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Brandenburg/Havel Es brodelt, brennt und explodiert: Bilder von Emil Spiess in der Kunsthalle Brennabor
Lokales Brandenburg/Havel Es brodelt, brennt und explodiert: Bilder von Emil Spiess in der Kunsthalle Brennabor
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13:25 27.05.2019
Ausschnitt aus dem Bild „Bau der Jahrtausendbrücke“, Emil Spiess, Öl auf Hartfaserplatte 1996. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

„Wenn ich male, stehe ich unter Dampf. Mit den Jahren kann ich sagen, das ist physisch und psychisch eine schwere Arbeit.“ Mit diesem Satz des Künstlers Emil Spiess werden die Besucher der Ausstellung „Emil Spiess- Ein Leben für die Kunst“ begrüßt. Es ist ein Satz, der im Raum zu schweben scheint, der geatmet wird von den kraftvoll dynamischen Bildern des vor 10 Jahren verstorbenen Künstlers.

Die Vernissage kam einem gesellschaftlichen Großereignis gleich. Mehr als 240 Gäste drängten sich in den Räumen der Kunsthalle Brennabor. Emil Spiess war kein Künstler, der die Einsamkeit suchte.

Er stürzte sich gerne ins Getümmel, stellte dort seine Staffelei auf und zückte den Pinsel. Er hat die Energie seiner Umgebung aufgesogen und hochkonzentriert auf die Leinwand gebracht. So beschreibt die Kunstwissenschaftlerin Uta Lehnert den Maler in ihrer Laudatio.

„Ein Leben für die Kunst“: Die Ausstellung mit Arbeiten des Brandenburger Künstlers Emil Spiess ist in der Kunsthalle Brennabor zu sehen.

Und genau so können es viele der anwesenden Gäste bestätigen. Man kennt ihn, den Emil Spiess und man hat ihn Zuhause. „Als wir geheiratet haben, konnten wir uns eigentlich kein Bild von ihm leisten“, sagt Katrin Mischker.

Bekommen haben sie es dennoch. Ein Blumenbild in zarten Farben. „Mit Ratenvertrag“, sagt sie und lacht. „Wir haben Emil monatlich 200 Mark vorbei gebracht und wurden jedes Mal herzlich zum Kaffee eingeladen. Den Großteil des Geldes gab er seiner Frau. Zehn Mark behielt er und lud damit meinen Mann auf ein Bierchen ein.“

Oder die Juristin, eine Kunstliebhaberin, die ihr gesamtes erstes Gehalt in ein Bild von Emil Spiess umsetzte.

„Meine Lieblingsfarbe ist bunt“

Und auch Uta Lehnert kann eine Geschichte erzählen. Davon, wie sie zu der Kunst des Emil Spiess kam: „Man hat mich gewarnt vor seinen Bildern.“ Bevor sie die Galerie an der Ostsee betrat, in der er vor vielen Jahren ausstellte. Dort mochte man lieber hübsche Landschaftsaquarelle. Uta Lehnert jedoch liebte diese nicht. „Meine Lieblingsfarbe ist bunt“, sagt die Kunstwissenschaftlerin und hat in der damaligen Ausstellung ihren ersten Emil Spiess gekauft.

Die Bilder in der Brennabor-Kunsthalle sind chronologisch gehängt. Dadurch bekommt der Besucher einen wunderbaren Einblick in die Entwicklung des Künstlers. Der junge Mann, der sich für die Bewerbung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden auf sein selbstgebautes Rennrad setzte und von Leipzig bis nach Dresden radelte und völlig erschöpft seine Kunstmappe dem Prorektor zeigte, bekam umgehend die knappe Antwort: „Angenommen“.

So sind die ersten wenigen Bilder noch geprägt von der strengen, soliden Ausbildung und den handwerklichen Grundlagen. Dem Temperament des Künstlers entsprechen sie jedoch nicht. Kaum zu glauben, dass das Emil Spiess sein soll.

Mutige Pinselstriche mit Dynamik

Ganz anders dagegen, alle anderen Werke. Mit dicken mutigen und sehr dynamischen Pinselstrichen bannt er das pralle Leben auf die Leinwand. „Radrennen“ (1968, Öl auf Leinwand) ist eine Farbexplosion. Die Geschwindigkeit der Rennfahrer, die Anspannung des Wettkampfes, der Jubel der Zuschauer, all das wird lebendig, atmet aus dem Bild.

Emil Spiess war als Friedensfahrt-Maler bekannt. „Man nannte ihn auch gerne den Pisten-Picasso“, sagt Uta Lehnert. Er benutzt mutige, kräftige Farben und setzt bewusst Komplementärfarben gegeneinander.

Er brauchte die Wut zum Malen

Ebenso spannungsgeladen wirkt beispielsweise „Auf großer Fahrt“ (1974, Öl

Auf großer Fahrt, Emil Spiess, Öl auf Hartfaserplatte 1974. Quelle: Rüdiger Böhme

auf Hartfaserplatte). „Es war ein fürchterlicher Sturm und eisig kalt“, weiß Monika Spiess zu berichten. Das Schiff in Schräglage kämpft sich durch ein wütendes Meer. „Er war dann auch richtig wütend, aber genau das brauchte er.“

Seine Frau, die kleine zierliche Bildhauerin, ist an diesem Abend in den Menschenmengen kaum zu sehen. Doch immer wieder wird sie herzlich begrüßt, gedrückt und beglückwünscht. Und das zurecht. Hat sie doch gemeinsam mit ihren Söhnen und einem begeisterten und hartnäckig drängenden Christian Kneisel eine Ausstellung möglich gemacht, die in der Havelstadt Brandenburg längst fällig war.

Auch die Auftragsbilder aus DDR-Zeiten zeugen von perfektem Handwerk

Natürlich sind auch Stimmen zu hören, die den typischen Auftragsbildern aus DDR-Zeiten nichts abgewinnen können. Man muss sie nicht mögen. Aber man kann sie als Zeitdokument und als Kunstwerk schätzen. Denn auch in diesen Bildern wird das Können des Künstlers deutlich.

Besucher der Ausstellung „Ein Leben für die Kunst" mit Arbeiten des Brandenburger Künstlers Emil Spiess in der Brennabor-Kunsthalle. Quelle: Rüdiger Böhme

In all seiner groben Pinselführung lassen sich Bildkomposition und feinste Details erkennen. Es macht Freude, immer wieder dicht vor ein Bild zu treten und es anschließend aus der Ferne zu betrachten.

Einig sind sich fast alle Besucher der Vernissage beim Alterswerk des Künstlers. Es sind großartige Bilder. Seine Arbeiten werden expressiver. Er stürzt sich in Farbräusche, lässt Häuser kippen, Formen zersplittern. Emil Spiess bleibt neugierig. Er benutzt die Technik des Sprayen. Und er sagt: „Ich male nicht, was ich weiß, ich male, was ich sehe.“ Wunderbar, daran teilhaben zu dürfen.

Die Ausstellung „Emil SpiessEin Leben für die Kunst“ in der Kunsthalle Brennabor ist bis Freitag, 5. Juli, 2019 zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis sonntags, jeweils von 13 Uhr bis 18 Uhr. Die Kunsthalle Brennabor ist in der Geschwister-Scholl-Straße 10-13 in 14776 Brandenburg an der Havel. (03381/58 70 70)

Von Ina Schidlowski

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