Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Der „Mister 100“ im Billard
Lokales Brandenburg/Havel Der „Mister 100“ im Billard
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:36 05.05.2019
Dick Jaspers ist jetzt Welt- und Europameister im Dreiband.
Dick Jaspers ist jetzt Welt- und Europameister im Dreiband. Quelle: Billardmagazin Touch
Anzeige
Brandenburg/H

Die Billard-Europameisterschaften sollen auch 2021 in Brandenburg an der Havel ausgetragen werden. Dafür hat sich der Kongress der Confédération Européenne de Billard CEB mit dem Präsidium und Vertretern vieler nationaler Verbände in großer Mehrheit ausgesprochen, berichtet die deutsche Cheforganisatorin Helga Blawid. „Wir machen das hier zum vierten Mal seit 2013, dass alle Disziplinen an einem Ort zu einer Zeit ausgetragen werden.

Anscheinend hat es sich bewährt und wir sind gute Gastgeber. Zudem haben wir diesmal spürbar mehr Zuschauer als bei den vorangegangenen Meisterschaften.“

Spannendes Dreiband-Finale

Der CEB-Kongress tagte am Sonnabendvormittag im Rolandsaal des Rathauses am vorletzten Wettkampftag der diesjährigen Titelkämpfe. Am Nachmittag kam es im Stahlpalast zum großen Finale in der „Königsdisziplin“ Dreiband. Der amtierende Weltmeister Dick Jaspers aus den Niederlanden traf dabei auf den bis dahin amtierenden Europameister Marco Zanetti aus Italien. Mehr als 300 Zuschauer verfolgten das dramatische Match. Jaspers war relativ locker mit 20:9 in Führung gegangen, doch legte Zanetti in der neunten Runde eine unglaubliche Serie von 16 Punkten am Stück hin, ging so 25:20 in Führung, dann wurde es auf beiden Seiten etwas zäh, bevor Jaspers in der 16. Runde mit einer Zehner-Serie auf 40:30 davon zog, Zanetti schaffte nur noch einen Punkt in seiner letzten Aufnahme.

Überraschungsbesuch der Billard-Legende

40 Jahre lang dominierte Raymond Ceulemans (81) die Billardszene. Quelle: André Wirsing

Im fachkundigen Publikum saß auch eine echte Billard-Legende. Von 1961 bis 2001 dominierte der Belgier Raymond Ceulemans seine Sportart, war 35 mal Weltmeister, davon 24 mal in seiner Lieblingsdisziplin Dreiband. Er war 44 mal europäischer Champion und 61 mal belgischer Meister, wurde in seiner aktiven Zeit nur „Mister 100“ genannt. „In einer Disziplin bin ich immer noch amtierender Weltmeister“, erzählt der beinahe 82-Jährige im MAZ-Gespräch. „1969 wurde ich in Linz Champion in der Freien Partie, danach war diese Disziplin nicht mehr im WM-Programm.“ Auch heute noch ist Ceulemans in Belgien aktiv, in seinem Ceulemans-Team mit zwei Söhnen und zwei Enkeln. „Wenn ich im Vierer-Team mitspiele, ist mein ältester Sohn nur Ersatz-Player.“ Enkel Peter spielte zur EM auch im Dreiband mit, allerdings nur mit überschaubarem Erfolg.

Halbfinale ohne Zuschauer

Ceulemans ist erstmalig in der Havelstadt, „Ich wollte schon früher kommen, es hat sich nicht ergeben. Aber jetzt, wo meine Landsfrau und gute Bekannte Diane Wild CEB-Präsidentin ist, wollte ich unbedingt hierher.“ Das Turnier und seine Organisation lobte er ausdrücklich, einzig eine Kritik zum Spielplan hatte der Experte vorzubringen. „Ich weiß, dass es ein vollgepacktes Turnier ist, auch die Frauen und Junioren ihre Wettkämpfe austragen. Aber in der Königsdisziplin trägt man keine Halbfinals am Sonnabendmorgen um 9 Uhr aus! Das ist schwer für die Spieler, außerdem sind überhaupt keine Zuschauer zu dieser Zeit da. Das Finale um 15.30 Uhr ist okay, aber so frühe Halbfinals geht gar nicht.“ Dieser Kritik muss er aber beim CEB vortragen, in dem er Ehrenmitglied ist, der Verband hat die Spielzeiten festgelegt.

24 Frauen bereichern Wettkämpfe

18 Titel sind von den 500 Aktiven bei den am Sonntag beendeten Europameisterschaften ausgespielt worden. Neu war die Disziplin Biathlon, ein Mix aus Dreiband und 5-Kegel. Zurückgekehrt sind auch die Frauenwettbewerbe im Dreiband, 24 Damen haben hier auf hohem Niveau ihre Kräfte gemessen.

Von André Wirsing