Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Fantasievolle Ferien
Lokales Brandenburg/Havel Fantasievolle Ferien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 07.02.2017
Fleißig bei der Sache: Wibke Keding (9, r.) und Joelle Voigt (9) arbeiten im Kunstprojekt in der Brandenburger Galerie Sonnensegel mit.
Fleißig bei der Sache: Wibke Keding (9, r.) und Joelle Voigt (9) arbeiten im Kunstprojekt in der Brandenburger Galerie Sonnensegel mit. Quelle: Annika Jensen
Anzeige
Brandenburg/H

Ruhig arbeiten sie. Sitzen konzentriert an ihren Geschichten und Bildern. Sechs Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren haben sich in diesen Winterferien zum Kunstprojekt in der Galerie Sonnensegel angemeldet. Sie sind mit Susanne Lehmann, freiberufliche Berliner Museologin und Jan Beumelburg, Wahlbrandenburger und freiberuflicher Bildender Künstler, in der Stadt unterwegs gewesen und haben Fotos gemacht. Von Plätzen, Straßenzügen, Gebäuden, Parks, sich selbst.

Ihre Fotos der Brandenburger Wirklichkeit sollten die Nachwuchskünstlerinnen als Grundlage für ihre Fantasie benutzen. Sie durften aber nicht nur Fotografieren. Auch Skizzen oder Comics der Stadt konnten sie anfertigen. Hauptsache real.

Das Projekt heißt „Das wahre Brandenburg“ und soll die Kinder dazu animieren, die Realität mit ihrer Fantasie zu verbinden. „Unser Impuls war ursprünglich: Stellt euch Brandenburg mal ohne Havel vor“, erzählt Susanne Lehmann. „Dem Gedankengang sind wir letztlich aber gar nicht gefolgt, weil Brandenburg für uns ohne Havel nicht vorstellbar ist. Ganz im Gegenteil: es sind sehr viele Bilder mit Wasser entstanden.“

Die Aufforderung an die Kinder lautete: Verändere die Stadt mit Stift und Schere. Und so liegen an desem Donnerstagnachmittag zahllose Bilder mit ausgeschnittenen Elementen oder hinzugemalten Objekten auf dem großen Tisch in der Alten Lateinschule. Sie erzählen alle eine Geschichte.

Kunstprojekt in der Galerie Sonnensegel, Jan Beumelburg (l.) und Susanne Lehmann arbeiten mit den Kindern. Quelle: Annika Jensen

Entweder alleine oder in Gruppen haben sich die Mädchen Geschichten ausgedacht und waren mit ihren Überlegungen im Kopf in der Stadt umhergelaufen. „Wir haben so einen veränderten Blick auf die Stadt“, sagt Susanne Lehmann. „So hat sich zum Beispiel eine Gruppe ausgedacht, dass Brandenburg komplett unter Wasser steht und dass die Menschen Unterwasserwesen sind, es aber nicht wissen“, sagt sie und zeigt Bilder, auf denen die Gotthardtkirche von blauer Farbe umgeben ist, durchsichtig, so dass die Kirche gut sichtbar ist. Drumherum schwimmen bunte Fabelwesen.

Die beiden neunjährigen Fontaneschülerinnen, Wibke Keding und Joelle Voigt haben sich etwas anderes ausgedacht. Gemeinsam mit ihrer Freundin Karo sind sie selbst Teil ihrer Geschichte. Deswegen sind sie selber auf ihren Fotos zu sehen. „Wir gehen durch ein Portal in Brandenburg und kommen so in eine andere Welt“, erzählt Wibke. Joelles Großmutter hatte in der Zeitung von dem Ferienprojekt gelesen. Die beiden kunstbegeisterten Mädchen wollten sofort mitmachen.

Wenn alle Geschichten fertig sind, wollen Susanne Lehmann und Jan Beumelburg die Bildergeschichten der Kinder zusammenfügen und daraus ein Magazin machen. So können die kleinen Künstlerinnen ihre Werke mit nach Hause nehmen. Im Mai wird das Projekt gemeinsam mit einem Museumsprojekt für Jugendliche und einem Kita-Projekt am Museumstag im Industriemuseum vorgestellt.

Im Raum nebenan sitzen fünf weitere Kinder und lassen ebenso ihrer Fantasie freien Lauf. Allerdings auf andere Weise: sie kneten, klopfen, kratzen und bemalen Ton. Von Montag bis Donnerstag konnten die Kinder vorbeikommen, auch spontan, und ihre Eltern oder Großeltern mitbringen. Es entstanden Perlen, kleine Häuser, Teller, Vasen oder Tassen. Auch Fliesen durften sie bemalen.

Die siebenjährige Lina Bauer ist begeistert bei der Sache. „Ich finde es toll, weil man so schöne Sachen machen kann für Türen, Wände oder für die Küche“, sagt sie.

Ihre Mutter sitzt neben ihr und bemalt eine Vase. „Ich finde den Kurs super und ich finde es toll, dass für so wenig Geld, so Tolles entstehen kann“, sagt Anett Bauer. „Als Erwachsener kann man super entspannen, weil es nicht so viele Teilnehmer sind und man kann einfach jederzeit vorbeikommen, ohne die anderen Tage zwingend dabei gewesen zu sein.“

Von Annika Jensen