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Brandenburg/Havel Er schuf die Grundlage für die Stadt- und Landeshistorie
Lokales Brandenburg/Havel Er schuf die Grundlage für die Stadt- und Landeshistorie
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19:14 03.02.2019
Über dem Eingang zum Ratssaal (Altstädtisches Rathaus Brandenburg an der Havel) findet man Reliefs, die Simon Roter (links) und Zacharias Garcaeus darstellen. Quelle: Heiko Hesse
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Brandenburg/H

Zacharias Gartz, der sich später Garcaeus nannte, machte in Brandenburg an der Havel in verschiedenen städtischen Ämtern Karriere und widmete sich nebenbei der Geschichtsschreibung. Er verfasste hier die „Successiones Familiarum et res gestae Illustrissimorum Marchiae Brandenburgensis“. Das war die „erste groß angelegte Geschichte der Mark Brandenburg“, existierte zunächst nur in verschiedenen Originalhand- schriften und wurde erst 1729 gedruckt.

Diese Chronik, das Lebenswerk des Autors, gilt bis heute in der Fachwelt als erstes grundlegendes Geschichtswerk für das Land und als unverzichtbare Quelle für die moderne Geschichtswissenschaft. Damit setzte sich der bedeutende Chronist sein eigenes Denkmal.

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Zacharias Gartz wurde wohl am 11. Januar 1544 in Pritzwalk geboren. Das Datum ergibt sich aus verschiedenen Überlieferungen und kann nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen werden, weil die einstigen Kirchenbücher von Pritzwalk im Dreißigjährigen Krieg verloren gingen.

Studium in Wittenberg

Er entstammte einer wohlhabenden Bürgerfamilie. Sein Vater fungierte in der Stadt als Bürgermeister, erzog seinen Sprössling im Sinne der seit 1539 im Kurfürstentum Brandenburg geltenden lutherischen Staatsreligion und ermöglichte ihm eine umfassende Bildung. Nach dem Besuch der heimischen Lateinschule und der Absolvierung der Stadtschule in Magdeburg studierte Gartz ab 1564 in Wittenberg.

Im Mittelpunkt standen neben Jura sowie Theologie auch Medizin und Astrologie. Dabei kam er in die Obhut von Caspar Peucer, der als Universitätsprofessor und Schwiegersohn Philipp Melanchthons mit seiner Gelehrsamkeit zum einflussreichsten Mann der Wittenberger Universität und Leibarzt des sächsischen Kurfürsten aufstieg.

Peucer war aber auch Philippist. So nannte man jene kompromissbereiten Lutheraner, die sich Philipp Melanchthon anschlossen und später als Kryptocalvinisten verfolgt wurden.

Die älteste Stadtansicht Brandenburg stammt aus dem Jahre 1582 – finden in einer Schrift von Zacharias Garcaeus. Quelle: Sammlung Hesse

Gartz orientierte sich an Peucers Humanismus und an dessen theologische Ausrichtung. 1571 wurde er mit seiner umfassenden Bildung nach Wittenberger Vermittlung zum Rektor der Lateinschule in Pritzwalk berufen. Er führte nun jene Schule, die er zuvor selbst besucht hatte, im lutherisch-philippistischen Geist und mit besonderer Orientierung auf eine humanistische Bildung.

1574 nahm er sich allerdings von seinem Pritzwalker Rektorenamt zum Zwecke der Weiterbildung eine Auszeit. Gartz kehrte zurück nach Wittenberg, betrieb weiterführende Studien und nahm ein Jahr später nach Abstimmung mit Pritzwalk die besser bezahlte Stelle eines Rektors der höheren Schule in Brandenburg an der Havel an. Hier machte er beruflich und privat Karriere.

Berühmte Familie

Der Schulrektor heiratete die Tochter des Bürgermeisters Andreas Schuller, eine Nichte des berühmten Gelehrten Georg Sabinus, der wie Peucer ebenfalls eine Tochter Melanchthons geheiratet hatte, als Universitäts-Professor sowie Kurfürstlicher Rat fungierte und als humanistischer Schriftsteller im Geiste Ovids dichtete.

Gartz, der sich nun im Gelehrtenstil der damaligen Zeit Garcaeus nannte, wurde von seinem Schwiegervater wegen seiner humanistischen sowie juristischen Vorbildung zum Stadtsyndikus sowie Stadtschreiber erhoben.

Schreiber am Schöppenstuhl

Dazu kam bald ein weiteres Amt. Er fungierte zusätzlich als Schreiber am Schöppenstuhl und begleitete in dieser Stellung maßgebliche Prozesse wie den gegen die Herren von Plaue.

Solchermaßen gehörte der Aufsteiger schnell zu den Hauptrepräsentanten der Stadt, machte als Magistratsmitglied die Bekanntschaft des Kurfürsten Johann Georg und befasste sich in der Folge immer tiefgründiger mit der Geschichte der Stadt Brandenburg, der Kurfürsten sowie der gesamten Mark Brandenburg. Das gedieh zur Leidenschaft.

Garcaeus erschloss zunächst alle ihm zugänglichen Quellen zur Stadt und zum Kurfürstentum, trug Wesentliches aus anderen Geschichtswerken zusammen und erweiterte seine Sammlung beständig mit neuen Quellen.

Bekannte Chroniken genutzt

Dabei nutzte er auch die Arbeiten solcher Autoren wie Engelbrecht Wusterwitz, Nikolaus von Klempzen sowie Valerius von Eickstedt und die schon vorhandenen Chroniken verschiedener märkischer Städte.

Er ordnete sein gesammeltes Material, systematisierte die Bestandteile entsprechend seiner Vorstellungen und schuf solchermaßen in mühevoller Kleinarbeit eine Geschichte des Landes Brandenburgs vom 10. Jahrhundert bis zu seinem Tod, der den Abbruch der Jahrhundertarbeit zur Folge hatte.

Zacharias Garcaeus, der mit dem frühen Tod seiner Kinder einige private Schicksalsschläge erlitten hatte, starb wohl auch durch die damit verbundene Seelenqualen am 9. März 1586 in Brandenburg an der Havel. Da war er gerade 42 Jahre alt.

Von Martin Stolzenau

Brandenburg/Havel Brandenburg an der Havel - Malend um die ganze Welt
03.02.2019
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