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Brandenburg/Havel Erste Weihnachtsmesse seit 35 Jahren
Lokales Brandenburg/Havel Erste Weihnachtsmesse seit 35 Jahren
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06:06 18.12.2018
Die sanierte Johanniskirche in der Dämmerung öffnet am heiligen Abend ihre Pforten. Quelle: Foto: Philip Rißling
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Brandenburg/H

Es wird kalt sein. Und sicher auch nicht wirklich gemütlich. Aber das war es vor 2000 Jahren in Bethlehem auch nicht. Insofern ist es gleichwohl gut und großartig, wenn am 24. Dezember um 15 Uhr die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde St. Johannis zur Christvesper in die Kirche am Johanniskirchplatz 1 einlädt.

35 Jahre ohne Weihnachtsmesse

35 lange Jahre hat es gedauert, bis am Heiligen Abend wieder Licht die Johanniskirche erhellen wird und die bekannten Weihnachtslieder erklingen werden. Der letzte Heiligabend-Gottesdienst in der Kirche am Salzhofufer wurde am 24. Dezember 1983 gefeiert. „Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir die Christvesper erstmalig wieder in der Johanniskirche feiern können“, sagt Pfarrer Malte Koopmann. Die Weihnachtsgeschichte, Lieder, ein echter Weihnachtsbaum mit echten Kerzen – all das sind die Zutaten für eine Vesper der besonderen Art.. Denn wer hätte vor 15 Jahren geglaubt, dass die im Krieg beschädigte und dann zusammen gebrochene Kirche im Herzen der Stadt wieder die Gläubigen zur Weihnacht rufen würde?

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Klappstuhl mitbringen!

Dass die Stadt Brandenburg, mit der ein Nutzungsvertrag über die Johanniskirche in der Sommerzeit besteht, nun auch den Gottesdienst am Heiligabend in der Kirche ermöglicht, freue die Gemeinde besonders, sagt Koopmann. Etwa 80 Mitglieder hat seine reformierte Gemeinde, die sich bis nach Bremen, Königswusterhausen und Potsdam ausdehnt, deren Gross aber aus der Stadt Brandenburg kommt. Gleichwohl erwartet der Pfarrer am Heiligen Abend weit mehr Besucher in der Kirche. Etwa 200 Stühle werde man zusammentragen, erzählt er. Wer auf Nummer sicher gehen wolle, solle selbst eine Klappstuhl mitbringen, rät er. Die Kirche ist ungeheizt, daher empfiehlt sich dicke Winterkleidung. Und er verspreche: „Die Predigt wird kurz!“

Zeichen des Aufschwungs

Wenn es eines sichtbaren Beweises dafür bedurfte, was die Bundesgartenschau 2015 der Stadt Brandenburg sehr viel gebracht hat, genügt auch 2018 noch ein Blick auf diese Kirche, die Jahrzehntelang als Ruine im Herzen der Stadt stand. Mit der Entscheidung, die Buga an die Havel zu holen, erwachte die mit einem Flachdach notdürftig geschützte Ruine unter den Händen der Architekten des Büros von Achim Krekeler zu neuem Leben.

Seit dem 13. Jahrhundert gehört der als Franziskanerkloster errichteten Sakralbaus zur Stadt. Doch erst, als 2011 begonnen wurde, das Kirchenschiff mit einer Stahlkonstruktion stabilisieren, erkannten die Brandenburger nach und nach, welch Schatz dort im Weltkrieg zerstört worden war.

Warmes Licht strahlt

Als das gotische Dach in 60-Grad-Neigung aufgesetzt wurde und mit dem neuen Westgiebel aus Stahl und Glas ein modernes Gesicht bekam, wuchs die Freude. Als im Buga-Jahr dann erstmals das warme Licht der Lampen wieder durch die Scheiben nach draußen drang, schlossen viele Brandenburger die vergessene Kirche wieder in ihr Herz. Heute ist der Johanniskirchplatz im Schatten der Kirche mit seinen zauberhaften Häusern und dem Loriot-Denkmal einer der schönsten Orte der Stadt.

Viele Nutzungen

Auch wenn die Kirche, die inzwischen der Stadt gehört, heute als Treffpunkt, Kulturort, Veranstaltungsstätte und Kirchenraum dient – die Christvesper am kommenden Montag ist ein schönes Zeichen für all das, was in den zurückliegenden fast 30 Jahren in der Stadt passiert ist.

INFO Montag, Heiligabend, 24. Dezember um 15 Uhr Christvesper der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde St. Johannis in die Kirche am Johanniskirchplatz 1

Von Benno Rougk

17.12.2018
17.12.2018
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