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Brandenburg/Havel Darum leuchtet die Havel in Brandenburg an der Havel grün
Lokales Brandenburg/Havel Darum leuchtet die Havel in Brandenburg an der Havel grün
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15:03 27.09.2019
So sieht das verfärbte Wasser vor der Brandenburger Vorstadtschleuse aus. Quelle: André Großmann
Brandenburg/H

Grünes Wasser bahnt sich seinen Weg durch die Havel und fließt in Richtung der Brandenburger Vorstadtschleuse. Der Markierungsfarbstoff Uranin schimmert im oberen Vorhafen und sorgt innerhalb von zwei Stunden für ein Leuchten, das auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern sichtbar ist.

Zehn Kilo des Farbstoffes Uranin fließen aktuell durch die Havel. Mit einem Experiment wollen Mitarbeiter der Bundesanstalt für Wasserbau und Forscher der Uni Potsdam Wasserströme und Veränderungen im Grundwasser untersuchen.

Ergebnis eines Experiments

Die Szene ist das Ergebnis eines Experiments der Bundesanstalt für Wasserbau. Alexander Dolich, Hoerby Lensing und Daniel Straßer fahren hierfür mit Schutzanzug, Schwimmweste und zwei 5-Kilo-Kanistern Uranin aufs Wasser. Die Karlsruher Behördenmitarbeiter sind unterwegs auf dem Boot „Eisvogel“, sie wollen mehr zum Kontakt zwischen Oberflächen- und Grundwasser erfahren und markieren Wasserströme.

Zehn Kilo Uranin in der Havel

Hierzu muss das Trio mehrere Arbeitsschritte befolgen. Zuerst wirft Hoerby Lensing einen Blick in die Kanister, betrachtet das rote Uranin-Pulver, gibt Wasser hinzu und schließt den Behälter. Diesen schüttelt er, verdünnt so den Farbstoff, öffnet das Gefäß erneut, um einen Schlauch hineinzulegen und lässt dessen anderes Ende direkt auf den Grund der Havel in dreieinhalb Meter Tiefe. Zehn Kilo Uranin werden auf diese Weise in die Havel geleitet.„Ich gehe davon aus, dass wir Markierungsversuche dieser Größenordnung in meiner beruflichen Laufbahn nicht mehr machen“, sagt Straßer.

Wofür Uranin genutzt wird

Der Markierungsfarbstoff Uranin wird vielfältig eingesetzt, beispielsweise zum Einfärben von Shampoos, Schaumbädern, Kosmetika, aber auch für Leuchtfarben in Diskotheken. Mit UV-Licht angestrahltes Uranin verstärkt die Reflektion des Stoffs und wirkt in Horrorfilmen giftig und radioaktiv. Die Sichtbarkeitsgrenze des sogenannten Fluoreszenztracers ist von der Schichtmächtigkeit des Wassers abhängig. Mit 500 Gramm Uranin können Schiffbrüchige eine Meeresfläche von um die 4000 Quadratmeter färben. Zum St. Patricks Day am 17. März färben Amerikaner den Chicago River mit Uranin und verwenden dabei um die 18 Kilogramm des Stoffs.

Grundwasserhaushalt untersucht

Der Hydrogeologe teilt mit, dass letzte Woche durch Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Bagger eingesetzt wurden, die vor der Stadtschleuse feinen Sand und Sedimente abtrugen. Die Mitarbeiter der Behörden arbeiten zusammen. Sie untersuchen mit Forschern der Uni Potsdam Fließgeschwindigkeiten, Bewegungen des Wassers und mögliche Veränderungen des Grundwasserhaushalts. „Die Lehrmeinung ist, dass sich durch Baggerungen auch das Verhalten der Stoffe im Untergrund ändert und diese so langsamer abgebaut werden“, sagt Hoerby Lensing dazu.

Grünes Schimmern am Freitagmorgen

Daniel Straßer betont, dass Uranin toxikologisch in der verwendeten Größe unbedenklich sei und „innerhalb eines Tages durch die UV-Strahlung abgebaut wird.“ Der 34-Jährige empfiehlt aber dennoch, das Experiment nicht nachzumachen. „In dieser Dimension sind es Versuche, die der Forschung vorbehalten bleiben sollten“, sagt der Hydrogeologe.

Das grüne Schimmern ist Freitagmorgen, direkt nach dem Sonnenaufgang am deutlichsten sichtbar und sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Während einige Radfahrer den Kopf schütteln und weiterfahren, betrachten Anwohner wie Harald Kießler die Situation genauer. „Das sieht ungewöhnlich aus. Ich dachte erst, dass Algenbildung für die grüne Farbe des Wassers verantwortlich ist“, sagt der Brandenburger. Er bleibt gelassen und hofft, dass der Farbstoff Uranin nicht schädlich für die Tiere ist. Einige Enten meiden derweil das Wasser in der Havel.

Testergebnisse in zwei bis drei Monaten

Forscher der Uni Potsdam nehmen auch nach dem Experiment jede Woche Wasserproben und untersuchen die Uranin-Konzentration. Ihre Proben leiten sie anschließend an die Bundesanstalt für Wasserbau weiter. „Doch da das Grundwasser sehr langsam ist und mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 30 Zentimetern pro Tag fließt, dauert es noch eine Weile“, sagt Hoerby Lensing von der Karlsruher Behörde. Er rechnet in „frühestens zwei bis drei Monaten“ mit Ergebnissen.

Von André Großmann

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