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Brandenburg/Havel Warum ein Brandenburger mehr als 64.000 Zigarrenringe gesammelt hat
Lokales Brandenburg/Havel Warum ein Brandenburger mehr als 64.000 Zigarrenringe gesammelt hat
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10:02 30.03.2019
Der Brandenburger Günter Carben besitzt mehr als 64.300 Zigarrenbanderolen. Seine Sammlungsstücke klebte er über Jahre hinweg säuberlich in Fotoalben. Quelle: André Großmann
Brandenburg/H

Bilder der ersten Mondlandung, von Boxer Muhammad Ali und dem Gelehrten Leonardo da Vinci sind auf Günter Carbens Zigarrenringen zu sehen.

Der Brandenburger besitzt mehr als 64.300 Bauchbinden und tauschte Banderolen mit Menschen aus 42 Ländern. „Ich habe mit der ganzen Welt getauscht und nehme alles außer kaputte Schuhe und alte Schlüpfer“, sagt der 85-Jährige.

Der Brandenburger Günter Carben besitzt mehr als 64300 Zigarrenringe und tauschte mit Menschen aus 42 Ländern.

Begeisterung für Zigarrenringe

Dünne, dicke, schlichte und mit Gold verzierte Zigarrenringe gehören zu seiner Sammlung. Dabei gilt die Regel: Je kleiner die Banderole, desto billiger die Zigarre. An seinen Sammelstücken begeistert Günter Carben sowohl die Vielfalt der Verzierungen als auch die komprimierte Darstellung der Weltgeschichte.

„Ich sehe hier den kompletten Ablauf des napoleonischen Feldzugs, viele Blumenarten, große Herrscher, einfach alles. Das Internet gab es ja früher nicht“, sagt der Rentner.

Auch die Verzierungen seiner Banderolen faszinieren den Brandenburger. „Die Farbenpracht und das Gold sehen doch herrlich aus“, kommentiert der 85-Jährige und lächelt.

Der Ehrgeiz, die Sammlung zu vervollständigen

Wenn Carben bei einer 24-teiligen Serie zwei Zigarrenbauchbinden fehlen, will er die Reihe vervollständigen. „Da habe ich doch den Ehrgeiz, auch die Nummer 3 und 15 zu kriegen“, sagt der Brandenburger. Für ihn ist es wie eine Zeitreise, wenn er auf seinem Sofa im Wohnzimmer sitzt und in den Sammelalben blättert.

Wie viele Alben er insgesamt besitzt, weiß der Brandenburger zwar nicht, doch allein im Kellerschrank befinden sich mehr als 50 Ordner. Ein weiteres Dutzend stapelt sich im Wohnzimmer.

Gangster, Diktatoren, Rockstars

Bei seiner Lektüre erblickt Carben die Serie „Große Mannen und Tyrannen“. Dazu gehören Feldherr Hannibal, Diktator Stalin, Gangster Al Capone und die Rolling Stones.

„Das ist eine Wissenschaft für sich, wer kann so etwas nachweisen?“, sagt Carben und zeigt auf Gemälde spanischer Maler, französische Herrscher und ehemalige amerikanische Präsidenten wie John F. Kennedy.

Carbens Sammelleidenschaft begann im Jahr 1967. Der Brandenburger arbeitete als Metallurge im Stahlwerk und erhielt bei einem Gewerkschaftstreffen von Arbeitern aus den Niederlanden und Frankreich eine Kiste Zigarren geschenkt.

Die bunten Farben und Motive begeisterten auch seine Frau Hildegard. „Dann sagte sie, dass wir jetzt selbst sammeln“, kommentiert der Havelstädter.

Zur Geschichte des Zigarrenrings

Der Zigarrenring ist das Markenzeichen einer Zigarre und gibt Auskunft über die Marke und Serie einer Zigarre. Er wird häufig auch Bauchbinde oder Banderole genannt und hat seine Ursprünge vermutlich im 18. Jahrhundert. Damals soll sich Zarin Katharina die Große eine fingerbreite Seidenbinde gewünscht haben, die ihre Finger vor dem Tabakschmutz schützt.

Außerdem kam der holländische Händler Gustavo Bock ab dem Jahr 1850 auf die Idee, den Wiedererkennungswert der Marken mit individuell gestalteten Banderolen zu steigern. Die Bauchbinde wurde von Kolonialengländern in Indien getragen. Die Schärpe des Kleidungsstücks soll auch für die ursprünglich gängige Form von Zigarren mitverantwortlich gewesen sein.

Das Ehepaar fuhr schließlich gemeinsam auf Trödelmärkte und wurde kreativ. „So kam man unter Leute und das Feilschen um die Preise machte einfach Spaß“, kommentiert der 85-Jährige.

Denn um zu tauschen, handelte Carben auch mit Briefmarken und organisierte Sonderstempel, die er dann in Damenstrumpftüten verschickte. Auch deren Inhalt wurde anschließend zum Tauschobjekt. Zusätzlich häufte Carben alte Bügeleisen, Tischfeuerzeuge und Schubladenpapier an.

Brief aus der Dominikanischen Republik

1969 erreichte den Brandenburger über Tauschnetzwerke und mehrere Sammler ein Brief aus der Dominikanischen Republik. Er stammte von der karibischen Zigarrenmanufaktur „La Aurora“.

Obwohl beide Länder tausende Kilometer trennen, wurde Firmengründer Don Eduardo Léon Jimenes auf Carben aufmerksam. Denn Jimenes sammelte Briefmarken und der Brandenburger bot doppelte Exemplare zum Tausch gegen Banderolen an.

„Ich bin schon stolz auf das Erreichte, das kann nicht jeder von sich behaupten“, sagt Carben. Der Havelstädter war in mehreren Netzwerken aktiv, engagierte sich im Kulturbund und schaltete Zeitungsanzeigen, um sich mit Gleichgesinnten über ihr Hobby auszutauschen.

Post aus dem Westen

Obwohl Carben häufiger Post aus dem Westen erhielt, hatte er nach eigenen Angaben keine Angst vor der Stasi. „Auch Brandenburger Volkspolizisten tauschten mit, vielleicht haben sie mich beäugt, das weiß ich nicht. Ich war ein friedliebender Mensch“, sagt Carben.

Als Mitarbeiter des Stahlwerks erhielt er den Spitznamen „Der Singende Kranfahrer“. Denn der Brandenburger saß häufiger mit seinem Funkgerät im Kran und sang seine Anweisungen.

Zigarrenring zeigt das Altstädtische Rathaus

Andere Sammler von Zigarrenringen gab es in der Havelstadt kaum, betont Carben. Ein Liebhaber der Bauchbinden habe in der Wilhelm-Weitling-Straße gewohnt, sei aber bereits vor Jahren verstorben. „Einsam war ich trotzdem nie“, sagt Carben, dessen Heimatstadt auf einer Zigarrenbauchbinde verewigt ist.

Auch das Altstädtische Rathaus ist auf einem Zigarrenring der niederländischen Unternehmens "Derk de Vries" auf einer Banderole zu sehen. Quelle: André Großmann

Er traute seinen Augen kaum, als er die Zigarrenbaderolen der niederländischen Firma „Derk de Vries“ erblickte. Die Reihe zeigt Ansichten historischer Städte, bedacht wurde dabei auch das Altstädtische Rathaus mit dem Roland. „So klein ist die Welt“, sagt der 85-Jährige.

Mitte der Neunzigerjahre hörte der Rentner auf, aktiv zu sammeln. DDR-Briefmarken waren nach der Wende als Tauschwährung kaum noch gefragt. „Einmal muss mit allem Schluss sein. Ich habe aber viel erlebt und schöne Erinnerungen“, sagt der 85-Jährige, der mit Hingabe in seinen Sammleralben blättert.

Die Objekte will er später seiner Tochter vererben. Auch die Post von Tauschpartnern landet immer noch im Briefkasten des Brandenburgers. So erhielt Carben erst kurz vor Jahresbeginn einen Kalender aus Australien vom anderen Ende der Welt.

Von André Großmann

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