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Brandenburg/Havel Todesangst im Urlaub: Brandenburger stürzt vom Vulkan
Lokales Brandenburg/Havel Todesangst im Urlaub: Brandenburger stürzt vom Vulkan
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09:28 25.10.2019
Das sind die einzigen Aufnahmen, die Torsten Richter gemacht hat, hier das Gebirgsmassiv des Vulkans Piton de la Fournaise. Quelle: Torsten Richter
Brandenburg/H

Der Brandenburger Torsten „Totti“ Richter ist Extremsportler, der fast 49-Jährige hat bereits 132 Marathon- und Ultraläufe hinter sich gebracht. Seine Fitness und Leistungsfähigkeit haben ihm nun wahrscheinlich das Leben gerettet. Der MAZ hat er seine unglaubliche Geschichte geschildert.

Wanderurlaub statt Grand Raid

Das Foto entstand wenige Minuten vor dem Absturz. Quelle: Torsten

Eigentlich wollte Richter einen der härtesten Läufe der Welt laufen, den Grand Raid auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean. Die Strecke ist 162 Kilometer lang, führt über 9600 Höhenmeter und durch verschiedene Klimazonen. Doch beim Beetzseelauf in seiner Heimatstadt erlitt er einen Muskelfaserriss, konnte nicht starten. „Ich wollte diesen Lauf auch für meinen 2018 verstorbenen Freund Wolfhard S. laufen, dieser Traum muss nun bis 2020 warten“, erzählt er. Gleichwohl flog er mit seiner Freundin Katharina auf die Insel in den Urlaub.

Ausflug zum Vulkan

Am 20. Oktober machten sie sich zum Piton de la Fournaise auf, dem größten Vulkan der Insel. Er ist gut markiert und auf dem öffentlichen Weg sind zur frühen Stunde nur wenige Menschen unterwegs. „Ich lief etwas vor und war gegen 10.15 Uhr auf dem Gipfel in 2600 Metern Höhe. Dann beschloss ich spontan, den Krater zu umgehen – immer am markierten Weg entlang und trotzdem war ich allein.“

EU-Insel im Indischen Ozean

La Réunion ist eine Insel im Indischen Ozean und ist ein Übersee-Departement sowie eine Region Frankreichs. Sie gehört damit zur Europäischen Union.

Die Insel gehört zu den Maskarenen, liegt 700 Kilometer von Madgaskar und 200 Kilometer von Mauritius entfernt.

Die Insel entstand vor etwa drei Millionen Jahren, als der Vulkan Piton des Neiges aus dem Indischen Ozean aufstieg. Eine Vulkankette, deren höchste Gipfel der Piton des Neiges (3070 m) und der noch aktive Piton de la Fournaise (2631 m) sind und die durch Hot-Spot-Vulkanismus entstanden ist, verläuft quer über die ganze Insel.

Der Grand Raid ist ein Ultramarathon, an dem jährlich 1350 Inselbewohner und 1000 Menschen von außerhalb starten dürfen.

500 Meter vor der Umrundung geriet er in ein Labyrinth von Gebirgsspalten. Angst kam auf. Wenige Minuten später brach er ein, rutschte ein scharfkantiges Lavafeld hinunter, „wahrscheinlich 500 bis 800 Meter tief. Ich hatte Todesangst und hoffte, nur kein Loch zu erwischen und unversehrt unten anzukommen“.

Nur leichte Verletzungen

Er hatte Glück im Unglück. Ein Lavastück hatte sich in seinen linken Fuß gebohrt, aber es war nichts gebrochen. Nur Abschürfungen und blutige Stellen am Körper. Allerdings hatte der Verunglückte weder Orientierung noch Handyempfang mitten im scharfkantigen Lavafeld. Er sollte am Ende neun Kilometer in sechseinhalb Stunden irren. Hätte er die richtige Richtung eingeschlagen, wären es nur drei Kilometer zum Ausgang in Richtung Zivilisation gewesen. So wanderte er von Krater zu Krater ins Nirvana. An einen Aufstieg übers Geröll war nicht zu denken. Das Gehen war ohnehin beschwerlich genug. Der eine Liter Wasser reichte zwei Stunden, und es wurde ab 13 Uhr heiß. Den Sonnenbrand spürt Richter heute noch.

Todesgefahr wurde spürbar

„Gegen 15 Uhr stieg ich ab, und ich erreichte endlich telefonisch Katharina. Ab diesem Moment merkte ich, dass ich in Todesgefahr war. Wasser aufgebraucht, dehydriert, verklebte Lippen, schmerzender Körper, und ich inmitten in Wolken und Nebelfeldern. Aber nur dort hatte ich überhaupt Empfang.“ Ab 17 Uhr glaubte er, einsam in dieser Lavahölle zu sterben. Panik kam auf und Weinanfälle.

„Am Ende kletterte ich über 2500 Meter hoch, ohne Wasser. Wahrscheinlich wäre ein untrainierter Mensch schon gestorben.“ Mit der von Katharina gerufenen Bergwacht konnte er sich kaum verständigen, die Freundin übersetzte.

Handyempfang nur im Nebelfeld

Die Retter wiesen ihn an, das Nebelfeld zu verlassen, damit sie ihn sehen können. Ab da war auch der Handy-Empfang wieder weg. Er kletterte mit letzter Kraft hoch, geschätzt 500 Meter. Doch es war ein Gebirgsrücken – 1,50 Meter breit und an beiden Seiten über 20 Meter tief. Schock! „Das schaffe ich nicht mehr runter, dachte ich und das Gestein war sehr brüchig.“ Nach dem Schock kam der Überlebenswille. Irgendwie schaffte er es wieder runter in die Lava.

Das Foto entstand kurz vor der Rettung, gut zu erkennen sind die dichten Nebelwände. Quelle: Torsten Richter

Um 18.15 Uhr würde es dunkel werden. 20 Minuten zuvor sah Torsten Richter den Helikopter der Bergwacht, aber er flog weiter. Zudem kam der Nebel zurück. „Das Schlimmste war die Warterei und selbst ein Hilfeschrei war nicht mehr möglich. Ich hörte den Helikopter, aber sah diesen nicht.“ Mit Hilfe von Katharina markierte die Besatzung seine ungefähre Position. „Dann sah ich auf einmal ein Gesicht in 200 bis 300 Metern Entfernung, davor hatte ich schon halluziniert.“ Es war aber ein Retter, der ihn nun führte. Es ging über spitze Kräutergewächse und Gesteinsbrocken.

Tränen des Glücks

Der Helikopter konnte nicht landen, flog einen, zwei Meter über dem Krater. Richter nennt seine Retter Profis und Helden. „Ich kam rein und weiß nicht mehr so viel. Nur, dass ich vor Glück weinte. Sie waren toll, und das werde ich nie vergessen. Es ist mein zweiter Geburtstag. Sie erzählten mir, dass noch ein Mensch Hilfe bräuchte.“ Er wurde zum Parkplatz geflogen, wo Katharina seit Stunden wartete.

Nie wieder auf einen Vulkan

Die Retter flogen gleich weiter, Richter konnte nicht einmal Worte des Dankes sagen. „Der französischen Bergwacht verdanke ich mein Leben. Und diesen stillen Helden möchte ich danken. Und Katharina genauso.“ Die Verletzungen, Prellungen und der Sonnenbrand verheilen. „Ich werde nie mehr einen Vulkan besteigen und bin mir sicher, dass mein Glück aufgebraucht ist.“

Von André Wirsing

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