Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Eine Künstlerin sucht das Wesentliche
Lokales Brandenburg/Havel Eine Künstlerin sucht das Wesentliche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:41 03.01.2017
Jeannette Goldmann in ihrem Atelier.
Brandenburg/H

„Ich hoffe, ich passe in keine Schublade“, sagt Jeannette Goldmann mit dem ihr eigenen verschmitzten Lächeln und dabei funkeln ihre Augen lebenslustig. Eine Lebenslust, die ansteckt und Grenzen sprengt. Die von Schubladen und von Begriffen. Ja, man könnte sie Malerin und Grafikerin nennen. Sie hat in Potsdam Malerei und Grafik in der Förderklasse von Wolfgang Liebert studiert. Vor allem aber ist die Frau, die gern über das Wesentliche nachdenkt, Künstlerin.

„Am Ende dieses Jahres gehe ich offiziell in Rente“, sagt die 64-jährige Freiberuflerin und findet: „Es ist irgendwann genug“.

Die Dozententätigkeit an der Wredow’schen Zeichenschule hat sie bereits aufgegeben. Bis auf eine Ausnahme an der Wusterwitzer Grundschule bietet sie Kurse nur noch privat an. „Mal kleine Projekte mit dem Museum oder so“, ja, das könne sie sich vorstellen. „Zeit haben, ist ein gutes Gefühl“, sagt sie.

Diese nutzt Jeannette Goldmann gerne, um ungestört arbeiten zu können. Denn genug von der Kunst hat sie ganz sicher nicht. „Es hört nicht auf“, sagt die gastfreundliche Frau, die im Strickpulli bei stimmungsvoller leiser Musik, einer Tasse Tee und selbst gebackenen Keksen auf der Patchwork-Couch aus Jeansflicken sitzt und erklärt, dass immer mehr Ideen hinzukommen. Pinsel und Farbe sind dann nur eine mögliche Wahl des Ausdrucksmittels. Nähen, Fotografieren, Gestalten von Collagen sind weitere Formen, derer sie sich bedient.

Oder Bananenblätter bekommen zum Beispiel eine neue Gestalt und werden mit Hilfe von Draht zu kleinen Geistern, die an der Eingangstür hängen und den Hausfrieden in dem kleinen Reihenhaus in der Parkstraße im Brandenburger Ortsteil Kirchmöser bewahren sollen.

Vom Keller bis zum Dach gibt es Kunst zu entdecken, meistens sind das Werke von Jeannette Goldmann, aber auch die von Künstlerkollegen. „Die Inspiration kommt oft von außen“, erklärt sie und meint damit Menschen, Werkzeuge oder Materialien.

Von der Brandenburger Modedesignerin Katrin Bendick habe sie Stoffreste bekommen. Die Muster, Farben und die unterschiedlichen Stoffarten faszinieren die Künstlerin. Im Keller, ihrem Archiv, hat sie begonnen die Stoffe zu mixen und neu zusammenzusetzen.

Aber auch das Aufräumen des eigenen Archivs bietet Ideen. Ein altes Gemälde? Das ließe sich übermalen. „Ich zerstöre gerne“, sagt sie lachend, deshalb entstehen auch oft Collagen. Ernster fügt sie hinzu: „Etwas wegnehmen, etwas darüber malen, das war eine elementare Erfahrung für mich“. Gelernt hat sie diese Herangehensweise von ihrem Lehrer Wolfgang Liebert. Mit Sandpapier Farbe runterkratzen, und plötzlich entsteht etwas Neues. Angst vor Regeln hat die fantasievolle Künstlerin nicht. „Ich versuche, dahinter zu schauen, es ist die Suche nach dem Wesentlichen.“

Das sei bei der Kunst wichtig, erklärt sie. Nicht, dass sie es gefunden habe, aber das Suchen danach. Solange ein Werk nicht signiert ist, kann es sich immer noch verändern. „Wenn ich es dann signiere, bin ich sicher.“

Etwas zu gestalten, gehörte schon immer zu ihrem Leben dazu. „Ich habe Vaters Gipsvorräte aufgebraucht und Mutters Nähkasten bemalt“, erinnert sie sich an die eigene Kindheit. Die Kunst wurde erst später ein Thema.

Die entsteht jetzt oft unterm Dach des Hauses. Man steigt zwei schmale Treppen bis ganz nach oben, verscheucht ungewollt den Mitbewohner, einen scheuen Hauskater, und dann eröffnet sich ein kleines feines Atelier, mit Staffelei, Schreibtisch, Plattenspieler und Bibliothek. Ein bodenlanges Fenster lässt Licht in den Raum, von wo aus man bis zum Wendsee blicken kann. An den Wänden Zeichnungen und Gemälde. Aus einem Schubfach holt die Künstlerin ein Skizzenbuch hervor, das sie oft benutzt, wenn sie unterwegs ist. Sie blättert darin, um einige der interessanten Entwürfe zu zeigen. Manchmal inspiriere sie aber auch Sprache. Sie greift ins Regal und zieht verschiedene Collagearbeiten heraus. Gedichte oder Prosastücke wie eines von Günter Kunert aus „Verspätete Monologe“ verarbeitet sie mit dieser Technik zu einem kleinen Buch oder Heft.

Für Freunde hat sie einen Foto-Kunst-Kalender entworfen. Sie geht auch dabei ungewöhnliche Wege. Ihre Art zu sehen, die Suche nach dem Wesentlichen wird darin wieder deutlich.

Überhaupt ist ein Gespräch mit ihr äußerst inspirierend. Egal, ob über das Leben, die Kultur oder die Kunst. Dafür und um die Werke selbst in Augenschein zu nehmen, ließe sich der Tag des offenen Ateliers im Mai gut nutzen, an dem die Künstlerin sich gern beteiligen würde. „Leider gibt es den in unserer Stadt nicht mehr“, bedauert sie diesen Zustand und überlegt, ob sie eventuell mit dem Landkreis kooperieren kann.

Von Ina Schidlowski

Die Arbeitslosigkeit ist in der Stadt Brandenburg an der Havel und den umliegenden Gemeinden im Dezember beinahe stabil geblieben, innerhalb der Stadtgrenzen sogar leicht gesunken. Die Arbeitslosenquote für den Altkreis gibt Arbeitsagenturleiterin Monika Obuch mit 8,9 Prozent an, das sind 1,2 Prozent weniger als vor einem Jahr.

03.01.2017

Was sie mit eigenen Augen sehen, ist der Traum aller Naturfreunde. Ein Rudel Rothirsche im Raps, ein Eisvogel an einem Wassergraben, ein Wolf im Hochwald. Antje und Thomas Wöhling präsentieren am Wochenende ihre neuen Naturfilme. Vier Stunden Spannung und Unterhaltung hat das Ehepaar aus Tucheim zusammengetragen.

03.01.2017

Keiner der beiden betrunkenen Männer im Auto will am Steuer gesessen haben, die in einen Verkehrsunfall am Montag kurz vor Mitternacht im Brandenburger Stadtteil Hohenstücken verwickelt waren. Der entstandene Schade immerhin ist beträchtlich: Gerammt wurden bei der Kollision eine Ampel und mehrere Verkehrsschilder.

03.01.2017