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Brandenburg/Havel Feuerwehr Wenzlow bremst Autobahn aus
Lokales Brandenburg/Havel Feuerwehr Wenzlow bremst Autobahn aus
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14:34 29.01.2018
Die Wenzlower Feuerwehr bei einem Einsatz auf der A 2. Zur Eigensicherung setzen die Retter verstärkt auf Vollsperrungen. Quelle: privat
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Wenzlow

Nach dem Vorbild von Kloster Lehnin sollen die Feuerwehren im Amt Ziesar in Zügen zusammengefasst werden. Das hat Amtsbrandmeister Andy Laube auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wenzlow angekündigt. Grundlage ist eine in Arbeit befindliche Gefahrenabwehrplanung. Ziel ist es unter anderem eine stabile Tageseinsatzbereitschaft abzusichern. „Alarmierungen am Tage sind durchaus problematisch. Viele Kameraden arbeiten auswärts. Außerdem sind Lkw-Fahrer knapp. Dennoch ist es uns bisher immer gelungen allen Menschen zu helfen, die Hilfe benötigt haben“, beschrieb Wenzlows Wehrführer Holger Vieweg die Lage.

Zwei Waldbrände

Die Freiwillige Feuerwehr Wenzlow wird von den drei Ortsteilen Wenzlow, Grüningen und Boecke gebildet. Es gibt derzeit 22 aktive Einsatzkräfte, davon dürfen 13 Kameraden einen Pressluftatmer tragen. Der Altersabteilung über 65 Jahre gehören 22 Personen an.

Bei 81 Einsatzsstunden hat im vergangenen Jahr für die Wenzlower ein Einsatz durchschnittlich 1,6 Stunden gedauert. In Mannstunden waren es 573. Die Wenzlower Feuerwehr verbrauchte 2017 mit 70 000 Liter Wasser deutlich weniger von dem Löschmittel als 2016. Es gab nur zwei Waldbrände.

Das Amt Ziesar als Träger des Brandschutzes hat 2018 Zuschüsse für vier Lkw-Führerscheine eingeplant. So trät die Verwaltung 75 Prozent der Kosten. Den Rest müssen die betreffenden Kameraden selbst aufbringen. Fördervereine können helfen. In Wenzlow ist Steffen Fischer neuer Vereinsvorsitzender.

Es gab folgende Beförderungen auf der Jahreshauptversammlung: Marcek Hänsel zum Löschmeister; Steven Kujat zum Oberfeuerwehrmann; David Strüber zum Hauptfeuerwehrmann; Michael Strüber zum Hauptfeuerwehrmann.

Einen Zug könnten die Wenzlower Kameraden zusammen mit den Nachbarn in Wollin und Gräben bilden. Bereits jetzt sind Wenzlow und Wollin zu vielen Einsatzorten parallel unterwegs. Insbesondere bei Verkehrsunfällen auf der nahen Autobahn. Außerdem haben die beiden Feuerwehren die Schlüssel ihrer Gerätehauser ausgetauscht. Intensiviert werden soll in diesem Jahr die Zusammenarbeit der Jugendfeuerwehren. In Wenzlow gehören 13 Mädchen und Jungen der Nachwuchsgruppe an.

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Wenzlows Ortswehrführer Holger Vieweg. Quelle: Frank Bürstenbinder

Nach Ziesar ist die Wenzlower Brandschutztruppe die meist alarmierte Feuerwehr im Amt. Zwar hat sich die Zahl der Einsätze mit 51 im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 etwas entspannt, doch bleiben die Herausforderungen groß. Bei ihren Einsätzen hatten es die Wenzlower mit 24 Verletzten zu tun, um die sie sich oft noch vor Eintreffen der Rettungswagen kümmern müssen. Für drei Unfallopfer kam jede Hilfe zu spät.

Unfallträchtig bleibt die Autobahn 2. Nach dem tragischen Geschehen mit zwei getöteten Kameraden aus Lehnin wenden die Wenzlower eine neue Taktik zur Eigensicherung an. „Auf dem Weg zum Einsatzort fächern wir unsere Fahrzeuge über alle Fahrspuren auf, um den nachfolgenden Verkehr zum Stehen zu bringen. Die Vollsperrung im ausreichenden Abstand zum Unfallort wird zu unserer Lebensversicherung“, erläuterte Feuerwehrchef Vieweg auf der Jahreshauptversammlung. Rückendeckung für die freiwilligen Feuerwehrleute gibt es dabei von der Amtswehrführung. „Die Vollsperrung wird in Varianten je nach Personal- und Fahrzeugbesatz angewendet. Wir haben uns zu dieser Maßnahmen entschlossen, weil alle Kameraden heil von den Einsätzen nach Hause kommen sollen“, so Amtsbrandmeister Laube.

Amtsbrandmeister Andy Laube (r.) befördert auf der Wenzlower Jahreshauptversammlung Michael Strüber zum Hauptfeuerwehrmann. Quelle: Frank Bürstenbinder

In seinem Bericht dankte Vieweg den Kameraden für ihre Einsatzbereitschaft in 2017. Als ein Beispiel nannte er die Beseitigung der Orkanfolgen im Herbst. Etliche Straßen mussten passierbar gemacht werden. Der Wolliner Autobahntankstelle wurde mit einem Notstromaggregat geholfen, um die Kühltruhen in Betrieb zu halten. Mit Blick auf künftige Wetterunbilden empfahl der Ortswehrführer den Wenzlowern in Notsituationen das Gerätehaus aufzusuchen: „Hier können wir uns autark mit Strom versorgen, Babynahrung warm machen und Wasser bereitstellen.“

An das Amt Ziesar als Träger des Brandschutzes richtete Vieweg mahnende Worte. Zu lange sei die Reparatur der Gebäudeheizung verschleppt worden. Zögerlich sei auch ein Dachschaden nach dem Sturm repariert worden. Zu lange würden Ersatzbeschaffungen für verschlissene Einsatzkleidung dauern. Es gibt zu wenige Rufmeldeempfänger und digitale Handfunksprechgeräte. Letzte sind jedoch gerade in der Beschaffung, versicherte Amtsbrandmeister Laube.

Von Frank Bürstenbinder

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