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Brandenburg/Havel Ein Juwel unter den Chören
Lokales Brandenburg/Havel Ein Juwel unter den Chören
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16:31 12.11.2017
Der Brandenburger Motettenchor in der Gotthardtkirche.
Der Brandenburger Motettenchor in der Gotthardtkirche. Quelle: Jacqueline Steiner
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Brandenburg/H

Was das Singen im Allgemeinen und den Chorgesang im Speziellen betrifft, könnte man fast neidisch sein auf das 19. Jahrhundert. Schenkt man den Darstellungen aus dieser Zeit Glauben, haben sich zu fast jeder Gelegenheit musizierfreudige Kehlen zusammen gefunden für mehrstimmigen Gesang. Doch heutzutage? Wer singt noch? Doch es gibt sie, die Sangesfreudigen, die sich in Chören noch vereinen. Man muss sie gut hüten, pflegen und für sie werben, damit das weitgefächerte Repertoire des Chorgesangs nicht eines Tages verschwindet.

Ein Juwel unter den vokalen Klangkörpern der Region ist der Brandenburger Motettenchor, der seit nun zehn Jahren unter der Leitung von Stadtkantor Fred Litwinski singt. Frauen und Männer aus Brandenburg, der Umgebung und sogar aus Berlin treffen sich zwei Mal im Monat, um ein Konzert mit anspruchsvollen a-cappella-Werken zu erarbeiten, die in Brandenburg und anderswo jeweils im Herbst gesungen werden.

Ein Chor mit 40 Sängern

Kirchenmusiker Fred Litwinski hat vor zehn Jahren den Brandenburger Motettenchor gegründet. Ihm gehören rund 40 Männer und Frauen an. Jeden Herbst gibt der Chor Konzerte.

Schon vormerken können sich Liebhaber von Chormusik den 18. März 2018. An diesem Tag tritt der Motettenchor in der Katharinenkirche auf mit der Johannespassion.

Fred Litwinski wurde 1959 in Eberswalde geboren. Er studierte Kirchenmusik in Greifswald.

Für das diesjährige Konzertprogramm, das am Samstag in der sehr gut besuchten St. Gotthardtkirche vorgestellt wurde, wählte Litwinski Chorwerke der Barockzeit, der Romantik sowie des 20. Jahrhunderts. Mit der Auswahl gab es einen schönen Wechsel von Klangfarben, die der Jubilar stets flexibel darbot. Mit der kleinen beweglichen Motette „Venite, exultemus Domino“ des einstigen Schweriner Domkantors Winfried Petersen wurde das Konzert eröffnet.

Deren Wiedergabe war eine Hommage an den Orgellehrer Litwinskis an der Kirchenmusikschule Greifswald. Anschließend glänzten die Sänger in den Chorwerken von Georg Philipp Telemann, Johann Ludwig Bach und Theodor Christlieb Reinhold mit einem silbrigen Klang. Vom Tod, seiner Überwindung und tiefen Glaubenszuversicht erzählen die Werke der Barockzei, die mit Wendigkeit und Agilität gesungen wurden.

Höhepunkt des Jubiläumskonzerts

Als Höhepunkt des Jubiläumskonzerts gestaltete sich die Messe in G des süddeutschen Romantikers Joseph Gabriel Rheinberger. Kein pompöser Zug haftet der Musik an, sie leuchtet von innen. Und so hat sie Litwinski mit seinem Motettenchor auch interpretiert. Das Geheimnis des Glaubens bekam in berührender Weise Gestalt. In schlankem Klanggewand hat der Chor sich der Messe angenommen.

Die Durchsichtigkeit des Stimmengefüges ging aber nicht auf Kosten einer warmherzigen Wiedergabe. Die Ausdruckskraft des Messtextes sowie der Komposition haben Liwinski und der Motettenchor ganz wunderbar herausgearbeitet. Vor und nach der Rheinberger-Motette spielte Kantorin Suhyun Lim an der Schuke-Orgel die Choralbearbeitung „Von Gott will ich nicht lassen“ von Johann Sebastian Bach sowie das Präludium G-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy – stimmig und feinsinnig.

Chorsatz von Anne Kühne

Das 20. Jahrhundert wurde mit einem Chorsatz von Anne Kühne, die Mitglied des Chores ist, eröffnet. Sie wählte für ihre bildhaft eindrucksvolle und klanglich herbe Komposition, die sie selbst dirigierte, das mittelalterliche Gedicht „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“, ein Text das mit großem Symbolgehalt ausgestattet ist.

Benjamin Brittens von subtiler Schönheit getragene Vertonung des 70. Psalms „Eile, Gott, mich zu erretten“, John Rutters freudig klingender Chorsatz „Cantate Domino sowie die weitherzige Musik des Norwegers Ola Gjeilo, die in „Pulchra es“ und „Ubi caritas et amor“ so spannend zum Ausdruck kommt, beendete das facettenreiche Konzert, das viel Beifall erhielt.

Von Klaus Büstrin

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