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Brandenburg/Havel Raus zu den Menschen
Lokales Brandenburg/Havel Raus zu den Menschen
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15:33 11.01.2019
Schülerin Ida Stache diskutiert mit dem Dechanten Wolfgang Huber über das Domstift. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Junge Menschen im Podium – das war die beste Entscheidung der Verantwortlichen für die jüngste Diskussion zur Stellung und Zukunft des Domstifts in der Stadt. Ida Stasche, Zwölftklässlerin am Domgymnasium, und Benjamin Engst, frisch promovierter Politikwissenschaftler, heizten den etablierten Politprofis wie Kulturministerin Martina Münch sowie Altbischof und Domdechant Wolfgang Huber richtig ein mit provokativen Thesen, die viele Gästen häufiger zum Kopfnicken verleiteten.

Ida Stasche, Schülerin der 12. Klasse des Evangelischen Domgymnasiums. Quelle: JACQUELINE STEINER

Vor allem Ida Stasche spart nicht mit Kritik, die sie fast beiläufig äußert. Etwa, dass junge Menschen auf solcherart Veranstaltungen nur über soziale Medien aufmerksam würden und niemand von ihnen auf die Idee käme, einen Flyer mitzunehmen. Dass sich die Kirche auch um Familien kümmern müsse, denen es nicht so gut gehe, die Gemeinden aber häufig aus Mitgliedern bestehen, die abgesichert sind. Dass die Gemeinden Sankt Katharinen und Sankt Gotthardt attraktiver für junge Menschen sind –dies sehe man bei den Weihnachtsgottesdiensten und Mitternachtsmessen der Jungen Gemeinde. Dass Umweltthemen auch Thema für die Kirche sind. „Der Pächter des Domstiftsguts Mötzow Heinrich Thiermann macht 20 Millionen Euro Umsatz, kauft immer mehr Flächen für die Monokultur Spargel auf. Das kann nicht gut sein“

Wolfgang Huber ist seit 1999 Dechant des Domstifts Brandenburg Quelle: JACQUELINE STEINER

Huber entgegnet, man müsse die Landwirtschaftsflächen des Domstifts bewirtschaften, weil mit den Pachteinnahmen die Kulturschätze erhalten und Schulen gegründet werden können. „Wir müssen hinnehmen. dass der Pächter eigenverantwortlich handelt, ohne erst den Dechanten oder den Kurator fragen zu müssen.“ Gleichwohl ermuntert der Bischof die Schülerin, sich mit Thiermann auseinanderzusetzen. Martina Münch sagt, dem Domstift könne es nicht egal sein, was auf den Gütern passiere, die Kirche habe eine Pflicht zur Bewahrung der Schöpfung. Schulleiter Winfried Overbeck kanzelt seine eigene Schülerin vor dem versammelten Publikum ab, lobt vielmehr Thiermanns Großherzigkeit, schließlich habe er der Schule einen Hektar Land für einen Weinberg gegeben.

Benjamin G. Engst ist Politikwissenschaftler am Sonderforschungsbereich zur Untersuchung der politischen Ökonomie an der Universität Mannheim Quelle: JACQUELINE STEINER

Benjamin Engst sieht ebenfalls Nachholbedarf. So gebe es beispielsweise Angebote für Kinder und Familien, hingegen kaum welche für Jugendliche. Er wirbt darum, dass im Domstiftsforst Seelensdorf wieder junge Menschen aus eher schwierigen Lebensverhältnissen ausgebildet werden. Zudem gebe es zwar zwei Hochschulen in der Stadt, aber keine einzige Studierendengemeinde. Das neu herzurichtende Gebäude Burghof 11 mit Möglichkeiten zum Übernachten und Tagen könne ein Ort des Austausches mit Nichtchristen werden, regt er an.

Großen Raum in der Diskussion nimmt die Frage ein, inwieweit der Glaube Privatsache sei. Die Schülerin pocht auf die Privatheit der Religion, schließlich sei der Staat ohnehin mit der Kirche verbunden, etwa weil er die Kirchensteuer eintreibt und neue öffentliche Amtsträger auf die Bibel schwören können.

Abschluss einer Vortragsreihe

Das Domstift Brandenburg hatte seit Januar 2018 gemeinsam mit dem Verein für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte zu einer zwölfteiligen Vortragsreihe eingeladen. Es ging um die jüngere Geschichte des Domstifts von 1810 bis 1948.

Experten referierten über die baulichen und ökonomischen Verhältnisse am Dam, über die Bedeutung des Adels (Ritterakademie), über die rechtliche Einordnung des Stifts und über ausgewählte Personen dieser Zeit.

Die abschließende Diskussion widmete sich dem Thema „Der Brandenburger Dom an der Schnittstelle von Staat und Kirche –neue Aufgaben im 21. Jahrhundert.

Die Vortragsreihe wird 2020 fortgesetzt und widmet sich der DDR-Zeit am Dom.

Martina Münch sagt, Staat und Kirche seien zwar getrennt, spiegelten aber einander, weil es hier wie dort ähnlich kontroverse Diskussionen gebe, etwa zum Umgang mit Flüchtlingen oder mit Homosexualität.

Martina Münch, Ministerin des Landes Brandenburg für Wissenschaft, Forschung und Kultur und Mitglied des Kuratoriums des Fördervereins Dom zu Brandenburg Quelle: JACQUELINE STEINER

„Der Glaube ist zwar privat, dennoch sollten wir mehr über ihn sprechen. Auch wenn sich 80 Prozent der Menschen hier nicht zu Kirche bekennen, spüren viele ein tiefes Bedürfnis nach Spiritualität. Da sind die beiden großen Kirchen nicht so präsent, wie sie es eigentlich sein sollten.“ Die Fähigkeit zum Dialog dürfe nicht verloren gehen, dieser sei aber beispielsweise in den sozialen Medien nicht möglich, sondern funktioniere nur von Angesicht zu Angesicht. Huber ist überzeugt davon, dass der Staat kein Monopol aufs Öffentliche habe, gleichwohl es die Kirche versäumt, Freude am Glauben zu verbreiten, dies gelänge beispielsweise den Evangelikalen in Afrika oder Amerika viel besser. „Wir müssen uns mehr der ,neutralen’ Bevölkerung zuwenden.“

DStephan-Andreas Casdorff, langjähriger Co-Chefredakteur und jetziger Mitherausgeber der Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“. Quelle: JACQUELINE STEINER

Moderator, Domherr und „Tagesspiegel“-Mitherausgeber Stephan-Andreas Casdorff resümiert am Ende, die lebhafte Diskussion habe eine lange Aufgabenliste für die Verantwortlichen des Domstifts generiert.

Den Rahmen hatte Kurator Cord-Georg mit einem Zitat des Theologen und Anhänger der Bekennenden Kirche Dietrich Bonhoeffer abgesteckt: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“

Von André Wirsing

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