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Brandenburg/Havel Das große Waldsterben: Bäume auf Fläche von 30 Fußballfeldern vertrocknet
Lokales Brandenburg/Havel Das große Waldsterben: Bäume auf Fläche von 30 Fußballfeldern vertrocknet
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18:34 30.07.2019
2500 Bäume sind durch Hitze und Trockenheit im Wald bei Görzke abgestorben. Sie mussten gefällt werden. Ein Transporter holt die Stämme aus dem Wald. Quelle: Marion von Imhoff
Görzke

In einem Wald bei Görzke sind auf zwei Hektar rund 2500 Fichten abgestorben. Sie sind vertrocknet, Schädlinge gaben den sterbenden Bäumen den Rest.

Das Forststück zeigt wie im Brennglas die Situation in ganz Deutschland: Auf 110.000 Hektar sind nach Angaben von Oberforstrat Jörg Dechow von der Oberförsterei Lehnin bundesweit Bäume durch Dürre, Hitze, Sturm und Insektenschäden abgestorben. Kahlfläche entstand. „Und Brandenburg ist ganz schwer betroffen.“

Allein im Bereich der Oberförsterei Lehnin mit ihren neun Revieren gibt es bereits rund 15 Hektar Kahlfläche. „Das entspricht Wald in der Größe von 30 Fußballfeldern, der schon abgestorben ist.“ Täglich treffen neue Schadensmeldungen ein.

Görzkes Revierförster Thomas Schmidt (l.) und Oberforstrat Jörg Dechow besichtigen den betroffenen zwei Hektar großen Wald. Wo bisher Bäume dicht an dicht standen, ist nun alles kahl. Quelle: Marion von Imhoff

Vom neuen Waldsterben ist mittlerweile die Rede. „Es kämpft jeder Baum und viele Bäume haben schon aufgegeben“, so Dechow. Über jeden Wald werde man sich künftig freuen. „Das kann ich mit Sicherheit sagen.“

„Rote Fackeln“ sind tote Bäume

Martin Hasselbach, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes Brandenburg mit 3500 Mitgliedern, bestätigt die düstere Prognose: „Die Trockenheit schlägt zu. Die Schäden sind massiv. Viele Waldbesitzer sagen, ihr Wald sehe gruselig aus. Das ganze Ausmaß der Katastrophe sehen wir in ein oder zwei Jahren.“

Auch der Brandenburger Stadtwald ist massiv betroffen: „Auf vier Hektar mussten wir Kahlschlag machen wegen der abgestorbenen Bäume“, sagt Stadtförster Thomas Meier. Etwa 550 Hektar Wald sind betroffen von Absterbe-Erscheinungen.“

Neben Kiefern und Fichten seien auch Laubbäume abgestorben. „Die Buche fällt massiv aus und auch die Eiche ist nicht vital.“ Das Absterben gehe quer durch alle Baumarten, so Meier. Noch vor zwei Jahren galt die Buche als der Baum, der dem Klimawandel trotzen könne.

Rechts die kahlgeschlagene Fläche, auf der die toten Bäume gefällt werden mussten, deren Stämme am Dienstag ein Transporter aus dem Wald bringt. Quelle: Marion von Imhoff

Dechow geht davon aus, dass die zwei Hektar Wald bei Görzke nur die Spitze des Eisbergs ist. Er hat mit dem Görzker Revierförster Thomas Schmidt am Dienstag die Schadensfläche besichtigt.

Obwohl die toten Bäume abgeholzt wurden, sind weitere abgestorbene Fichten und Kiefern zu sehen. „Da leuchtet wieder eine rote Fackel“, sagt Dechow und zeigt auf eine Kiefer, deren abgestorbene rostroten Nadeln weithin sichtbar sind.

Beängstigende Situation

„Da sieht man, wie dramatisch das Fortschreiten des Waldsterbens ist“, so der Oberförster. „Gerade haben wir das Totholz herausgeholt und schon sieht man die nächsten abgestorbenen Bäume, die in die Jagdgründe gehen. Wir laufen nur noch hinterher. Es ist beängstigend.“

Holzmarkt liegt am Boden

Kommt viel Holz gleichzeitig auf den Markt, fallen die Preise drastisch. So sieht derzeit die Lage am Holzmarkt aus.

Der Holzmarkt ist durch die Massen an Lieferungen voll „bis zum Anschlag. Wir haben bundesweit rund 33 Millionen Festmeter Schadholz, steigende Tendenz, so Oberförster Jörg Dechow. „Die Preise sind ganz unten.“

In manchen Bundesländern wird das Holz in Lagern bis 100.000 Festmetern nun eingelagert und immer wieder mit Wasser besprengt, um die Stämme in zwei Jahren zu vermarkten in der Hoffnung, dass sich der Preis erholt. „Die Firmen nehmen nichts mehr ab, die Lager sind randvoll.“

Für Wiederaufforstung erhalten Waldbesitzer Fördergelder oder Steuervergünstigungen.

Das Forststück bei Görzke ist eine frühere Weihnachtsbaumplantage, die rausgewachsen ist, berichtet Görzkes Revierförster Thomas Schmidt. „Die Fichte ist hier fast vollständig vernichtet.“ Eigentümer sei ein älteres Ehepaar aus Berlin, die über die Situation verzweifelt seien und verkaufen wollten, so Schmidt.

Klima wie in Südungarn

„Ich habe das Gefühl, dass wir gar nicht mehr wissen, wie wir darauf reagieren sollen und welche Ökosysteme noch stabil sind“, sagt Dechow. „Wer hätte schon gedacht, dass wir Temperaturen von 40 Grad erreichen in Deutschland. Kein Mensch!“ Brandenburg ähnele von seinem Klima nun Südungarn. „Was kommt noch auf uns zu: 45 Grad, acht oder zehn Wochen Trockenheit, noch weniger Regen?“

Laut Deutschem Wetterdienst fielen 2018 im Schnitt 390 Liter pro Quadratmeter Regen im Land Brandenburg. Der Durchschnitt zwischen 1981 und 2010 lag bei 577 Litern pro Quadratmetern. Das ist ein Rückgang um mehr als 30 Prozent.

Pflanzen von Mischwäldern

„Regen ist Elixier von allem Leben“, sagt Dechow. „Wasser ist das entscheidende Element, was wir brauchen.“ Die Gegenstrategie sei das Pflanzen möglichst vieler verschiedener Laubbäume, das Anlegen von Mischwäldern.

Er hält es jedoch für möglich, dass alle Gegenstrategien, um den Wald durch Nachpflanzungen zu retten, vergebens sind. „Es könnte sein, dass das zukünftige Waldsterben die Gegenmaßnahmen überholt.“

Von Marion von Imhoff

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