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Brandenburg/Havel Ex-Pankow-Sänger André Herzberg zu Gast
Lokales Brandenburg/Havel Ex-Pankow-Sänger André Herzberg zu Gast
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14:35 21.11.2017
André Herzberg bei seinem Auftritt im Interkulturellen Zentrum. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Die Geschichte der Bundesrepublik des vergangenen Jahrhunderts ist eine wechselvolle. Der Musiker und Autor André Herzberg machte dies am Montagabend in der musikalischen Lesung seines Romans „Alle Nähe fern“ anhand der Geschichte einer jüdischen Familie deutlich. Dazu war er ins Interkulturelle Zentrum „Gertrud von Saldern“ am Gotthardtkirchplatz gekommen. Der autobiografische Roman handelt von der Geschichte der drei Familiengenerationen und umfasst einen zeitlichen Rahmen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die etwa 50 Gäste hörten den Anfang des Romans und ausgerechnet das Ende. „Dann brauchen Sie das Buch nicht mehr zu kaufen“, sagte Herzberg augenzwinkernd.

Die Buchlesung begann mit der jüngsten Erinnerung des Protagonisten des Buches: „Ich, Jakob Zimmermann, bin die Mitte“. Gemeint ist die Versammlung der Familie des Helden, an der auch verstorbene Ahnen teilnehmen, und sich im Moment der Beschneidung über ihn beugen. Es handelt sich um eine Traumszene, in der sämtliche Familienmitglieder vorgestellt werden. Diese Erinnerungen, aus denen sich die einzelnen Erzählsplitter des Romans speisen, berichten von der Aufstiegsgeschichte einer Familie, die mit der Machtergreifung der Faschisten im Jahr 1933 endet. Es folgen Exil, Auswanderung und Rückkehr.

André Herzberg liest aus seinem neuen Roman. Quelle: Tobias Wagner

Herzberg wurde am 28. Dezember 1955 als jüngster Sohn einer Familie jüdischer Herkunft in Ostberlin geboren. Das Schicksal seiner Familie in Ostdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Autor bereits 2004 im Tagebuchroman „Mosaik“ literarisch thematisiert. „Denn ich weiß, wer wir sind, und wer wir waren“, sagt Herzberg. „All das habe ich niedergeschrieben, um besser leben zu können“. Denn nach dem Fall der Mauer stürzte Herzberg in eine tiefe Depression. Aus dieser existenziellen Krise habe ihn schlussendlich die Rückbesinnung auf die eigene Herkunft geholt. Dass es sich beim Roman „Alle Nähe fern“ um ein wichtiges Ergebnis seines Kampfes um eine Rückkehr ins Leben handelt, macht Herzberg an verschiedenen Stellen deutlich.

Ruhm durch die Karrire als Frontmann von Pankow

Herzberg wurde vor allem mit seiner Karriere als Musiker berühmt. Er war Frontmann der 1981 in der DDR gegründeten Band „Pankow“, die für ihren kritischen und provozierenden Unterton bekannt war. Und in den Genuss seiner Musik kamen die Gäste der Buchlesung ebenfalls. In mehr als zehn selbstverfassten Liedern, welche die Lesung einrahmten, sang Herzberg über Liebe, Konformität, Tohuwabohu und das Leben. Dazu spielte er Gitarre und Mundharmonika. Das kam so gut beim Publikum an, dass dieses zum Ende der Lesung gar eine Zugabe forderte und in den Refrain einstimmte.

Gespräche mit den Gästen

Nach Abschluss der Veranstaltung vertiefte sich Herzberg noch in Gespräche mit den Gästen und signierte Bücher, die vor Ort zu erwerben waren. Abnehmer gab es durchaus, trotz des offengelegten Endes des Romans während der Lesung. Denn Herzberg hatte es geschafft, Lust zu machen auf das, was zwischen dem Anfang und dem Ende der Geschichte liegt. Für 2018 hat Herzberg eine Fortsetzung zu seinem Roman „Alle Nähe fern“ geplant. „Die Story wird davon handeln, was aus den Familienmitgliedern geworden ist“, sagt der Musiker und Autor, Gerne werde ich nach Brandenburg zurückkehren um eine Lesung abzuhalten“.

Interessierte konnten in den Räumen des Interkulturellen Zentrums außerdem die Fotoausstellung „Was aus ihnen geworden ist“ besuchen. Auf insgesamt neun Porträts zeigte die Fotokünstlerin Janett Kofke Flüchtlinge, die an den Sprachkursen der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft auf dem Gotthardtkirchplatz teilgenommen haben und beleuchtete deren Werdegang.

Buchlesung und Fotoausstellung waren Teil der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade, die jedes Jahr in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag veranstaltet wird und das Engagement von Mitgliedern der Evangelischen Kirche für Friedensfragen stärken und die Politik diesbezüglich unterstützen soll. Ziel ist es, einen Beitrag zum Frieden und zur Weiterentwicklung einer respektvollen Streitkultur der Kirche und Gesellschaft zu leisten.

Von Tobias Wagner

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