut. Zeitgleich spielen in einer Puppenvilla Kinderfiguren mit dem Hund.

Lebenslange Leidenschaft für Puppen

Puppen sind für die 37-Jährige ein fester Bestandteil ihres Lebens. „Ich mache das, weil ich es schön finde, dahinterstehe und nicht anders kann“, sagt die Brandenburgerin, die seit dem Kindesalter mit Puppen spielt. Ihre älteste Handpuppe Gretchen ist für Grosch ein Maskottchen und nicht mehr wegzudenken. Sie will individuelles Spielzeug erstellen, dass nicht im großen Stil vermarktet wird und durchdesignt ist.

Als Künstlerin möchte Grosch hinterfragen, welche Seele ihre Geschöpfe haben. Mit Abnähern verleiht sie einem Drachen eine drahtigere Gestalt, lässt das goldene Fell eines Bären durchschimmern und entwirft Ideen für einen Zahnfeen-Beutel

Not-OP für zwei Spielzeugfrösche

Die Brandenburgerin muss auch betagtes Spielzeug retten. So hilft sie zwei 14 Jahre alten Froschfiguren, bei denen durch die Abnutzung das Füllmaterial herausquillt. Jahrelang wurden die Figuren notdürftig mit Frotteestoff geflickt, bis dieser abbröselte.

Leonore Grosch sucht in einem Kaufhaus nach Materialien im gleichen Farbton und wird schließlich bei einem Handtuch fündig. Die Puppenbauerin skizziert den originalgetreuen Gesichtsausdruck der Frösche, der später aufgestickt werden soll. „Ich stelle mir einfach vor, dass man damit jemanden glücklich macht.

Mich freut es einfach, wenn altes Spielzeug verwendet und in Ehren gehalten wird“, sagt die 37-Jährige. Mit einer Textil-Restauratorin bespricht sie auch, wie alte Spielzeugfiguren gerettet werden können. „Das ist eine Welt für sich“, sagt Grosch der MAZ.

Bei neuen Biegepüppchen dient der Havelstädterin ein Drahtgestell als Grundgerüst für die Puppengestaltung. Hierüber wickelt Grosch Stoff und zieht ihn über Kopf, Hände und Füße. Für die Brandenburgerin steckt hinter jedem Spielzeug eine Geschichte. „Das ist auch die Besinnung auf das Besondere und der Mut, Spielsachen selbst herzustellen“, sagt die Puppenbauerin.

Leonore Grosch betont, dass sich Kinder über persönliche Produkte mit eigener Geschichte freuen. Deshalb modelliert die Brandenburgerin auch Figuren von ihren Kindern im Format 1:10. So sitzen ihr ältester Sohn Joseph und seine Spielgefährtin Elisa im bayerisch-schwäbischen Rettenberg vor dem Bergpanorama im Allgäu und erkunden Wanderwege.

Auch wenn Kritiker argumentieren, dass immer weniger Menschen mit Puppen spielen, ist der Beruf der Puppenbauerin für Leonore Grosch ein „Zeichen unserer Zeit“. Für sie entstehen durch die Arbeit mit den Spielfiguren auch „neue Formen der Kommunikation.“ Sie hofft, dass Spielzeuge nicht kurzlebig produziert werden und Kinder mehr Zeit haben, ihre Fantasie beim Spielen auszuleben.

Neue Bewohner in der Puppenvilla

Ein Leben ohne Spielzeug kann sich die Havelstädterin nur schwer vorstellen. In ihre Puppenvilla soll demnächst eine Biegepüppchenfamilie einziehen. Das Haus ist verputzt, hat Scheuerleisten und austauschbare Fußbodenbelege.

Leonore Grosch ist gespannt, ob ihre zwei Monate alte Tochter Luise ein Puppenfan wird und froh, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Nach ihrer Elternzeit möchte die Brandenburgerin wieder Kurse zum Puppenbau anbieten und träumt langfristig von einer Ausstellung. „Ideen habe ich für das Leben genug“, sagt die 37-Jährige und arbeitet an den nächsten Puppenskizzen.

Von André Großmann

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