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Brandenburg/Havel Duncan Jones dreht in Kirchmöser
Lokales Brandenburg/Havel Duncan Jones dreht in Kirchmöser
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11:25 12.12.2016
Durchfahrt verboten: Die Seegartenbrücke zwischen Plaue und Kirchmöser ist derzeit wegen der Dreharbeiten gesperrt.
Durchfahrt verboten: Die Seegartenbrücke zwischen Plaue und Kirchmöser ist derzeit wegen der Dreharbeiten gesperrt. Quelle: Foto: Volkmar Maloszyk
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Brandenburg/H

Es ist überraschend warm an diesem Dezemberdonnerstag. Ruhe liegt über der Seegartenbrücke in Kirchmöser. Es ist ein außergewöhnlich schöner Anblick, sogar das melodische Klingen der vielen kleinen Eisschollen im Wasser ist zu hören. Kein Auto fährt in diesen Tagen über die Brücke. Sie ist gesperrt. Hollywood hat sich angekündigt.

Außer ein paar muskelbepackter Sicherheitsleute und einigen wenigen Kreativen von der Requisite ist aber nichts zu sehen von einem millionenschweren Filmvorhaben. Hätte man es nicht vorher in der Zeitung gelesen, man wüsste gar nicht, dass hier demnächst die letzten Szenen eines US-amerikanisch-deutschen Science-Fiction-Filmes gedreht werden.

Zwölf Jahre lang arbeitete der britische Regisseur Duncan Jones („Moon“, „Source Code“) mit Unterbrechungen an seinem Werk, das den Titel „Mute“ (dt.: stumm) trägt. Lange scheiterte es, weil die Finanzen ungeklärt waren. Jones ist der Sohn des im Januar verstorbenen Kultmusikers David Bowie. Durch seinen Vater lernte er als Kind Berlin kennen. „Ich freue mich sehr, für die Dreharbeiten nach Berlin zurückzukehren, eine Stadt, in der ich für eine gewisse Zeit als Kind gelebt habe“, sagt Jones.

Die Verbundenheit zu der Stadt schlägt sich in seinem Film nieder. Berlin ist Hauptschauplatz. Der Brite erzählt die Geschichte eines stummen Barkeepers, der deutschen Metropole des Jahres 2052 umherirrt, um seine große Liebe wiederzufinden. Das Berlin in dem Film ist düster, ein Moloch, niemand traut irgendjemandem.

Alexander Skarsgard. Quelle: imago

Hauptfigur Leo Beiler, gespielt von dem Schweden Alexander Skarsgard, macht sich dennoch auf die Suche und dringt dabei immer tiefer in den dunkeln Untergrund der Stadt ein. Eine Gruppe von amerikanischen Chirurgen kreuzt seinen Weg. Die Ärzte versprechen ihm eine Lösung für sein Problem. Schnell ist sich Leo aber nicht mehr sicher, ob er ihnen vertrauen kann.

Welche Szene in Kirchmöser gedreht wird, werden die Menschen wohl erst erfahren, wenn der Film über die Kinoleinwände flimmert. Die Herren von Requisite an diesem Donnerstagmittag hüllen sich jedenfalls in eisiges Schweigen und auch das Studio Babelsberg lässt keine detaillierten Informationen durchsickern.

Regisseur Duncan Jones. Quelle: imago

„Ich kann Ihnen bestätigen, dass es sich um die Studio-Babelsberg-Filmproduktion mit dem Titel Mute handelt. Weitere Auskünfte können wir Ihnen zu den Dreharbeiten nicht mitteilen“, sagt Studio-Sprecher Eike Wolf. Die interessanten Fragen bleiben unbeantwortet: Wann kommt der Regisseur? Wann kommen die Hauptdarsteller? Neben Skarsgard („True Blood“, „Tarzan“) sind das Paul Rudd („The First Avenger: Civil War“), Sam Rockwell („Moon“) und Justin Theroux („Girl on the Train“). Wie viel von Kirchmöser wird zu sehen sein? Kirchmöser goes Hollywood wäre natürlich sehr interessant. Danach sieht es am Donnerstagmittag aber erstmal nicht aus. Die Requisiteure sind gerade mit einer Bank beschäftigt. Sie wandeln eine auf Hochglanz polierte, sehr neue Stahlbank in ein Exemplar um, das seit 20 Jahren in Berlin-Neukölln stehen könnte: Kratzer, mit silbernem Edding gekritzelte Buchstaben, zahllose Aufkleber. Am Ende sieht sie verblüffend authentisch und gebraucht aus. Da sind echte Profis am Werk.

Die Dreharbeiten begannen Mitte Oktober. Neben Kirchmöser hat das Filmteam in den Potsdamer Traditionsstudios, in der Außenkulisse „Neue Berliner Straße“ und an Schauplätzen in Berlin gedreht. „Mute“ wäre die erste große internationale Produktion für das Traditionsstudio in diesem Jahr. An der Produktion ist der US-amerikanische Online-Streamingdienst Netflix beteiligt. Der Film soll zeitgleich auf dessen Internetportal und im Kino laufen.

Produzent des futuristischen Film Noirs ist Jones‘ langjähriger Geschäftspartner Stuart Fenegan mit Liberty Films. Charles J.D. Schlissel zeichnet als Ausführender Produzent verantwortlich, gemeinsam mit den Co-Produzenten Charlie Woebcken, Christoph Fisser und Henning Molfenter von Studio Babelsberg. Das Medienboard Berlin-Brandenburg fördert „Mute“ mit 200 000 Euro. Außer Skarsgard, Rudd und Theroux steht auch das deutsche Nachwuchstalent Seyneb Saleh („Die Lügen der Sieger“) für „Mute“ vor der Kamera. Ganz ohne Brandenburger können sich die Filmleute aber nicht auf ihre Arbeit konzentrieren. Der Busverkehr hat weiterhin freie Fahrt und auch Fußgänger können die Brücke weiterhin nutzen.

Von Annika Jensen