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Brandenburg/Havel Feuer frei für Schießlärmmessung
Lokales Brandenburg/Havel Feuer frei für Schießlärmmessung
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00:18 13.07.2017
Zu sehen und zu hören: Diese Drohne vom Artillerielehrbataillon 345 aus Idar-Oberstein kommt derzeit im Luftraum über Altengrabow zum Einsatz.
Zu sehen und zu hören: Diese Drohne vom Artillerielehrbataillon 345 aus Idar-Oberstein kommt derzeit im Luftraum über Altengrabow zum Einsatz. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Altengrabow

Im Sodatenjargon wird sie der „Rasenmäher“ genannt. Was ein Zwei-Takt-Boxermotor auf rund 200 Stundenkilometer beschleunigt, ist der neueste Krachmacher im Luftraum über dem Truppenübungsplatz Altengrabow. Rund vier Kilometer hoch kann die von einer mobilen Rampe gestartete Drohne steigen. Die Kamera im Kopf des Fluggerätes liefert der Truppe am Boden Aufnahmen von feindlichen Stellungen und der Wirkung des eigenen Artilleriefeuers. Davon wird es in den nächsten Tagen für die Anwohner der Umlandgemeinden mehr als genug zu hören geben.

Grund sind die lange angekündigten Schallpegelmessungen rund um den 9400 Hektar großen Truppenübungsplatz. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigungen gegeben. Unter anderem hatte sich Sybille Stockmann aus Hohenlobbese bei Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen über den zunehmenden Schießbetrieb beklagt (MAZ berichtete). Deshalb lässt die Öffentlich-rechtliche Aufsicht für Arbeitssicherheit und technischen Umweltschutz in der Wehrereichsverwaltung Ost in der Zeit vom 17. Juli bis 28. Juli zehn Messstellen einrichten. Unter anderem an zwei Standorten in Hohenlobbese, außerdem in Reetz, Reppinichen, Wutzow und Görzke. Auch an der Westgrenze des Platzes im Jerichower Land wird es Messungen geben.

Sibylle Stockmann aus Hohenlobbese gehört zu den Beschwerdeführern gegen zu lauten Schießlärm. Quelle: JACQUELINE STEINER

Um auswertbare Messreihen zu bekommen, fährt die Bundeswehr jede Menge Gerät auf. „Da wird so viel geballert, wie in einem halben Jahr nicht“, kündigte Platzkommandant Eugen Poch bei einem Treffen mit den Bürgermeistern der Umlandgemeinden an. Feuern sollen Artillerie und Panzer. Panzerfäuste werden fliegen, Sprengungen sind angekündigt. Am Tage ist der Einsatz von insgesamt 400 Schuss Panzermunition geplant. „Gemessen wird bei jedem Bürger, der sich beschwert hat, um ein individuelles Messergebnis zu erhalten“, so der Platzkommandant.

Die Auswertung der Schallpegelmessungen erfolgt mit einer Software. Dafür wird der Übungsplatz in Raster von 250 mal 250 Meter eingeteilt. Grundsätzlich gelten an Wohngebäuden Grenzwerte am Tage von 70db (C), ab 23 Uhr dürfen 60db (C) nicht überschritten werden. Diese Richtwerte können allerdings an fünf Prozent aller Tage überschritten werden. Das macht 18 Tage im Jahr. Für Platzkommandant Poch ist deshalb trotz einzelner Überschreitungen beim Übungsbetrieb in der Vergangenheit „alles rechtskonform“ abgelaufen.

Auch die Panzerhaubitze 2000 wird während der Lärmmessungen im Einsatz sein. Quelle: Frank Bürstenbinder

Seit Altengrabow wieder als vollwertiger Truppenübungsplatz gilt, hat sich die Lärmsituation deutlich verändert. Seit 2014 sind die schweren Kaliber zurück. Mit dem Ausbau der Infrastruktur samt Truppenunterkünfte und Biwakplätze wird sich die Zahl der übenden Einheiten langfristig weiter erhöhen. Dazu kommen Manöver im Verbund mit Hubschraubern und Flugzeugen. Im September ist Richtfest für die neue Feuerwache. Für die Zeit nach 2022 ist bereits die Rede von einem neuen Wirtschaftsgebäude mit Küche und Speisesäle. Bis zu 900 Soldaten sollen sich Altengrabow zeitgleich aufhalten können. Insgesamt hat die Bundeswehr für den seit über 110 Jahren bestehenden Platz ein Investitionspaket in Höhe von 30 Millionen Euro geschnürt.

Von Frank Bürstenbinder

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