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Brandenburg/Havel Stadt prüft Durchfahrtsverbot für die Altstadt
Lokales Brandenburg/Havel Stadt prüft Durchfahrtsverbot für die Altstadt
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17:27 04.04.2019
Rings um den Altstädtischen Markt gibt es viel Verkehr, es ist eng und es ist laut.
Rings um den Altstädtischen Markt gibt es viel Verkehr, es ist eng und es ist laut. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Ein nächtliches Durchfahrtsverbot für die Altstadt wird die Stadtverwaltung prüfen, verspricht Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) den genervten Anwohnern. „Ich glaube, wir haben am ehesten eine Chance über die Immissionsschutz-Regelungen.“

Besonders der Abschnitt vom Rathenower Torturm über Parduin, Altstädtischer Markt, Plauer Straße bis zum Nicolaiplatz sei sehr stark vom Durchgangsverkehr betroffen. „Unsere Altstadt ist wunderschön geworden in den vergangenen Jahren. Aber das schöne Lebensgefühl wird dadurch getrübt, dass man den Eindruck hat, direkt an der Autobahn zu leben“, klagt Anwohner Günther Strehlau.

Die Altstadtbewohner sind lärmgeplagt vom Verkehr. Straßen des 18. Jahrhunderts müssen den Verkehr des 21. Jahrhunderts bewältigen. Ein kaum zu lösendes Problem

Er schlägt als kurzfristige –also schnell umzusetzende –Maßnahmen ein ganzes Bündel vor: Keine Durchfahrten mehr von Bussen mit dem Schild „Betriebsfahrt“, Tempobegrenzung auf zehn Stundenkilometer vor dem entstehenden Altenheim, Belassen der provisorischen Fußgängerampel an der Kreuzung Ritterstraße auch für die Zeit nach der Altenheim-Baustelle, Sperren des Durchgangsverkehrs ganztägig mittels Schildern sowie „Abklemmen“ des Bypasses vor den Geschäftshäusern am Nicolaiplatz.

Alles nicht so einfach. „Eine komplette Verkehrsberuhigung werden wir nicht durchsetzen können, dazu gibt es zu viele widerstreitende Interessen. Das kennen wir schon aus den Diskussionen um die Steinstraße“, sagt Verkehrsplaner Rolf Beyer.

Solche Verbote müssten auch durchsetzbar sein, das reine Aufstellen von Schildern genüge nicht, sei wirkungslos. Der Durchgangsverkehr werde wahrscheinlich abnehmen, wenn die Mühlentorstraße wie geplant zur reinen Fahrradstraße mit Ausnahmen lediglich für Anwohner umgewandelt werde. So steht es im Verkehrsentwicklungsplan.

Voraussetzung dafür aber ist der Bau der Verbindungsspange von der Gerostraße aus an der Oberschule Nord vorbei zur Willi-Sänger-Straße. Dann könnte der Verkehr vom Grillendamm, Ziegelstraße über diese Spange in Richtung Zentrumsring abgeleitet werden. Allerdings würde die Spange rund sechs Millionen Euro kosten, die im Moment noch keiner dafür hat“, sagt Tiefbauchef Peter Reck.

Die Anwohnerin und CDU-Stadtverordnete Birgit Didczuneit-Sandhop schlägt vor, vor dem Sorat-Hotel einen großen Poller aufzustellen, der nur von Rettungsdienst, Feuerwehr und Verkehrsbetrieben geöffnet werden kann, um den Durchgangsverkehr zu bremsen, dann bestünde die Hauptverkehrsachse aus zwei Sackgassen.

Diese würden nur von denjenigen benutzt, die in der Altstadt leben oder dort zu tun haben. Doch dieser Vorschlag dürfte trotz verwaltungsseitig zugesicherter Prüfung ebenfalls wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Die Probleme sind Erschütterungen und Lärm durch zu viel Verkehr. Zwischenzeitlich war von der Stadt erwogen worden, die historischen Pflasterbeläge schrittweise auszutauschen. „Wir haben die Straßen des 18. und den Verkehr des 21. Jahrhunderts“, resümiert Birgit Didczuneit-Sandhop.

Würden nun flächendeckend Asphalt-Fahrbahnen entstehen, geht das Tempo mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder rauf. Zudem hat die obere Denkmalschutzbehörde des Landes bereits ihr Veto eingelegt, sie besteht weiter auf Pflasterstraßen, sagt Scheller.

„Die Landesdenkmalpflege lehnt einen Belagwechsel ab.“ Ärgerlich ist auch eine andere Besonderheit der Altstadt: Vor allem die Wohnhäuser sind so gebaut, dass die Aufenthalts- und Schlafräume in den meisten Fällen zur Straße hin liegen, dagegen Flure, Bäder, Küchen und Abstellkammern zur ruhigeren Hofseite hin.

Um wenigstens den nächtlichen Straßenlärm einzudämmen, sucht die Verwaltung nun nach einer Möglichkeit, die Altstadt nachts zwischen 22 und 6 Uhr für den Durchgangsverkehr zu sperren. Auch geprüft wird das Belassen der provisorischen Fußgängerampel.

„Normalerweise darf es eine solche in einer Tempo-30-Zone gar nicht geben, da müssen schon spezielle Voraussetzungen gegeben sein“, sagt Reck. Man wolle nun schauen, ob man eine solche finde.

Von André Wirsing