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Brandenburg/Havel Mehr als drei Jahre nach dem Mord: Was aus Andreeas Familie geworden ist
Lokales Brandenburg/Havel Mehr als drei Jahre nach dem Mord: Was aus Andreeas Familie geworden ist
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19:20 12.12.2018
Die Familie Olteanu hat sich in Hohenstücken eine bescheidene Existenz aufgebaut. In der Küche ist es schon eng für Marietta und Dainicel Olteanu mit ihren Enkeln Maria (13) und Alexandru (7). Die verstorbene Mutter ist immer anwesend. Quelle: Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H

 Die Mutter ist noch allgegenwärtig. An fast allen Wänden in der Wohnung der Familie Olteanu in Hohenstücken hängt ein Bild von Andreea Olteanu.

Dreieinhalb Jahre ist es her, dass ihr früherer Partner die junge Rumänin am 5. Juni 2015 vor dem Edeka-Markt in Nord auf offener Straße niedergestochen und getötet hat. 26 Jahre alt war die zweifache Mutter, die ihre beiden Kinder eine Woche später aus dem südosteuropäischen EU-Land nach Deutschland holen wollte.

Dreieinhalb Jahre nach dem Mord möchte die MAZ-Sterntaler-Weihnachtsaktion der Familie helfen, die für die Zukunft der Kinder des Opfers arbeitet. Andreea Olteanu war 2015 auf offener Straße in Brandenburg/Havel erstochen worden.

Maria (13) und Alexandru (7) leben inzwischen schon mehrere Jahre in Deutschland und gehen in Brandenburg zur Schule. Sie leben mit den Großeltern Marietta und Dainicel in Hohenstücken. Ihre Gedanken sind jeden Tag bei der Mutter, die auf so grausame Weise ums Leben gekommen ist.

„Unser Leben ist seit jenem Tag auf den Kopf gestellt, aber wir sind richtig hier angekommen“, versichert Marietta Olteanu (51). Für sie und ihren Mann Dainicel (54) ist klar, dass sie nicht vom deutschen Staat leben möchten, sondern den eigenen Lebensunterhalt verdienen.

Der Familiengroßvater tut alles dafür. Der gelernte Schneider und Friseur arbeitet fest angestellt auf dem Bau. „Ich habe auf der Brennabor-Baustelle mitgearbeitet“, erzählt er durchaus stolz.

Bescheidenes Leben

Der Verdienst reicht knapp zum bescheidenen Leben. Die Wohnung der Olteanus ist mit einfachen Mitteln ordentlich eingerichtet und sauber. Nicht zu übersehende Mängel versucht Dainicel Olteanu, mit handwerklichem Geschick zu beheben, so gut es geht.

So sehr sich die Olteanus bemühen, es fehlt doch an vielen Ecken und Enden. Am dringendsten müssen die Betten für die Kinder ersetzt werden. Marias Bett etwa ist inzwischen zu kurz. Auch einen kleinen Rechner für die Schularbeiten könnte die Ältere gut gebrauchen.

Die Großeltern äußern ansonsten keine Sterntaler-Wünsche, verstehen die weihnachtliche MAZ-Aktion auch nicht ganz, mit deren Hilfe bedürftige Familien ein eindrückliches Fest erleben sollen.

Spenden für MAZ-Sterntaler

Mit der Sterntaler-Aktion unterstützen MAZ-Leser Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Sie sollen ein Weihnachtsfest bekommen, an das sie gern zurückdenken.

Der DRK-Kreisverband Brandenburg führt das MAZ-Sterntaler-Spendenkonto seit vielen Jahren treuhänderisch und engagiert.

Bitte überweisen Sie Ihre Spenden auf das bei der Brandenburger Bank geführte Sterntaler-Spendenkonto mit der IBAN DE77 1606 2073 0100 0707 00.

Bei Spenden bis zu 200 Euro reichen der entsprechende Kontoauszug oder Einzahlungsbeleg zur Vorlage beim Finanzamt.

Wer mehr spendet, dem stellt der DRK-Kreisverband eine Quittung aus. Bitte geben Sie dafür als Spendenzweck „MAZ-Sterntaler“ an und nennen Sie Namen und Adresse.

Auch wenn sie noch Sprachprobleme haben und wenig Kontakt zu Deutschen, schließen die Brandenburger Rumänen eine Rückkehr in ihr Heimatland den Kindern zuliebe aus.

„Uns gefällt die Kultur in Deutschland, die Sauberkeit und Disziplin“, sagt Großmutter Marietta und fügt hinzu: „Die Kinder haben hier eine Zukunft.“

Ihr Heimatland, das sie in ihren Herzen tragen, finden sie „echt schlimm“. Das Stadt-Land-Gefälle sei sehr groß, viele Dörfer seien verkommen, es gebe keine Arbeit in Rumänien, den vielen Schwerreichen stünden eine um ein Vielfaches höhere Zahl an Bettelarmen gegenüber.

„Es tut mit leid um alle Kinder, die in Rumänien geblieben sind, denn dort haben sie nichts“, versichert die Großmutter. „Jeder, der kann, geht ins Ausland und arbeitet dort.“

Nadia Comănecis Heimatstadt

Nur wenn Marietta Olteanu an ihre Heimatstadt Onești denkt, hellt sich ihre Miene kurz auf. Dort ist auch die berühmte, sieben Jahre ältere Turnerin Nadia Comăneci aufgewachsen.

 „Ich habe sie nie kennengelernt, aber wir haben im gleichen Heim gewohnt“, erzählt Marietta Olteanu, die selbst kurze zeit Leistungsturnerin war. „Alle Kinder in unseren Wohnblocks haben damals Räder geschlagen, um ihr nachzueifern.“

Zu bestimmten Gelegenheiten reist die Familie in die alte Heimat, um der Tradition zu folgen. Vierzig Tage, ein halbes Jahr, ein Jahr und sieben Jahre nach dem Tod eines Angehörigen, in diesem Rhythmus ist es bei orthodoxen Christen in Rumänien üblich, diesem Menschen zu gedenken.

Trauer und Gedenken

Das Grab der Tochter Andrea, sei sehr schön gemacht, versichert deren Vater. Dorthin gehe man an den genannten Tagen mit der Familie und Freunden.

Anschließend treffen sich alle zum gemeinsamen Essen, eine Art Leichenschmaus, bei dem schöne Erinnerungen wach gerufen werden. Es gibt Koliva, ein Graupengericht.

Andreea Olteanu war Anfang 2015 zunächst nach Wismar gegangen, um als Putzkraft im Hotel eine finanzielle Grundlage zu schaffen. Sie sah aber bald keine andere Möglichkeit, als sich von ihrem psychisch kranken Partner zu trennen, mit dem das Leben eine Hölle gewesen sein muss.

Weißer Ring engagiert sich

Andreas Vater holte sie deshalb nach Brandenburg/Havel, sie verkaufte dort Obdachenlosen-Zeitungen. Die Kinder sollten nachkommen.

Doch der kranke Mann folgte Andrea an die Havel und tötete sie, ehe sie eine Zukunft für ihre Kinder aufbauen konnte. Der 32-Jährige erhängte sich mehrere Wochen nach der Bluttat in seiner Gefängniszelle.

Der Weiße Ring, der sich um Verbrechensopfer kümmert, hat die Olteanus in der Vergangenheit nicht im Stich gelassen. Die Brandenburger Außenstellenleiter Marina und Eberhard Paul wissen die MAZ-Sterntalerhilfe bei dieser Familie in guten Händen.

Von Jürgen Lauterbach

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