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Brandenburg/Havel Ein großes Buch für eine große Kirche
Lokales Brandenburg/Havel Ein großes Buch für eine große Kirche
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11:20 27.11.2018
Die Katharinenkirche ist im Jahre 1401 in der Neustadt Brandenburg errichtet worden.
Die Katharinenkirche ist im Jahre 1401 in der Neustadt Brandenburg errichtet worden. Quelle: Heiko Hesse
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Brandenburg/H

Die Heftchen zur Geschichte der Kirche, die man gerade besucht, sind gut und günstig. Sie gehen erklären die wesentlichen Entwicklungen und listen brav die entscheidenden Daten auf. Dazu gibt es ein paar bunte Bilder, und fertig. Da sie nur ein paar Euro kosten, machen sie sich prima als schnelle Info-Quelle und auch als Andenken.

Wer nun aber vor den alten Grabplatten steht, wer mehr über die Deckenmalereien wissen will oder den Baumeister dieses beeindruckenden Gotteshaus etwas näher kennen lernen möchte, braucht mehr Stoff. Für die die St. Katharinenkirche in der Brandenburger Neustadt bekommt man diesen nun.

Der Heilige Petrus mit dem Schlüssel - Darstellung im Chorgewölbe. Quelle: Heiko Hesse

Fritz Wochnik hat ein aufwendiges Werk über diese Kirche vorgelegt, das er im Untertitel eher bescheiden „Ein Beitrag zur Kirchengeschichte der Stadt Brandenburg an der Havel“ nennt. Auf 464 Seiten erfährt der interessierte Leser eine ganze Menge über diese und auch ein wenig die St. Gotthardtkirche.

Er kann in die Geschichte förmlich eintauchen und dank zahlreicher Anmerkungen Ansätze für weitere Recherchen entdecken. Doch Vorsicht: Dieses Werk ist kein Lesebuch, das man eben mal so bei einer Tasse Tee und Gebäck wegschmökert. Der Berliner Bebra-Verlag hat es in seine Wissenschafts-Reihe eingeordnet, und da gehört es auch hin.

464 Seiten, 80 Illustrationen

Fritz Wochnik, „Sankt Katharinen in der Neustadt Brandenburg – Ein Beitrag zur Kirchengeschichte der Stadt Brandenburg an der Havel“, ist 2018 im Bebra-Verlag erschienen.

Das umfangreiche Buch hat 464 Seiten und ist mit 80 schwarz-weißen Illustrationen gespickt.

Für 36 Euro ist es im Buchhandel zu beziehen.

Die Katharinenkirche kann man besichtigen: montags bis samstags von 11 bis 15 Uhr sonntags von 13 bis15 Uhr.

Das Werk ist eine ungeheure Fleißarbeit. Wochnik beschreibt das sakrale Gebäude Stück für Stück und sehr detailliert. Auch wenn viel über St. Katharinen publiziert worden ist: „Noch immer sind Fragen offen, können Vorgänge und Sachverhalte nicht eindeutig bestimmt werden“, notiert Wochnik im Vorwort. Er wolle Anregungen und einen Beitrag leisten, die Lücken wenigstens kleiner werden zu lassen. Dabei hat der Autor zahlreiche Archivalien eingesetzt, die bislang keine Beachtung gefunden haben.

Sehr umfangreich widmet sich Wochnik unter anderem den Gedenktafeln und Grabplatten, die in der 1401 errichteten Kirche die Jahrhunderte überdauert haben. 51 Tafeln hat er für die Kirche erfasst und ihren Inschriften wiedergegeben. Nun muss man nicht mehr in der Kirche stehen und mühsam versuchen, die Texte zu entziffern.

Die Heilige Hedwig auf dem ihr geweihten Altar in St. Katharinen. Quelle: Heiko Hesse

Im Chorscheitel zum Beispiel findet man das Epitaph für Daniel Krüger (1664-1740), die Inschrift ist gereimt: „Eines Bürgers unsrer Stadt, der das Ziel erlanget hat“. Am Ziel bedeutet, am Ziel des Lebens, aber an dessen Ende. Ob Daniel Krüger erreicht hatte, was er wollte, spielt dabei keine Rolle. Sehr praktisch: Das Buch liefert einen Grundriss der Kirche, in den die Standorte der Tafeln eingetragen ist.

Die wortgetreue Wiedergabe der Gedenkinschriften hat Wochnik auch für die Gotthardtkirche in das Buch gebracht. Zwar geht er nicht so detailliert auf das Gotteshaus in der Altstadt ein, aber er liefert so viel Material, dass man die Bedeutung der beiden Kirchen zueinander erkennen kann. Schließlich ist es selten, dass sich in einer Stadt dieser Größenordnung gleich mehrere bedeutende Pfarrkirchen befinden.

Kurzum: Wer einem Freund der Stadtgeschichte eine Freude machen möchte und noch kein Weihnachtsgeschenk gefunden hat, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Geschichtsfreunde, die es nicht auf dem Gabentisch finden, sollten es sich selbst kaufen. Es gehört in jedes Regal zu den anderen Schriften der Brandenburger Historie.

Von Heiko Hesse